U von Timur Vermes

U von Timur Vermes - Astrolibrium

U von Timur Vermes

Rucksack eigentlich viel zu schwer.
Zeit knapp, Wochenende vor der Brust.
Termine absagen vielleicht. Ruhe.
Ein Buch wäre gut.
Da? Nee, Drogeriemarkt mit Buchwerbung. 
Falsches Ross, Mann.
Laufschritt. Jetzt.
Büchertempel, endlich.
Hände desinfizierten.

Jeder nur ein Korb, wo sind meine Quadratmeter?

Maske auf, Diskussion aus. Buchblick sondiert die Lage.
Einheitsbrei, Funkelglitzerliteratur. Mainstream.
Erster Blick bleibt hängen. Ungewöhnlich.
Ein Buchstabe – U – geht´s noch?
Timur Vermes. Es klingelt laut im Hinterohr.
Führerrevival, Flüchtlingssatire. 
Er ist wieder da.
Die Hungrigen und die Satten.
Gut. Grandios. Dicke Schinken. Laute Stimme.
Alles, nur nicht gewöhnlich. Aber jetzt?

Fragezeichen im Hirn. 
Ein Büchlein nur. Cover gut. 146 Seiten.
Nichts mehr zu erzählen, der Gute?
Buch auf, Blick rein, Gedanken aus.
Erster Eindruck zählt.

What?
Keine Sätze?
Fragmentarisches Schreiben. Oft ein Wort pro Zeile!
Wer schreibt so? Wer liest das denn?
Stelle mir vor, ich würde so rezensieren.
Ofen aus, Blog zu, Leute weg.
Aber Vermes?
Kurzstrecke statt Marathon. Büchersprint, gehetzt?
Geht nicht. Nichts für mich. Brauche Literatur.

Weiter. Schauen. Eilen.
Blick zurück.
U.
Wo war ich?
Ein Blick rein und dann schon Seite 10?
Story abstrus – oder?
Zwei Menschen – eine U-Bahn.
Eine endlose Fahrt.
Nonstop-Lesen-Fahren-Nonstop.
Zurückbleiben bitte – Assoziationen kommen.
Pendleralltag. Bahn steht, kommt nicht, Verspätung.
Chaos. Stress.
Aber Bahn hält nicht, fährt ewig, keine Bahnhöfe mehr.
Und dann…
Puh. Tempo frisst die Augen auf.
Notbremse zieht nicht.

U von Timur Vermes - Astrolibrium

U von Timur Vermes

Weglegen. Schnell. Abhauen. Brauch ich nicht.
Buchhändlerinnenaugenbraue zuckt nach oben.
„Gerade für Sie, dachte ich…“
Notbremse ziehen. Meine.
Doch zur Kasse. Schnell – Danke – Sorry – Nein alles gut.
Muss nur lesen. Weg mit mir.
Weit weg. Alles raus. Zurückbleiben bitte.
Fahrschein egal. Lesen. Rhythmus. Neues Gefühl.
Luft? Fehlanzeige. Puls. Fragt nicht.
Rapid-Eye-Reading.
Anrufen zuhause. Vergessen.
Später. Sieht man doch. Geht nicht.
Lesen.
U.
Symbole, Rolltreppe – Schilder – bekannt.
Fahrplan gefressen. Völlig losgelöst.
Mitfahren. Zu schnell. Zu lang.
Unaufhaltsam. Wo geht das Leben hin?
Haaaalt…

Was, wenn…?
Wohin, weil…ß
Wann endlich?
Zwei auf sich gestellt. Panik, Herzfrequenz eskaliert.
Falscher Film?
Falsches Buch?
Nein.
Auslesen, rausspringen auf der letzten Seite.
Heimlaufen. Fahren? Bloß nicht.
Empfehlen? Euch? Lächerlich.
Mein Buch. Finger weg. Mein Puls.
Mein Ende. Nicht Eures. Jeder findet seins.

Vermes.
Gewagt. Pulsierend. Unvergesslich.
Jedermanns?
Jederfraus?
Sicher nicht. Wozu auch?
Meins!
Zuhause. Endlich.
Verschwitzt.
Ausgelaugt.
„Was los?“
Alles gut, nur Ruhe jetzt. Ein wenig.
„Hast Du da?“
Nur ein Buch. Lach.
Brüll.
Nur ein Buch.
Nur.
Nur.
Nu
N
.
.
N U R

Er ist wieder da und Die Hungrigen und die Satten von Timur Vermes

Timur Vermes – Was zuvor geschah, was ich zuvor las, was sich hier so findet:

Er ist wieder da

Es wäre lustig, wenn es nicht so maßlos traurig wäre. Timur Vermes hat ein feines Händchen, wenn es gilt den Finger tief in die Wunden der breiten öffentlichen Meinung zu legen. Er hat mit „Er ist wieder da“ bewiesen, dass seine Utopie eines untoten und wieder auferstandenen Führers Adolf Hitler, (so skurril die Ausgangssituation auch ist), geeignet war, dem Publikum einen literarischen Brocken zum Fraß vorzuwerfen an dem es schwer zu knabbern hatte. Sein Roman war Zerr- und Spiegelbild der Gesellschaft. Er polarisierte und regte zu lautstarken Diskussionen an. Und spätestens mit dem Film zum Buch explodierte das Pulverfass unter dem Schriftsteller, weil man es gewagt hat, die Filmadaption um spontane Realbilder zu erweitern, die beim Dreh entstanden sind. (Hier weiterlesen: die Rezension im Archiv der kleinen literarischen Sternwarte)

Die Hungrigen und die Satten von Timur Vermes

Die Hungrigen und die Satten

Die Hungrigen und die Satten“ ist für die Satten geschrieben. Unter dem schönen Schein unserer Wohlfahrtsgesellschaft sind es die reinen Egoismen, die dieser Roman auf dem Korn hat. Ob wir schon zu satt sind, um die Message zu verstehen? Ob wir in vielen Situationen selbst erkennen, zu was die Abschottung eines Kontinents führt? Ob wir uns selbst dabei ertappen, dass wir uns Angst vor Überfremdung und Islamisierung einreden lassen, während wir gleichzeitig vor dem Fernseher sitzen und Mitleid mit den Menschen empfinden, die schön weit weg von uns ihr Schicksal ertragen? Sind wir zu bequem geworden? Ist unser Ruf #wirsindmehr noch zeitgemäß? All diese Fragen wirft Timur Vermes auf, als würde er uns mit dem Müll unserer Ausflüchte ersticken wollen (Hier weiterlesen: die Rezension in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium)

Ein Gedanke zu „U von Timur Vermes

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