CRYPTOS von Ursula Poznanski

Cryptos von Ursula Poznanski - Astrolibrium

Cryptos von Ursula Poznanski

Ich bezeichne sie seit Jahren liebevoll als Fluchthelferin meines Lesens. Sie hat mich zum Weltrekordhalter der Verfolgungsjagden durch ihre Romane gemacht. Wenn ich an sie denke, schnüre ich in Gedanken meine Laufschuhe, um ihrem Tempo folgen zu können. Ihre literarische Vita ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Seit Jahren schreiben ihre Thriller ganz eigene Geschichten. Sie fesselt Jugendliche, weil sie ihren Thrillern Themen zugrundelegt, mit denen man sich identifizieren kann. Es geht ihr um Abenteuerlust, Privatsphäre, Individualität, Zugehörigkeitsgefühl und Fluchtstreben aus dem tristen Alltag. Das macht ihre Romane relevant und greifbar. Sie erreicht mit ihren Erwachsenen-Thrillern eine Zielgruppe, die das Spannende liebt, zugleich jedoch nicht unbedingt im Blut waten muss, um vom Hocker gerissen zu werden. Sie ist eine große literarische Tiefenpsychologin, auf deren Couch ich viele Monate verbracht habe.

Die Rede ist von Ursula Poznanski. Viel ist geschehen, seit Erebos vor nunmehr zehn Jahren das Licht der Bücherwelt erblickt hat. Seitdem haben ihre Jugendbücher einen festen Platz in der kleinen literarischen Sternwarte. Die Fortsetzung ihres Debüt-Thrillers war nur der vorläufige Höhepunkt im Schaffen der österreichischen Bestseller-Autorin. Erebos 2 hatte erneut eingeschlagen, wie eine Buchbombe. Jetzt wechselt Ursula Poznanski erneut ihre Perspektiven, Genres, Themenschwerpunkte und bleibt mit ihrem neuen Thriller dem hohen Qualitäts- und Unterhaltungsanspruch treu, der mit ihrem Namen verbunden ist. Sie betritt mit dem neuen Jugendbuch „Cryptos“ Neuland, bleibt zeitlos relevant in der Wahl ihrer Erzählräume und verliert ihre Leserschaft nicht aus den Augen. Ja, das mag ein Jugend-Thriller sein. Ja, es ist ein Buch für Fans der Erfolgsautorin. Und ja, es ist ein absoluter All-Age-Roman, der Lesende jeden Alters zu fesseln weiß. Dafür gibt es gute Gründe…

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Cryptos von Ursula Poznanski

Willkommen in „Cryptos“. Wir befinden uns in der Zukunft. 350 nach Austen, könnte man sagen, wenn man eine Zeitangabe im Buch zur Orientierung heranziehen mag. Es ist ein komplexes sozial-ökologisches Szenario, in das uns Ursula Poznanski entführt. Das Klimasystem ist gekippt, große Teile unseres Planeten sind kaum mehr bewohnbar und den meisten Menschen bleibt nur noch die Flucht ins Virtuelle. Virtuelle Realität hat das reale Leben flächendeckend ersetzt und damit sich die Menschheit nicht langweilt, hat man „Weltendesigner“ damit beauftragt, ihr das Leben so abwechslungsreich wie nur irgend möglich zu gestalten. Wie man sich das vorstellen darf? Ganz einfach. Man befindet sich in einer Kapsel, wird mit allem Lebenswichtigen versorgt und hat die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Welten, die vom System angeboten werden. Und die haben es in sich.

Hier beschreibt die Autorin eine technologische Utopie, die den Bedürfnissen einer gelangweilten Gesellschaft wahrlich perfekt auf den Leib geschnitten ist. Man fühlt sich in den virtuellen Welten in Sicherheit. Nichts kann passieren. Selbst ein Unfall oder ein ungünstig endender Konflikt hat keine Konsequenzen. Man wacht kurz auf, nimmt sich eine kleine Realitätspause, duscht, legt sich wieder in die Kapsel und loggt sich in eine neue künstliche Welt ein. Und davon gibt es genügend. Das Angebot reicht von kleinen friedlichen Inselchen über Biotope für rein geistige Abwechslung bis hin zu Welten, die kriegerischer und gefährlicher nicht sein könnten. Leben im tiefsten Mittelalter? Gerne doch. Abenteuer mit Dinosauriern, Vampiren oder Fabelwesen? Alles im Angebot. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Weltenhopping gehört zu den Highlights der Menschen im virtuellen Raum… Vorausgesetzt man kann sich alle Transferpässe leisten.

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Cryptos von Ursula Poznanski

Klingt doch verlockend und beruhigend. Der Tod ist lediglich eine Illusion und um die wichtigen Dinge des Lebens kümmern sich die Menschen, die in der realen Welt an den Stellschrauben des Systems arbeiten. Jana Pasco zum Beispiel. Mit erst siebzehn Jahren gehört sie zu den Toptalenten der Weltendesigner. Die Besucherzahlen in ihren virtuellen Refugien sprechen eine deutliche Sprache. Kerrybrook ist ihre Vorzeigewelt. Das Fischerdorf im Grünen strahlt das Ambiente einer typisch irischen Idylle aus. Jana steuert von ihrer Konsole aus alle Parameter, die der virtuellen Realität hier lebenswerte Züge verleihen. Bis eines Tages merkwürdige Dinge geschehen, die sich ihrem Zugriff als Administratorin von Kerrybrook entziehen. Ein Mensch stirbt. Ohne Konsequenzen, sollte man denken. Der Tod ist nur eine Illusion. Weit gefehlt. In der realen Welt wird die virtuelle Tote nun auch real verstorben gefunden. Jana muss handeln. Das gesamte Projekt steht auf dem Spiel. Und das gerade jetzt, kurz bevor eine ganz neue Welt ins Netz gestellt werden soll.

Sie sieht nur eine Chance. Transfer. Sie muss sich selbst in ihr virtuelles Kerrybrook begeben, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Diese Ausgangssituation sorgt für den unwiderstehlichen Drive in einem Thriller, der nicht nur durch Weltenvielfalt und Kreativität besticht. Ursula Poznanski öffnet mit ihrer Story die Tür zu Fragestellungen, die uns heute auf den Nägeln brennen. Wie sieht die Welt der Zukunft aus? Kann man den Klimawandel durch Geoengineering bekämpfen? Was bringt es, Menschen in die virtuelle Daseinsform zu transferieren und wer steckt hinter dieser Idee? Hier wird das Vertrauen auf die Technik der Zukunft einer gewaltigen Zerreißprobe unterzogen. Wird es Jana gelingen, das Geheimnis von Kerrybrook zu lösen? Die häufigen Wechsel von virtueller zu realer Welt lassen die Grenzen unserer Fantasie verschwimmen. Ich folgte Jana auf ihrer Reise durch die Welten, stellte fest, dass ich kein Weltenbummler war. Gehetzt und gejagt stellte ich mich Herausforderungen, die ich hier nicht erwartet hätte. Facettenreicher kann ein Thriller nicht sein, der als Climate Thriller neue Wege geht.

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Cryptos von Ursula Poznanski

Die Ideenvielfalt von Ursula Poznanski sorgt dafür, dass Cryptos viel Resonanz bei einer breiten Leserschaft erreichen wird. Es ist wirklich für jeden etwas dabei. In Anlehnung an ihren Roman funktioniert das Buch wie eine der Kapseln zur Flucht in die virtuelle Welt. Wir lesen, andere sorgen sich um die lebenswichtigen Dinge und es liegt in unserer Hand, die Abenteuer in Ritterwelten, Dinosaurier-Gegenden, in London 1622, bei Jane Austen oder einfach in Kerrybrook zu überstehen. Zahllos sind die Angebote, die uns zur Verfügung stehen. Brutal sind die Realitätspausen, in denen wir auftauchen und auch mal etwas essen müssen. Gefährlich wird es, wenn wir erkennen, dass auch Welten existieren, die eher Gefängnissen gleichen. Lebensgefährlich wird es, wenn es Janas Verfolgern gelingt, sie in ihrem Bewegungsfreiraum einzuengen. Hochspannung ist hier von der ersten bis zur letzten Seite garantiert. Ich empfinde „Cryptos“ als einen der durchdachtesten und stärksten Romane von Ursula Poznanski. Er passt in unsere Zeit und ist in der Lage, Augen zu öffnen.

Hier stimmt alles bis ins letzte Detail. Selbst die Symbolik auf dem Buch sollte man nicht unerwähnt lassen. War es bei Katniss Everdeen noch ein Spotttölpel, der zum Symbol des Widerstandes in „Die Tribute von Panem“ wurde, so ist es hier eine von einem Pfeil durchbohrte Taube. Sie wird euch in „Cryptos“ oft begegnen und zeigen, dass Ursula Poznanski mit ihrem Roman „den Vogel abgeschossen“ hat. Einen in sich geschlosseneren virtuellen Escape-Room kann man kaum gestalten. Selbst, wenn man alle Rätsel gelöst hat, erkennt man, dass es nur im Team vorwärts gehen kann. Und das Team von Jana Pasco besteht aus einem bunten Mix aus schillernden Charakteren. In jedem Kapitel beweist sich mehr, wem man vertrauen darf und wem man aus dem Weg gehen sollte. Egal, in welcher Welt…

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Cryptos von Ursula Poznanski

Cyptos ist das beste Buch für einen Leseabend in St. AlbanIch habe hier schon oft von meiner Lesepatenschaft mit den Kindern und Jugendlichen des Kinderheims der Benediktiner Ordensschwestern geschrieben. Von Bilder- bis zu Jugendbüchern reicht das Spektrum der Werke, denen wir uns dort widmen. Mit den Jugendlichen werde ich nach „Cryptos“ gehen. Wir verwandeln eine Wiese in ein Kontrollcenter und werden in Kapseln durch die Welten von Ursula Poznanski reisen. Und bei jeder Realitätspause ist das Thema Klimawechsel angesagt. Die Aspekte des Romans mag ich herausarbeiten und über Chancen und Risiken von Geoengineering diskutieren. Relevanter kann man sich eine Lesenacht in St. Alban nicht vorstellen. Bleibt noch die Frage: „Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hinkönnen?“ Ich bin auf Antworten gespannt.

Hier ein kleines Resümee des Abends am Ammersee:  Die Vorfreude war groß und ein paar eingefleischte „Erebos“-Fans stürzten sich freudig in eine neue Welt. Cryptos spielte schnell mit den Gedanken der Jugendlichen. Das Weltklima ist gerade bei ihnen ein sehr wichtiges Thema. Der Ausblick auf die Zukunft der Menschheit sorgte schnell für Aufmerksamkeit. In Jana Pasco schienen besonders die Mädels eine Protagonistin zu finden, der man durch einen Roman folgen wollte. Das Szenario weckte Neugierde und am Ende der Lesenacht, in der ich ein paar Passagen vorgelesen habe, blieb nur die Feststellung, dass es endlich ans eigene Lesen gehen musste. „Cryptos“ befindet sich jetzt in besten Händen. Ein kleiner Videogruß an Ursula Poznanski wurde von ihr sofort beantwortet. Großes Staunen bei den Kids von St. Alban! Wir setzen genau an dieser Stelle wieder an, wenn wir uns zur nächsten Lesenacht treffen. Dann wird der Roman gelesen sein, dann gehört „Cryptos“ zum Erfahrungsschatz, und den möchte ich gerne anzapfen…  Ich werde berichten… Versprochen.

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Hier geht es zu weiteren Romanen von Ursula Poznanski und zu ihrem Auftritt in meinem Kalender „Frauen lieben Schreiben„… Sehens- und lesenwert…

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