Tracy Chevalier – Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier - AstroLibrium

Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Du flanierst durch die Straßen einer modernen Universitätsstadt. Das Zentrum des historischen Stadtkerns ist geprägt von einem malerischen Marktplatz, einer schlanken gotischen Kirche und einem Rathaus, von dem man denken könnte, es sei aus der Zeit gefallen. Grachten ersetzen Straßen. Das Wasser spielt eine große Rolle in dieser sehr beschaulich wirkenden Szenerie. Du bist zum ersten Mal dort und doch scheinst Du zu wissen, wohin Du gehen musst. Du kennst Dich aus. Du gehst zielstrebig auf die Mitte des Marktplatzes zu, schaust Dich um und stellst Dich auf die bronzene Windrose, die dem Besucher des Marktes die Himmelsrichtungen weist. Du drehst Dich um die eigene Achse und gehst los. Zielstrebig, weil es das Schicksal so vorgesehen hat. Du bist nicht mehr in einer fremden Stadt.

Du bist in Deiner literarischen Heimat angekommen. Du bist in Delft. Nichts ist Dir wirklich fremd. Du hast Dich zuvor in diese Stadt hineingelesen, ihre Atmosphäre in Dir aufgesaugt und für ein paar Jahre hier gelebt. Ein Roman ist in der Lage, seinem Leser das ewige Leben zu schenken. 1664 bist Du lesend hier eingezogen, warst zum ersten Mal auf dem Markt und hast ein junges Mädchen beobachtet, das Dir gezeigt hat, was die Windrose bedeutet. Sie kann Leben verändern, Wege beeinflussen und nachhaltig Schicksal spielen. Ehrfürchtig stehst Du heute hier, weißt, dass alles längst vergangen ist und doch findest Du überall Spuren dieser Vergangenheit. Diese junge Frau hat sich im kollektiven Gedächtnis der Welt verankert. Ihre eigene Geschichte ist unbekannt. Ihr Gesicht gehört zu den bekanntesten Porträts der Kunstgeschichte.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring.  

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Diese Gedanken durchströmten mich auf dem Marktplatz von Delft. Schon als die Entscheidung reifte, dieses holländische Städtchen zu besuchen, war mit klar, dass ich den Roman von Tracy Chevalier lesen musste. Ich wollte Delft auf zwei Zeitebenen im gleichen Augenblick erleben. Ich wollte mehr, als nur ein Tourist auf fremden Wegen zu sein. Im Herzen von Delft hat sich nicht sehr vieles verändert. Nicht seit dem Jahr 1664. Kurz nachdem die Stadt von einem Donnerschlag heimgesucht wurde, der ihr Gesicht für immer veränderte. Ein Donnerschlag, der den Maler Carel Fabritius tötete und sein Schaffen für alle Zeit unsterblich machte. „Der Distelfink“ entstand genau hier. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

Kaum zehn Jahre nach Fabritius trat Jan Vermeer in seine Fußstapfen. Er galt als eines der großen niederländischen Talente, wovon er sich jedoch zu Lebzeiten wenig kaufen konnte. Sein Gesamtwerk ist recht überschaubar. Er malte zu langsam, um mit seinen Bildern den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Berühmt wurde er nach seinem Tod durch „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Die niederländische Mona Lisa, wird es oft genannt. Es ist ein geheimnisvolles, ausdrucksstarkes Gemälde, dem man in Delft an jeder Straßenecke hundertfach begegnet. Es unterscheidet sich extrem von den anderen Bildern aus der Hand dieses Künstlers. Es ist absolut einzigartig. Wen das Porträt jedoch darstellt, welche Geschichte sich hinter dem Bild verbirgt, das ist bis heute völlig ungeklärt. Und genau hier setzte Tracy Chevalier an, um die Lücke in der Kunstgeschichte mit Fiktion zu füllen.

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Ihr gelang mit ihrem Mädchen mit dem Perlenohrring nicht nur ein brillantes und authentisches literarisches Abbild dieser Zeit, sie erschuf mit Griet die junge Frau, die wir mit Haut und Haaren, mit dem sehnsuchtsvollen Blick und ihrem zum Maler des Gemäldes gewandten Blick für immer mit diesem Werk assoziieren. Tracy Chevalier ist mit all ihrer literarischen Wucht in die Wissenslücke vorgestoßen und hat sie mit Leben gefüllt. Sie hat die Deutungshoheit für das Gemälde übernommen und es war ihr schon vom ersten Satz an klar, welche Verantwortung sie damit auf ihren Roman übertrug. In jeder Beziehung stimmig, in jeder Nuance authentisch skizziert sie das Leben von Griet und bereitet Jan Vermeer in ihrer Geschichte den Boden, das Mädchen auszumalen.

Ein faszinierender historischer Roman, in dem die wohl bekannteste Unbekannte Hollands eine eigene Identität und Geschichte bekommt. Wenn man dieses Buch gelesen hat und sich vor das Gemälde stellt, dann hat man keine offenen Fragen mehr. Ja, so kann, so muss es gewesen sein. Es muss eine besondere Beziehung zwischen Modell und Künstler bestanden haben. Es muss einen Grund geben, warum Griet sich nicht mit offenen Haaren malen ließ. Es war kein Zufall, welche Farben verwendet und zu einer lichtdurchfluteten Einheit komponiert wurden. Und sicher war es gewagt, Griet mit einem Perlenohrring zu schmücken, der ihrem Stand nicht angemessen war.

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Tracy Chevalier hat diesem Gemälde eine große Ehre erwiesen. Ihr Buch ist heute kaum noch vom Gemälde zu trennen. Griets Geschichte entwickelt sich plausibel und nachvollziehbar. Ebenso endet sie. Vom Haus- und Kindermädchen im Hause Vermeer zu einer scharfen Beobachterin des Malers bis hin zu dessen Gehilfin, ist der Weg, den Griet einschlägt emotional tatsächlich wie vorherbestimmt. Die Abhängigkeit Vermeers von einem finanzstarken Mäzen, dessen Neigung, jedem Rockzipfel hinterher zu laufen und dem Wunsch, Griet zu besitzen, konnte Vermeer nur sein Bild entgegenhalten. Er schützt sein Mädchen und gibt es doch zugleich der Öffentlichkeit preis. Vermeers Frau muss tatsächlich ein einziger Blick auf das Porträt gereicht haben, um zu erkennen, wie Griet zu ihrem Mann stand. Und umgekehrt.

Ich kann Gemälde und Buch nicht mehr voneinander trennen. Ich kann Delft nicht mehr von meinem Lesen trennen. Ich war zutiefst dankbar, meinem Mädchen mit dem Perlenohrring überall zu begegnen. Griet ist mir bis nach Hause gefolgt. Ich bin ihr bis nach Den Haag gefolgt, wo man das Original heute noch bestaunen kann. Es ist mehr als ein Zufall, dass sie im Mauritshuis nicht ganz alleine ausgestellt wird. Es kann kein Zufall sein, dass ich dort auch zugleich den „Distelfink“ besuchen konnte. Ich habe das Buch mitgenommen. Ich habe dem Mädchen mit dem Perlenohrring lange in die Augen geschaut, habe das Kapitel der Entstehung des Gemäldes im Buch erneut gelesen und wurde Zeuge eines magischen Augenblicks, den man nur in einer Galerie erleben kann.

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Man kann sich ein Bild eine Woche lang anschauen
und nie wieder daran denken. Man kann sich ein Bild
eine Sekunde lang anschauen und es sein Leben lang
nicht mehr vergessen…“ 

Dieses Zitat von Donna Tartt verbindet den Distelfink von Fabritius, das Mädchen mit dem Perlenohrring von Vermeer und mein Blaues Pferd von Franz Marc. Hier bin ich dankbar für jeden Farbhauch, für jeden Pinselstrich und jede Schattierung, weil sich mir Bücher und Gemälde in einer lautstarken Symbiose geöffnet haben. Ich kann Euch nur empfehlen, Delft und Den Haag miteinander zu verbinden, wenn Ihr mal eine literarische Reise unternehmen wollt. Ich kann Euch sowohl Tracy Chevalier als auch Donna Tartt und Der Distelfink ans Herz legen. Und wenn Euch das Lesen nicht mehr ausreicht, dann genießt die Verfilmungen beider Bücher. Auch das vereint sie. Großes Kino, nicht nur für Leser und Weltenbummler….

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Und solltet Ihr mal in Delft auf dem Marktplatz stehen, stellt Euch auf die Windrose, schließt die Augen, dreht Euch im Kreis, öffnet sie und geht einfach los. Schöner kann man sein Schicksal nicht herausfordern… Fragt Griet, sie wird es bestätigen.

PS: Nur kurz nach dem zwanzigsten Geburtstag dieses Erfolgsromans veröffentlicht der Atlantik Verlag das neue Buch von Tracy Chevalier: „Violet“ erscheint im Januar und ich werde ihr zu den Frauen folgen, die Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigen. Die 1930er Jahre läuten ein neues Kapitel für Tracy Chevalier ein.

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Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Tracy Chevalier

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle - AstroLibrium

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Ich bin noch gar nicht lange zurück von den blutigen Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Der Wintersoldat“ entführte mich im Kanon meines Lesens zum ersten Weltenbrand in die Karpaten und konfrontierte mich erneut mit traumatisierten Soldaten des industrialisierten Schlachtens. Meine Rezensionen zu diesem Buch und zu einigen weiteren Werken zu diesem Themenkomplex veranschaulichen meine persönliche und berufliche Verbindung zu einem Krieg, der von vielen als Geburtsstunde des folgenden Weltkrieges bezeichnet wird. Niemand nannte ihn damals Erster Weltkrieg. Für Freund und Feind war er einzigartig. Unvorstellbar für alle Beteiligten, die am Ende kriegsmüde und von seinen Folgen mittelbar oder unmittelbar betroffen waren, dass einundzwanzig Jahre nach dem Friedensschluss ein neues, sogar vielfach schlimmeres Gemetzel die Welt in seinen grausigen Klammergriff nahm…

Wer den Zweiten Weltkrieg begreifen möchte, muss den Ersten Weltkrieg verstehen. Wer die Machtergreifung der Nazis 1933 nachvollziehen möchte, der muss sich in die Schützengräben bei Verdun begeben, um zu erkennen, dass eine Niederlage im Felde zur Legendenbildung herangezogen wurde, um auf der Grundlage von Rachegelüsten erneut über Europa herzufallen. Dabei war der Erste Weltkrieg bahnbrechend und neu für die kriegführenden Parteien. Aus Bewegungskriegen, Schlachtformationen und dem beherzten Einsatz von Kavallerie wurden Stellungskriege, Abnutzungsschlachten, Gas- und Granatendauerbeschuss und die industriell betriebene Zermürbung durch Artillerie. Unvorstellbar, das Leid auf allen Seiten. Nicht nachvollziehbar, die Lebensumstände in lebensfeindlicher Umgebung. Nicht greifbar, der Schrecken, den dieses Schlachten im kollektiven Gedächtnis der Armeen hinterließ. Nie wieder. So schallte es durch Europa. Und doch… Die Geschichte wiederholte sich.

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle - AstroLibrium

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Viele Bücher sind geschrieben worden. Viele aktive Soldaten haben ihre Erlebnisse für die Nachwelt festgehalten. Ernst Jünger hat in Tagebüchern, Romanen und seinen Feldpostbriefen Zeugnis abgelegt. Remarque beschrieb das Schlachten und zahllosen Verborgenen Chroniken konnte man entnehmen, dass hier nichts erfunden war. Und damit nicht genug. Die Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges ist noch nicht beendet. Ich bin immer wieder auf der Suche nach Büchern, die das Bekannte neu erzählen. Ich bin auch in den letzten Jahren immer wieder fündig geworden, was meine Artikelserie zum Ersten Weltkrieg deutlich zeigt. Und immer, wenn ich gerade dachte, alles sei erzählt, stoße ich auf ein Buch, das mich in Staunen versetzt. Die Elegie des großen Krieges von Dorothe Reimann ist eines der überzeugendsten Bücher, in dem Perspektiven im Trommelfeuer gewechselt werden wie die Magazine der Schnellfeuerwaffen. Hier steht das Gefecht im Mittelpunkt. Der Mensch wird zermalmt. Ein Überlebenskampf mit tiefer Botschaft.

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle - astrolibrium

Dorothe Reimann – Kurt Oesterle – Ernst Jünger – Der Erste Weltenbrand

Wenn ich an dieser Stelle den Roman „Die Stunde, in der Europa erwachte“ von Kurt Oesterle vorstelle und formuliere, dass er eine absolute Sonderstellung einnimmt, dann muss ich das näher erläutern. Der Begriff Sonderstellung ist hier vielfältig gemeint und deshalb nicht selbsterklärend. Vielleicht hilft es, wenn ich ganz klar sage, dass ich Angst um dieses Buch habe. Angst, dass es nicht gelesen wird. Angst, dass man es in seiner Dimension unterschätzt. Angst, dass es nicht gefunden wird und auch nicht ins Auge sticht. Angst, dass eines der wohl relevantesten Bücher zu dieser Zeit einfach nicht wahrgenommen wird. Diese Angst begründet sich in drei Faktoren:

Der Titel Die Stunde, in der Europa erwachteerschließt sich lesend und passt in seiner Kernaussage sicher zum Buch. Er hilft jedoch nicht dabei, zielgerichtet einem Roman seine Aufmerksamkeit schenken zu wollen, der sich wie ein Sachbuch vorstellt. Nein. Ein Romantitel ist es wahrlich nicht. Die Gefahr, im politischen Sachbuchbereich einer Buchhandlung zu verschwinden ist groß. Hinzu kommt, dass ich persönlich auch das Cover nicht gerade für einen Eyecatcher halte, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge springt. Das Aquarell „An der Westfront“ entspricht nicht meinem Empfinden von einem Buchcover, das neugierig machen soll. Hinzu kommt die Sprache eines Kurt Oesterle, die wie aus der Zeit gefallen scheint. Der Autor schreibt nach den Regeln der Rechtschreibung alter Art. Das vermittelt dem Leser einen Eindruck, er habe es hier mit einem Text zu tun, der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Selten hat man es heute noch mit „daß“, „vermißt“, „mußte“ in der beharrlichen Verwendung des scharfen S zu tun. Dabei ist der Text neu. Dabei ist dies ein Stilmittel eines Schriftstellers, der in seiner sprachlichen Einzigartigkeit genau mit dieser Nuancierung und seiner Wortkunst eine Welt entstehen lässt, die mehr als lesenswert ist. Sie ist ein MUSS!

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Wenn wir diese Schranken überwinden, werden wir mit einem literarischen Ereignis belohnt, das Seinesgleichen sucht. Auch hierfür sind einige Faktoren verantwortlich, in deren Kontext ein Roman mehrfach die Ebene des reinen Erzählens verlässt und zum Erleben wird. Das Setting: 1919. Der Krieg ist beendet. Die Frontlinie ist leergefegt. In den Schützengräben liegen keine Regimenter, die Waffen stehen still. Kein Strauch im Umkreis von hunderten von Kilometern. Stacheldraht soweit das Auge sieht. Mehrfach umgewühlte Erde von Verdun bis zur Somme und zurück. Blindgänger explodieren im erodierenden Erdreich. Matsch gibt Leichenteile frei. Einzig am Chemin des Dames ist ein Biotop im Grauen entstanden. Ein Bretterverschlag. Eine rein provisorische Trink- und Aufwärmstube mit dem Namen „Zur Heldin der Ruinen“. Ein Schritt nur vom Weg abzuweichen, bedeutet den sicheren Tod. Nur hier, auf dieser Insel der Menschlichkeit, ist man in Sicherheit. Und genau hier begegnen sie sich.

Die Menschen: Diejenigen, die an diesen Ort gefesselt sind. Diejenigen, die er anzieht und diejenigen, die ihm nicht widerstehen können. Da ist der vierzehnjährige Minot, der auf das Schlachtfeld zurückkehrt, um Grund und Boden der Familie wieder in Besitz zu nehmen. Was er findet, ist die Heldin der Ruinen. Verlassen. Er nutzt die Chance und wird zum Schankwirt im unwirtlichen Niemandsland zwischen Krieg und Frieden. Minot wird zum Sinnbild eines Neuanfangs und zur Integrationsfigur eines neu entstehenden Miteinanders auf den frisch ausgehobenen Gräbern der Gefallenen. Da ist die Ehefrau eines englischen Soldaten. Er hat überlebt. Das war es aber auch schon. Traumatisiert und nervlich am Ende, wird er zur Belastung für das gesamte Umfeld. Elsie Norton ist umgeben von Frauen, die ihre toten Männer beklagen oder die Versehrten betreuen. In ihr regen sich Zweifel. Was ist dieser Shell-Shock, unter dem ihr Mann leidet? Als man ihn der Feigheit bezichtigt, wagt sie einen dramatischen Schritt. Die Reise an die Front, um mit seinen Augen zu sehen, ein Gefühl für den Krieg zu bekommen, um der Liebe ihres Lebens näher zu kommen. Da ist der deutsche Kriegsgefangene Franz. Nur eine Nummer auf dem Schlachtfeld. Dazu verurteilt aufzuräumen, Granaten und Leichen zu finden. Ein Kriegsverlierer auf verlorenem Terrain. Perspektivlos.

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Da ist ein deutsches Ehepaar. Um den gefallenen Sohn trauernd. Max und Magda Krüger machen sich auf den Weg ins Feindesland. Als Besiegte. Zur ehemaligen und jetzt zerfurchten Front. Ihre Mission: Ihren toten Sohn der fremden Erde entreißen und nach Hause bringen. Koste es, was es wolle. Doppelt besiegt werden wollen sie nicht. Der Gedanken, den Sohn inmitten seiner Bezwinger auf einem Soldatenfriedhof sehen zu müssen, unvorstellbar. Sie alle treffen in der Heldin der Ruinen aufeinander. Minot wird zum Bindeglied zwischen alten Feinden, Trauernden und Suchenden. Die Gräben sind zwar verlassen, die Wunden jedoch sind nicht verheilt. Jeder von ihnen blutet aus eigenen Wunden und weint seine eigenen Tränen. Sprachlosigkeit, wo Sprache trennt. Hilflosigkeit, wo Mitgefühl fehlt. Perspektivlosigkeit, wo Zukunft im Nebel versinkt. Hier entsteht ein zarter Funke von etwas, das den Nebel vertreibt. Hier wächst ganz zart ein Pflänzchen auf zerbombter Erde. Hier wird Zwischenmenschliches grenzübergreifend und über die Gräber hinaus zum Samen von etwas Größerem. Hier wächst zusammen, was auf ewig getrennt zu sein schien.

Und wer den Menschen nicht traut, der begibt sich an der Seite von Kurt Oesterle auf eine letzte Reise an die Front. Wer den Menschen die Vernunft abspricht, sich in dieser Situation anzunähern, der wage den letzten Schritt. Gorm, der Hund ist ebenso verloren auf dem Schlachtfeld, wie die Toten und Vermissten. Sanitätshund in Diensten der Deutschen. Zur Rettung Verwundeter erzogen. Im Gefecht bewährt. Verwundet und alleingelassen, nachdem sein Sanitätsgefreiter fiel. Streuner auf dem Gefechtsfeld. Von Instinkt getrieben. Menschenfreund. Weggefährte. Vom Helfer zur Bestie degradiert. In seinem Inneren spiegelt sich die Welt, die sich unserem Verstand entzieht. Hier gelingt Kurt Oesterle ein emotionaler Perspektivwechsel, der jeden Zweifel an der Authentizität dieser Geschichte beseitigt und uns zum Nachdenken bringt. Zuletzt schließt er den Kreis der fiktionalen Charaktere, indem er seinen Erzählraum erweitert und ein Treffen ermöglicht, das für das Verständnis der weiblichen Sicht auf einen Krieg elementar ist. Wir treffen auf Mary Borden. Hier wird aus ihrem Schlammgedicht der Abgesang auf ein Zeitalter der Weltkriege. Eine Begegnung, die man sich nicht entgehen lassen darf.

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Kurt Oesterle hat einen sehr nachhaltigen Roman über einen Krieg geschrieben, der gerade mal 100 Jahre hinter uns liegt. Er bringt Krater zum Singen, ermöglicht uns Heimatabende im Niemandsland, trifft Reisevorbereitungen für einen Toten, gibt Raum für Rettung und Hoffnung. Er lässt uns in einer einfachen Bretterbude einen ganz leisen Hauch von Europa fühlen. Vielleicht das erste gemeinsame Haus, von dem man heute gerne spricht. Ein Haus mit nur einem Zimmer. Provisorisch und von Blindgängern der letzten Schlacht umgeben. Ein Haus, das es zu bewahren gilt. Auch, wenn wir gelernt haben, auf welch wackligem Boden das Ganze steht. Ein Roman mit Signalwirkung in Zeiten, in denen scheinbarer Patriotismus erneut dazu aufruft, Grenzen zu ziehen.

Wir sollten uns bewusst sein, auf welchen Grenzen die Gräber der Gefallenen der Weltkriege stehen. Wir sollten uns bewusst sein, dass es oft nur einer ausgestreckten Hand bedarf, neue Grenzen zu überwinden. Wir haben uns allzu oft über den Gräbern miteinander versöhnt, um neue Wunden zuzulassen. Ich war in Verdun. Wir besuchten die damals zerstörten Kathedralen in Frankreich. Ich denke an meine Großväter, deren Leben dieser Krieg und der folgende Krieg für immer veränderte. Wer diese Orte selbst gesehen hat, wer die Wunden in der Natur und in den Menschen noch heute fühlt, der wundert sich an jedem Tag seines Lebens darüber, dass es ein gemeinsames Europa ohne Grenzen gibt. Wer sich diesem Staunen hingeben mag, der sollte, nein, der muss „Die Stunde, in der Europa erwachte“ lesen.

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Ich wollte eine Lanze für dieses Buch brechen. Ich wollte Euch davon erzählen, wie wertvoll es für mich ist. Ich möchte Euch hier die Möglichkeit geben, meinen Gedanken zu folgen, sie zu teilen oder sich an ihnen zu reiben. Zwei Exemplare des Romans „Die Stunde, in der Europa erwachte“ kann ich mit freundlicher Unterstützung des Verlags klöpfer,narr an Euch weitergeben. Kommentiert einfach diesen Artikel und beantwortet mir die Frage, welches Buch zum Ersten Weltkrieg Ihr in diesem Jahr gelesen habt. Ich werde bis zum 26. Dezember warten und dann zwei LeserInnen auswählen, denen ich dieses Buch ans Herz lege. Wichtig ist mir hierbei, dass Ihr nach dem Lesen genau hier eine Spur hinterlasst und uns an Eurer Meinung teilhaben lasst. Wer ist bereit?

Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther - astrolibrium

Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Auch die kleine literarische Sternwarte kommt ohne gute Weihnachtsgeschichte nicht aus! Mein Anspruch ist hoch. Ich möchte die besinnliche vorweihnachtliche Zeit nicht mit Banalitäten verbringen und Geschichten folgen, die den Buchmarkt überfluten, um noch mal eben schnell den Gabentisch zu bereichern. War ich im letzten Jahr noch mit Maja Lunde und ihrer legendären Geschichte „Die Schneeschwester“ unterwegs, so wollte ich auch in diesem Jahr, meiner persönlichen Tradition folgend, niveauvoll ins Fest aller Feste gleiten. Ich wollte den Geist der Weihnacht beschworen wissen. Wollte mich in einer Erzählung fallenlassen, die aus ihrer Zeit gefallen ist und die ganz einfach nach Plätzchen und Vanille riecht, nach Glühwein schmeckt, wie eine Christbaumkugel funkelt und trotzdem im tiefsten Inneren des Herzens ein Gefühl erzeugt, das nicht nur die Weihnachtszeit bestimmen sollte. Hohe Ansprüche. Ich weiß…

Eine Kiste voller Weihnachten stach mir sofort ins Auge. Und dies aus mehreren Gründen: Eine illustrierte Weihnachtsgeschichte mit ansprechenden Bildern fasziniert mich ganz einfach, weil sie dazu einlädt, gemeinsam gelesen und betrachtet zu werden. Sie erschließt sich nicht nur über den Text und wird dem Anspruch Das Auge liest mit in besonderer Weise gerecht. Es ist Dresden, mein Herzensort, Ziel vieler Reisen, das am Heiligabend des Jahres 1890 zum Schauplatz der Geschichte wird. Sehnsuchtsorte und Stimmungen verschmelzen bei mir schnell zu emotionalen Lesemomenten. Es sah gut aus. Weihnachten schien gerettet. Nicht zuletzt, weil ich wusste, dass Ralf Günther in der Lage ist, mich zu fesseln, mich aus meiner Zeit herauszureißen und mir ein paar Impulse mit auf den Weg zu geben, nach denen ich suchte.

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Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Die Badende von Moritzburg hat sich einen besonderen Platz in meinem Lesen erobert. Eine Sommernovelle, ein Künstlerroman und ein absoluter Sehnsuchtsort, den ich bereits mehrfach besucht habe, brachten mich dem Lebensgefühl einer Kolonie von kreativen Aussteigern näher, als ich es den gerade einmal 100 Seiten dieser Erzählung zugetraut hätte. Vertrauensvoll begab ich mich also gerne erneut in seine Hände. Voller Vorfreude blätterte ich in dem Kleinod aus dem Kindler Verlag. Auch hier sind es wenig mehr als 120 Seiten, die sich der Autor für den weihnachtlichen Erzählraum gönnt. Und selbst diese werden noch bereichert durch die Illustrationen von Andrea Offermann. In gediegener literarisch optischer Harmonie werden wir durch das vorweihnachtliche und doch recht geschäftige Dresden des Jahres 1890 geführt. 

Stilistisch wird die Kiste voller Weihnachten sofort auffällig. Es sind Begriffe und Formulierungen, die schon lange aus unserem Sprachgebrauch verschwunden zu sein scheinen und doch schlummern die Erinnerungen an diesen sympathisch altmodischen Ton noch tief in uns. Diese Erinnerrungen gepaart mit der Erzählung schmiegen sich in der sich entwickelnden Geschichte ganz zart aneinander und vermitteln ein Gefühl von Authentizität. Wir sind im Dresden des 19. Jahrhunderts. Am Wendepunkt der Technik angelangt. Die Fuhrwerke und Trambahnen werden noch von Pferden gezogen, haben sich jedoch die Straßen mit den Automobilen zu teilen, die das Stadtbild zunehmend zu prägen scheinen. Und diese Stadt war hungrig, so wie Ralf Günther es beschreibt. Ein ständiger Hunger, der den Lieferverkehr aus dem Erzgebirge auch am Heiligen Abend kaum zum Erliegen kommen lässt.

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Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Das Elbflorenz floriert an allen Ecken und Kanten und genau in dieser geschäftigen Umgebung setzt uns der Autor fast ohne Vorwarnung aus. Unvermittelt treffen wir hier auf zwei Menschen, deren Lebenslinien sich an diesem Heiligen Abend zum ersten Mal kreuzen und deren Wege wir genau einen Tag lang begleiten dürfen. Die erst elfjährige Lisbeth und den Besitzer einer Manufaktur für „Dresdner Pappen“, Vincent Storch. Beide haben alles andere als eine ruhige Weihnacht vor Augen. Vincent hat im letzten Moment eine Kiste mit Weihnachtsschmuck entdeckt, die versehentlich nicht zugestellt wurde, und auf die man im fernen Zinnwald nun vergeblich warten würde. Die Blamage mag er nicht auf sich sitzen lassen und beschließt, selbst zu liefern.

Und Lisbeth ist auf der Suche nach einem fahrbaren Untersatz, der sie nach Hause zum Vater und den Geschwistern bringt. Dem verzweifelten Auftrag ihrer Mutter folgend macht sie sich allein auf den Weg, bis sie ein Fuhrwerk entdeckt, das nur eine Kiste zu transportieren scheint. Lisbeth springt auf, verbirgt sich unter einer Plane und die Reise des alten Mannes und des scheinbar hilflosen Mädchens nimmt ihren Lauf. Wenn man meint, dass 124 Seiten nicht ausreichen, um zwei Charaktere zu entwickeln, der sollte Ralf Günther vertrauen. Er hat die Zügel dieser Geschichte in der Hand und schreibt in der vollendeten Tradition eines Charles Dickens. Hier ist genügend Raum für den Geist der Weihnacht. Hier trifft der mürrische und desillusionierte Weihnachtshändler auf ein Mädchen, das in doppelter Sorge um Vater und Mutter nichts Weihnachtliches fühlt.

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Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Ralf Günther schreibt uns diese beiden Menschen ans Herz. Nicht sentimental oder gestelzt. Nicht romantisch verklärt oder gekünstelt. Nein. Vincent und Lisbeth wachsen in dieser Geschichte aneinander und zusammen. Ein Entwicklungsroman, der uns den Glauben an die Magie der Weihnacht zurückgibt, sollte er verlorengegangen sein. Eine Geschichte, die es sich selbst und den beiden Protagonisten nicht leichtmacht, weil sie nicht schönredet, was Standesunterschiede, Armut und Einsamkeit ausrichten können. Und genau an den Stellen, an denen wir eine kurze Pause gut gebrauchen können, um nachzudenken und nachzufühlen, da sind die Illustrationen platziert, die trotz der Kälte der Umgebung eine wundervolle Wärme verströmen.

Hier fühlt sich Ralf Günther an wie der gute alte Charles Dickens, der im Christmas Carol seinen Ebenezer Scrooge für alle Zeiten zum Weihnachtsliebhaber therapiert. In der „Kiste voller Weihnachten“ sind es nicht nur Dresdner Pappen, die goldglänzende Christbaumdekoration darstellen. Hier ist alles Gold was glänzt. Wort und Bild ergeben einen Gleichklang der Weihnachtsbotschaft. Ein Hauch von Dresden erfüllt die Herzen im vorweihnachtlichen Lesen. Lasst Euch entführen. Besteigt das Pferdefuhrwerk, reitet durch die Nacht, lernt die Menschen am Wegesrand kennen und rettet die Weihnacht.

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Eine Kiste voller Weihnachten von Ralf Günther

Durchbruch von Ronan Farrow (Der Weinstein-Skandal)

Durchbruch von Ronan Farrow - AstroLibrium

Durchbruch von Ronan Farrow

Es kommt nicht oft vor, dass man ein Buch in Händen halten darf, das im Bereich „investigativer Journalismus“ als Meilenstein betrachtet werden muss. Es kommt nicht oft vor, dass man sich sogar als Zeitzeuge des beschriebenen Geschehens selbst ein Bild der Ereignisse machen kann. Und es kommt nicht oft vor, dass man im eigenen Lesen auf den Ursprung einer Bewegung stößt, die sich in den letzten beiden Jahren in allen Ländern der westlichen Hemisphäre ausgeweitet hat. Gemeint ist ein Skandal im Herzen von Hollywood. Gemeint ist der systematische jahrelange sexuelle Missbrauch von Frauen in der Filmbranche. Gemeint ist Harvey Weinstein, der Medienmogul, dem zahllose Frauen vorwerfen, sie in ihrer Abhängigkeit von seiner Macht ausgenutzt und vergewaltigt zu haben. Hier beginnt, was wir heute als MeToo-Bewegung kennen.

Es ist ein wahrer „Durchbruch“ der hier von Ronan Farrow beschrieben wird. Ein Durchbruch, der sich wie der Durchbruch eines bösartigen Geschwürs anfühlt. Hier hat man es mit einem Buch zu tun, das faktenbasiert, recherchetreu und absolut waghalsig einen Skandal beschreibt, der von einem Journalisten aufgedeckt wurde, der hier seine gesamte berufliche Reputation aufs Spiel setzte, da er sich mit den echten Größen der Branche anlegte. Und nicht nur das. Er kämpfte einen Kampf auf verlorenem Posten in einem Umfeld, das so perfekt vernetzt war, dass es kaum gelingen konnte, die wahren Ausmaße des Missbrauchs auch nur im Geringsten aufzudecken.

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Durchbruch von Ronan Farrow

Toxische Männlichkeit steht im Mittelpunkt des Meisterwerks aus der Feder von Ronan Farrow. Ein gesellschaftliches Phänomen, das die zumeist patriarchalische und damit maskuline Entscheidungsstruktur von Konzernen als Machtbasis für Machtspiele gegenüber weiblichen Mitarbeitern nutzt. Abhängigkeit und berufliche Perspektive sind die Triebfedern der Ohnmacht gegenüber jenen, die ihre Macht ausnutzen, Gewalt und Unterdrückung ausüben, und mit der vollen Wucht eines verflochtenen Systems gegen jene vorgehen, die ihr Schweigen brechen und Anklage erheben wollen. Wir reden hier von Männern, für die es selbstverständlich ist, sexuelle Gegenleistungen einzufordern, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Ob es um Filmrollen geht, um die Karriere in der Firma oder schlichtweg um die stressfreie weitere Beschäftigung. Toxisch. Giftig.

Ronan Farrow legt diesen Durchbruch vor, nachdem er 2018 für seine Recherchen mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie „Dienst an der Öffentlichkeit“ ausgezeichnet wurde. Auf dem Höhepunkt seiner Recherchen war er bereits durch die Stahlbäder der Faktenprüfung gegangen. Die im Buch aufgeführten Fälle sexuellen Missbrauchs und sämtliche damit im Zusammenhang stehenden Recherchen, enthüllten Verflechtungen und systematischen Versuche, die Anklagen zu vertuschen sind zweifelsfrei bewiesen. Der Pulitzer-Preis ist das Wahrheits-Prädikat für diesen „Durchbruch“. Für den Leser bedeutet dies die komfortable Situation, staunend lesen zu können, vertrauensvoll den Schilderungen des Autors folgen zu können und Plausibilitätsfragen als beantwortet zu betrachten. Nie zuvor war ein derart brisantes Werk so wasserdicht. Niemals zuvor war eine investigative Reportage erschreckender und nie zuvor hat ein Enthüllungsbuch so viele Bezüge zur Machtstruktur in unserer Gesellschaft. Farrow ist Systemsprenger und Whistleblower zugleich.

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Durchbruch von Ronan Farrow

Der Originaltitel des Buches lautet Catch and Kill. Das sollte man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen, weil Farrow hier einen Mechanismus aufdeckt, der den Tätern ihren Spielraum verschafft. Ein geschlossenes System von Anwälten, Politikern, Journalisten und Detektiven, die den Vergewaltigern Rückendeckung geben. Hier wird die schmutzige Wäsche gebleicht und aufbereitet. Hier werden Westen gereinigt. Hier wird systematisch und großflächig auf jene gezielt, denen Gewalt angetan wurde. Eine Geschichte zu „fangen und sie verschwinden zu lassen“ – das ist der Schlüssel zum Erfolg. Beweise vertuschen, Abfindungen zahlen, Geheimhaltungsverträge mit Opfern abzuschließen und Gegenklagen androhen, das sind die Werkzeuge der Macht die den Tätern ihr zügelloses und frauenverachtendes Spiel ermöglichen.

Ronan Farrow feuert in seinem Buch eine Breitseite gegen die komplexe Struktur einer Gesellschaft ab, in der der Fisch bereits von oben zu stinken beginnt. Die Affären der US-Präsidenten Clinton und Trump, die Schlammschlachten, die gegen die Frauen geführt werden, die ja eigentlich Opfer sind, all dies ist der Türöffner für Menschen, die ihre eigene Macht systematisch dazu ausnutzen, Frauen zu erniedrigen und ihnen das desaströse Gefühl zu geben, sie seien keine Opfer, sondern selbst an der Erniedrigung schuld zu sein. Hört sich unfassbar an, aber Ronan Farrow gelingt es, in den Interviews mit den Opfern genau dieses Bild zu beleuchten. Sie schweigen aus Scham. Sie fühlen sich schuldig. Sie haben Angst vor Konsequenzen. Und sie leiden ein Leben lang, weil sie genau wissen, dass nach ihnen weitere Frauen in die Falle laufen. Ihr Schweigen in der Folge des Missbrauchs ist Wegbereiter der nächsten Vergewaltigung.

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Durchbruch von Ronan Farrow

Man muss Farrow lesen. Man muss die Massenmedien einer kritischen Betrachtung unterziehen und mit gesundem Misstrauen auf die täglichen Meldungen schauen. Hier hat Ronan Farrow mein Vertrauen in die Unabhängigkeit der Presse tief erschüttert. Er zeigt, wie seine Vorgesetzten mit seinen Recherchen umgingen. Er erzählt eine Story, die im eigenen Haus unterdrückt wurde. Fakten und Namen, die man direkt an Harvey Weinstein weitergab. Verflechtungen, die dem Reporter im Dschungel des Systems nur ganz langsam bewusst wurden. Er wurde beschuldigt, beschattet, diskreditiert, von den Aufgaben entbunden und auf unwichtige Reportagen angesetzt. Eine Schlammschlacht der besonderen Art. Er spürte am eigenen Leib, was den Frauen widerfahren war, die sich ihm nur ganz langsam öffnen wollten. Zu groß war die Angst vor dem System.

Die Reportage löste ein Erdbeben aus. Harvey Weinstein sieht sich inzwischen einer Vielzahl von Zivilklagen betroffener Frauen ausgesetzt. Die Beweislage ist erdrückend und wer immer noch daran zweifelt, wie man sich als Frau in die Fänge eines solchen Mannes begeben kann, der möge sich nur das Überwachungstonband anhören, das in einer verdeckten Ermittlung gegen ihn entstand. Dieser Mensch kennt kein NEIN. Hier zeigt sich, was für ihn normal ist. Was für ihn üblich ist. Toxische Männlichkeit kann nur solche Folgen haben, wenn man weiß, dass man von einem ganzen System geschützt wird. Diese Aufnahme ist verstörend und erhellend zugleich. Ihr liegt ein Frauenbild im beruflichen Umfeld zugrunde, das menschenverachtend ist.

Man muss dieses Buch als Frau lesen, um zu begreifen, dass Schweigen nach einer solchen Situation des sexuellen Missbrauchs nur künftige Opfer generiert. Es ist sicher schwer, den Schilderungen der Erniedrigung zu folgen. Und doch MUSS das Buch von Frauen gelesen werden, um solchen Systemen im Großen und im Kleinen die Stirn zu bieten. MeToo kann nur erfolgreich sein, wenn man die Systematik jeden Missbrauchs durchschaut. Männer müssen dieses Buch lesen, um sich zu hinterfragen. Sind es die kleinen falschen Gesten, die „harmlosen“ Berührungen und schlüpfrigen Witze, die hier Tür und Tor öffnen? Wie kann man sein Umfeld beobachten und Frauen aktiv schützen oder warnen? Wie lange darf man zuschauen und schweigen? Niemand wusste etwas! Alle haben geleugnet, bis ihnen die Maske vom Gesicht gerissen wurde.

Eine aberwitzige Reportage, die in mir nachhallt. Catch an Kill. Wir erleben täglich, dass solche Systeme funktionieren. Im laufenden Amtsenthebungsverfahren gegen D. Trump laufen die Hintergrundmaschinen heiß. Jeder, der gegen ihn aussagt, wird mit Verleumdungen, Schmutz und Diskreditierung überzogen. Man sollte beobachten, aus welchen Richtungen hier auf Zeugen geschossen wird. Hier treten die Verflechtungen offen zutage. Hier zeigt sich das Establishment. Und wer den Mund aufmacht und offen seine Meinung sagt, der wird mit dem Schlagwort „Fake News“ mundtot gemacht. Ein Buch, das Augen öffnet. Ein absolutes Muss für all jene, die Machtmissbrauch die kalte Schulter zeigen wollen. Hut ab, Ronan Farrow. Mutig.

Durchbruch von Ronan Farrow - AstroLibrium

Durchbruch von Ronan Farrow

Durchbruch Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen“ von Ronan Farrow / Rowohlt Verlag / übersetzt von: Werner Schmitz; Henning Dedekind; Katja Hald; Heide Lutosch; Hans-Peter Remmler; Antoinette Gittinger; Norbert Juraschitz; Astrid Gravert; Helmut Dierlamm und Heike Schlatterer / 528 Seiten / 24 Euro

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Es sind vier apokalyptische Reiter, die Maja Lunde ins literarische Gefecht wirft, um einerseits unser ökologisches Gewissen aufzurütteln und andererseits Geschichten zu erzählen, die bewegen und fesseln. Maja Lunde ist keine Trittbrettfahrerin der aktuellen Klimadebatten. Sie ist vielleicht sogar eine der Vorreiterinnen, wenn es darum geht, im Kontext brillant erzählter literarischer Stoffe das Thema Umwelt in den Mittelpunkt ihres Schreibens zu stellen. „Die Geschichte der Bienen“ sorgte bereits 2017 für Aufsehen. Sie beschrieb nicht nur die Folgen des Bienensterbens für die gesamte Menschheit. Sie konstruierte zum ersten Mal eine Geschichte auf drei Zeitebenen, die uns verdeutlichte, wo die Fehlentwicklung begann, was wir heute davon wahrnehmen und wie sich dieser Trend in der Zukunft auswirken würde.

Die Geschichte des Wassers“ folgte dem Lunde-Prinzip. Man wusste, worauf man sich einließt, wenn man den Bienen bereits gefolgt war. Hier steht die Wasserknappheit im Zentrum des Romans. Zwei Handlungsstränge spiegeln unseren heutigen Umgang mit einer lebenswichtigen Ressource in die Zukunft und wir werden Zeugen einer mehr als verstörenden Flüchtlingsbewegung, die Menschen zu den letzten Regionen führt, in denen die Trockenheit noch nicht um sich gegriffen hat. Maja Lunde ist es gelungen, in beeindruckender Art und Weise ökologische Warnschilder in gut erzählten Geschichten aufzustellen und sie, ohne erhobenen Zeigefinger, einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Fridays for Future waren noch ein Fremdwort. Die Jugend der Welt hatte noch nicht begonnen, Schulen zu bestreiken und Greta Thunberg war noch ein junges Mädchen mit einer wundervollen Zukunft. (Ist sie heute noch, glaubt man dem größten Populisten mit präsidialer Machtvollkommenheit.)

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Vier Bücher sollen zum Zyklus werden. Vier apokalyptische Reiter sollen eine Reihe ergeben, die uns Menschen in ihrer Zeit näherbringt. Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges erzählt und uns dabei hilft, schon jetzt eine Position einzunehmen, die hilft, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das ist kein Mainstream. Das ist die beste Form des indirekten Lernens. Wen diese Geschichten kalt lassen, der schaltet auch heute im Fernsehen auf einen anderen Kanal, wenn von Klimaerwärmung, Artensterben und der Verantwortung der heutigen Generation für die Zukunft die Rede ist. Wir sind die letzte Generation, die es noch in der Hand hat, diese Erde zu retten. Carola Rackete hat sich dieses Statement nicht ausgedacht, um bekannt zu werden. Sie macht nur die gleichen Erfahrungen, wie Greta Thunberg. Sie werden beide durchs Dorf getrieben, als würden sie den Weltfrieden stören. Klimakonferenzen verpuffen im Nichts. Verantwortliche sind nicht zu finden und wir werden nur ganz langsam wach. Maja Lunde ist für mich mehr als nur eine Autorin mit viel Fantasie. Sie ist der literarische Wecker unserer Zeit. Es ist fünf vor Zwölf. Er schrillt. Wir sollten aufstehen.

Auch im dritten Roman dieser Reihe bleibt sich Maja Lunde treu. Sie erfüllt erneut die Erwartungen ihrer Leser und präsentiert ein Buch, das den Lunde-Faden aufnimmt und ihn weiterspinnt. Sie bleibt sich treu, indem sie eher indirekt über ökologische und umweltrelevante Themen schreibt. Sie erzählt die Geschichten von Menschen in einem Setting, das durch die sich verändernden Rahmenbedingungen gekennzeichnet ist. Es sind Veränderungen, die der Mensch verursacht hat. Wir haben uns die Natur Untertan gemacht. Wir haben sie verändert. Das wird in diesem Roman unfassbar deutlich. Wir sind schuld daran, dass „Die Letzten ihrer Art“ diese Bezeichnung tragen und um den Fortbestand der Art kämpfen müssen. Maja Lunde entführt uns im gestreckten Galopp in die wechselhafte Geschichte der letzten Wildpferde unseres Planeten. Dabei schlägt sie in vielfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Kapitel ihres Schreibens auf.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Nach den Bienen und dem Wasser kommen nun die Pferde. Stellvertretend für alle vom Aussterben bedrohten Arten erleben wir sie in ihrem natürlichen Lebensraum und sehen Tiere vor uns, die als Triebfedern der Evolution zu sehen sind. Es sind Urpferde. Diejenigen Tiere, von denen alle heutigen Pferderassen abstammen. Widerstandsfähig und nahezu unverändert seitdem das ersten Fohlen das Licht der Welt erblickte. Heute finden sich nur noch wenige Exemplare in den großen zoologischen Gärten dieser Welt. Przewalski-Pferde, auch Thakis genannt. Sie sind „Die Letzten ihrer Art“, denen wir durch drei Handlungsstränge folgen dürfen und an deren Beispiel wir erkennen, wie der Mensch ihr Schicksal verändert hat.

Es sind mehr als drei Zeitebenen, in die uns Maja Lunde entführt. Und auch hier bleibt sich die norwegische Autorin treu. Sie erzählt die Geschichten von Menschen. Es sind erzählenswerte tief angelegte Lebensgeschichten, die jeweils mit den Pferden und ihren Leben verbunden sind. Wir befinden uns im zaristischen St. Petersburg der Jahre 1881 bis 1890. Hier lernen wir Michail kennen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat in die Mongolei zu reisen und einige der letzten Przewalski-Pferde einzufangen. Er sieht ihren Seltenheitswert und will sie in Zoos beheimaten, um Besucher anzulocken. Profit steht im Vordergrund der Expedition. Es ist der Handlungsstrang, in dem wir die Pferde in ihrem Urzustand bewundern dürfen. Noch bevor die Jagd auf sie alles verändert.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Wir lernen Karin im Jahr 1992 kennen. Sie ist in der Mongolei, um einige der letzten Thakis aus zoologischen Gärten auszuwildern, um die inzwischen fast ausgestorbene Art wieder in freier Wildbahn anzusiedeln. Sie ist mit ihrem Sohn Mathias hier und die Mission der Wiederbelebung einer Art ist für sie zugleich eine Fluchtbewegung, um den eigenen Sohn aus der Spirale aus gescheiterter Ehe und Drogenkonsum zu retten. Ein Unterfangen, das in vielfacher Hinsicht auf der Kippe steht, weil die Tiere kaum noch in reinrassiger Form überlebensfähig sind und Karins Vergangenheit auf dem Gestüt des Nazi-Reichsmarschalls Hermann Göring, die Bombenangriffe auf Carinhall im Zweiten Weltkrieg und die Angst um die dort lebenden Przewalski-Pferde immer noch präsent ist.  

Und wir sind im Norwegen des Jahres 2064. Wenige der Thakis haben überlebt. Es sind die Letzen ihrer Art, die Eva und ihre Tochter Isa in einem kleinen Biotop gerettet haben. Jetzt scheint das gesamte Ökosystem zu kippen und sie stehen vor der großen Entscheidung, die Tiere freizulassen und sie damit zu Opfern der Jäger zu machen, die das ganze Land nach Essbarem durchstreifen. Zwei Freuen, die am Scheideweg ihrer eigenen Existenz eine wegweisende Entscheidung treffen müssen. Maja Lunde knüpft aus den scheinbar losen und zeitlich versetzten Fäden eine komplexe Handlung, deren roter Faden in den Letzten ihrer Art zu finden ist. Nur der Mensch hat ihren Lebensraum verändert. Nur der Mensch hat eingefangen, gezüchtet, ausgewildert, manipuliert, Hand angelegt und in weiten Teilen wider die Natur gehandelt. Hier wird Maja Lunde deutlich, wenn sie aufzeigt, wie wenig wir in der Lage sind, der Natur ihren freien Lauf zu lassen.

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Ihr Roman ist eine Gratwanderung zwischen Erkenntnis uns Abscheu. Sie öffnet uns die Augen für die Konsequenzen eines jeden Eingriffs in die Natur. Maja Lunde hat uns entlarvt. Sie schreibt in „Die Letzten ihrer Art“ über Geburten und Tod. Sie schreibt über Gnadentod und das Schlachten. Sie weicht alle Grenzen auf und zeigt, dass auch der Mensch nur ein Lebewesen ist. Vielleicht bald das Letzte seiner Art. Es ist blutig, es ist brutal, was sie beschreibt. Es ist der Lauf der Dinge, den sie beschreibt. Vielleicht ist dieser Lauf nicht mehr umkehrbar. Vielleicht doch. Sie nimmt uns in die Verantwortung und scheint dabei schon zu wissen, dass wir wohl versagen werden. Ich will die Jahre 2041 in der Geschichte des Wassers, 2098 in der Geschichte der Bienen und 2064 im Norwegen der Letzten ihrer Art nicht erleben. Und ich will in diesen Jahren nicht als der Schuldige genannt werden, der es im Hier und Jetzt hätte verhindern können. 

Der dritte Roman dieses ökologischen Quartetts ist aus meiner Sicht der bisher stärkste, weil Maja Lunde einen Tabubruch begeht, der zu den grandiosen Momenten des Lesens und Hörens gezählt werden muss. Waren ihre Bücher bisher nur durch das gemeinsame Thema verbunden und konnte man sie unabhängig voneinander lesen, so verbindet sie „Die Letzten ihrer Art“ erstmals auch durch eine Protagonistin mit einem der anderen Bücher. Wer die kleine Lou aus der Geschichte des Wassers noch nicht vergessen hat, dieses kleine Mädchen auf der Flucht, den Durst, den es empfand und die unwirklichen Bilder von gestrandeten Segelschiffen mitten in Frankreich. Wer sich immer noch fragt, ob die kleine Lou es geschafft hat, der sollte sich wappnen, wenn er „Die Letzten ihrer Art“ liest oder hört. Hier hat Maja Lunde ihrem bisherigen Werk die Krone aufgesetzt. 2064. Norwegen. Eva und Isa. Sie sind nicht allein….

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Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

Ein Wort zum Hörbuch. Es sind sechs Protagonisten, die diesen Roman tragen. Jeder von ihnen kommt mit einer eigenen Stimme zu Wort. Ein unglaubliches Hörerlebnis, ein absolutes Ereignis und Sprecher und Sprecherinnen, die diesem Roman mehr als nur Leben einhauchen. Die Zeitsprünge werden hörbar. Die Charaktere sprechen uns hier direkt an und verweigern Unaufmerksamkeiten. Wir werden gezwungen zuzuhören. Es ist nicht möglich, am Ende zu sagen, wir haben nichts von alledem gewusst. Mir haben die Stimmen den Weg der Wildpferde gewiesen. Brillant besetzt und in einer Sprecherin manifestiert sich der Tabubruch der Autorin in spezieller Weise. Sie spricht jemanden, den ich von früher kannte, dem ich jedoch nie wieder zu begegnen glaubte:

Thomas Loibl liest Michail in den Jahren 1881 – 1890 in Petersburg,
Beate Himmelstoß ist die Karin des Jahres 1992 in der Mongolei,
Thomas M. Meinrad liest ihren Sohn Matthias aus Sicht des Jahres 2019,
Meike Droste liest Eva im Norwegen des Jahres 2064,
Susanne Schröder ist ihre Tochter Isa und last but not least
Katja Bürkle spricht Louise… (was für ein großer Moment in diesem Hörbuch)

Nun steht der vierte und letzte Roman des Zyklus aus. Ich kann es kaum erwarten. Maja Lunde in der kleinen literarischen Sternwarte: Herzlich willkommen

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde - AstroLibrium

Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde

„Die Letzten Ihrer Art“ von Maja Lunde
Buch: btb Verlag / 640 Seiten / Hardcover / dt. von Ursel Allenstein / 22 Euro
Hörbuch:
Der Hörverlag / gekürzte Lesung / 13 Std. 40 Minuten / 2 MP3-CDs / 22 Euro