Reden wir über Simon Stålenhag (1) Tales from the Loop

Simon Stålenhag - Tales from the Loop - Astrolibrium

Simon Stålenhag – Tales from the Loop

Simon Stålenhag. Eigentlich reicht es inzwischen, diesen Namen nur zu erwähnen und schon sollten seine Illustrationen vor dem geistigen Auge erscheinen. Er hat sich mit seinen Bildkompositionen und Texten weltweit einen Namen gemacht und gilt schon heute als einer der kreativsten schwedischen Köpfe unserer Zeit. Kenner schwören auf seine Bücher, Fans lieben die Adaption seiner Storys für eine Amazon-Serie und neue Leser und Betrachter seiner Geschichten reiben sich verwundert die Augen, weil sie in Welten eintauchen, die so dystopisch sind, wie man es sich nur vorstellen kann, dabei jedoch so nostalgisch wirken, als hätte die Zukunft schon längst stattgefunden. Hier hat ein Künstler die Weltbühne betreten und auch in meiner Fantasie Spuren hinterlassen.

Wer bisher noch nichts von Simon Stålenhag gehört hat, der sollte sich die Titel seiner Bücher sehr gut merken.

Tales from the Loop
The Electric State
Things from the Flood
(März 2021)

Simon Stålenhag - Tales from the Loop - Astrolibrium

Simon Stålenhag – Tales from the Loop

Jetzt sollte es langsam klingeln, läuft doch die Fernseh-Adaption der Amazon-Serie „Tales from the Loop“ seit Wochen mit beachtlichem Erfolg und wird von Tausenden begeisterter Serienfans gestreamt bis zum Abwinken. Der schwedische Digitalkünstler, Musiker, Computerspiele-Entwickler und Medienprofi hat mit seinen Geschichten nicht nur den Grundstein für ihre filmische Umsetzung gelegt, er ist die Inspirationsquelle für eine ganz neue Art dystopischer Erzählräume. Die nostalgisch-realistischen Szenarien kommen uns vertraut vor. Häuser, Autos und Alltagsgegenstände wirken veraltet und in jeder Hinsicht ein wenig aus der Zeit gefallen. Computer sehen aus, wie in den 1990er Jahren. Und doch werden unsere Blicke auf technische Finessen gerichtet, die viel zu futuristisch wirken, um in der Vergangenheit angesiedelt zu sein.

„Tales from the Loop“. Wir betreten völliges Neuland in dieser Geschichte. Der Loop ist ein unterirdischer kreisförmiger Teilchenbeschleuniger, an dem Wissenschaftler im Geheimen Experimente durchführen, um dem Mysterium Zeit auf die Spur zu kommen. Mehr muss man nicht wissen. Den Rest darf man nicht hinterfragen. Das reicht Simon Stålenhag aus, um ein Szenario der unerklärlichen Phänomene zu gestalten. Allein die Existenz des Loops muss ausreichen, die Geschichten zu glauben, die er uns ans Herz legt. Spielt das Buch (man kann es im weitesten Sinne als Graphic Novel bezeichnen) noch in Schweden, transferiert die Amazon-Serie den gesamten Stoff in die Kleinstadt Mercer in Ohio. Erzählt die Staffel einzelne Geschichten über die Menschen und ihre Erlebnisse mit Zeitphänomenen und Abweichungen von der Norm, ist das großformatig aufgemachte Buch viel mehr eine Sammlung von Ideen, Impressionen, Anekdoten und scheinbaren Kindheitserinnerungen an die Zeit, in der der Loop noch in Betrieb war.

Hier gehen Buch und Film eine perfekte Symbiose ein, wobei die Amazon-Serie die eigentlichen Geschichten erzählt. Menschen, die in ewigen Zeitschleifen gefangen sind; Roboter, die ein unglaubliches Eigenleben entwickeln; Zeitkapseln, die verraten, wie alt man wird; Momente, in denen die Zeit zum Stillstand kommt und Jugendliche ihre neue Freiheit genießen; Seelenwanderungen zwischen Menschen und Robotern und einfach die Verbindung zwischen den Menschen, die im Loop arbeiten und den Familien, die in Mercer leben. Aus der schönen Kleinstadt-Idylle wird der geheimnisvolle Mix dystopisch anmutender Ereignisse, dem man sich nicht entziehen kann. Im Buch erkennt man, wie brillant und detailgetreu die Illustrationen von Simon Stålenhag umgesetzt wurden. Die Filmadaption zeichnet die ruhige und normale Atmosphäre mit wundervoller Musik aus, die den Anschein von Normalität vermittelt. Dabei ist hier nichts normal. Und doch sind die Ereignisse so greifbar und emotional, dass ich Mercer nicht mehr verlassen möchte.

Simon Stålenhag - Tales from the Loop - Astrolibrium

Simon Stålenhag – Tales from the Loop

Ich empfehle euch die Serie anzuschauen und das Buch zur Hand zu nehmen, um den kompletten Stålenhag-Kosmos in sich aufzusaugen. Ich habe es so gemacht und möchte keine Seite im Buch, keine Illustration und keine Episode der Staffel missen. In jeder Hinsicht ein unglaubliches und bewegendes Erlebnis, das uns vor Augen hält, wie abhängig wir von der Kontinuität der Zeit sind und was geschehen kann, wenn sie nicht mehr so verläuft, wie wir es geplant haben. Ihr werdet euch anschließend wundern, wie viele dieser relevanten Geschichten euch auch nach dem Serien- und dem Buchgenuss im Alltag hinterherlaufen. Gänsehaut pur…

Things from the Flooderscheint im März 2021 bei Fischer TOR und spielt in einer Zeit, in der die Wissenschaft den Loop aus den Augen verloren hat. Digitalisierung und technischer Wandel schreiten in den 1990er Jahren voran. Der zweite Teil des „Loop-Universums“ könnte auch der Beginn einer Fortsetzung der Serie sein. Ich bin schon sehr gespannt und werde berichten…

Simon Stålenhag - Tales from the Loop - Astrolibrium

Simon Stålenhag – Tales from the Loop

Wer eher zu einem eigenständigen und auserzählten“ Stålenhag greifen möchte, der sollte „The Electric State“ lesen. Hier schöpft er aus dem Vollen seiner visionär und kreativ fulminanten Erzählader. Hier brauchen wir keine Verfilmung, hier lässt das Buch keine Frage offen. Es ist nicht nur Hintergrund. Hier wird eine ganze Geschichte in Wort und Bild erzählt. Und was für eine Geschichte. 

Das ist mir einen eigenen Artikel wert. „Reden wir über Simon Stålenhag (2) The Electric State. Freut euch auf virtuelle Realitäten, die Abhängigkeit des Menschen von Unterhaltungsmedien, ferngesteuerte Gedankenwelten und ein Mädchen, das sich nach dem Drohnenkrieg in Begleitung eines gelben Roboters auf die gefahrvolle Suche nach seinem Bruder macht. Hochspannung und unglaubliche Illustrationen sind garantiert.

Simon Stålenhag - Tales from the Loop - Astrolibrium

Simon Stålenhag – The Electric State

Willkommen zurück am Loop:

Ich hoffe auf eine Verfilmung von „Things from the Flood – ich freue mich auf eine Fortsetzung dieser magischen Geschichte und ich folge konstant dem Instagram-Profil von Simon Stålenhag, weil er hier Impressionen seines Schaffens veröffentlicht, deren Wucht so gewaltig ist und die so sehr inspirieren, wie seine Buchkunstwerke. Vielleicht darf ich bald einen weiteren Artikel schreiben  Reden wir über Simon Stålenhag (4), es wäre mir ein riesiges literarisches Vergnügen…

Simon Stålenhag - Things from the Flood - Astrolibrium

Simon Stålenhag – Things from the Flood

2 Gedanken zu „Reden wir über Simon Stålenhag (1) Tales from the Loop

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