Der Stein und das Meer

Der Stein und das Meer - AstroLibrium

Der Stein und das Meer

Stell Dir vor, Du musst in Quarantäne und hast keine Bilderbücher zur Hand. Gar nicht schlimm, sollte man meinen! Besonders, wenn die eigenen Kids schon erwachsen sind und Du gar nicht mehr in die Verlegenheit kommst, Dich zum gemeinsamen Lesen mit ihnen zu verabreden. Weit gefehlt. Eine Feststellung, die ich in den letzten Wochen als Literaturblogger gemacht habe. Denn ich habe sie zur Hand. Die illustrierten Bücher für Lesende jeder Altersstufe. Bilderbücher haben einen großen Stellenwert in meinem Leben. Sie sind die Türöffner für ein belesenes Leben, Schlüssel für Schlüsselmomente des gemeinsamen Erlebens und formbare Container für einen Wertevorrat, den man an seinen Nachwuchs weitergeben möchte. Moral-Kapital-Anlagen im allerbesten Sinn.

Gerade jetzt, gerage hier und gerade in schwierigen Zeiten gehören Bilderbücher in jede gut geführte private Bibliothek. Corona-Krise, Viren, Ausgangsbeschränkung, Lockdown, COVID19, geschlossene KiTas und Buchhandlungen. Das sind Schlagworte dieser Tage. Ein Horrorszenario für Eltern, die nun jede Rolle spielen müssen. Nicht nur Freunde und Freundinnen ihrer Kinder sind zu ersetzen, nicht nur Erzieher müssen im privaten Betreuungsprogramm kompensiert werden. Nein, nun ist man plötzlich sogar noch der uneingeschränkt zuständige Unterhaltungsdirektor der eigenen Familie. Wenn man nicht nur auf das Fernsehgerät oder das Internet bauen will und den gemeinsamen Spielen weitere inhaltsvolle Reize beisteuern möchte, ist man gut beraten, Bilderbücher in unmittelbarer Reichweite zu haben.

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Der Stein und das Meer

Tja, und als LiteraturBlogger und Vater erwachsener „Kinder“ kann man aus dem Vollen schöpfen und in kleinen verschworenen Gruppen (WhatsApp) in kleinen Videos Bilderbücher für die Kinder der Mitarbeiter und Kollegen vorlesen. Einerseits kann das eine ganz kleine Entlastung für die Eltern sein, und andererseits ist es eine Möglichkeit, die Rezensions-Exemplare meiner Bilderbuch-Verlage einem Stresstest zu unterziehen. Halten sie, was sie versprechen? Wie kommen sie bei der Zielgruppe an und schaffen sie es, nicht nur für einen kurzen oberflächlichen Moment zu unterhalten, sondern sind sie in der Lage, Impulse zu geben, die vielleicht sogar prägend sein können. So sah sie aus, meine Ausgangslage, als ich mich vom Rezensieren entfernte und plötzlich vor der Kamera saß und Bilderbücher zum Besten gab.

Die Reaktionen auf die Bilder und Geschichten kamen sofort. Sie kamen spontan, ungefiltert und von Grund auf ehrlich. Und so sitze ich nun hier und stelle euch eins dieser „getesteten“ Bilderbücher in der kleinen literarischen Sternwarte vor. Der Stein und das Meer“ aus den kunstvollen Federn von Alexandra Helmig (Text) und Stefanie Harjes (Illustration) ist eine der aktuellen Neuerscheinungen aus dem Hause Mixtvision Verlag, den ich noch im März in München besucht hatte. Hier sprang mir das Buch ins Auge, hier konnte ich nicht widerstehen und nun sollte sich zeigen, ob sich mein Gefühl bestätigen würde, oder nicht. Ja, zugegeben, die Ausgangslage war nicht einfach, aber der Verlag selbst zeigte auf seinem Instagram-Profil, wie kreativ man mit der besonders schwierigen Situation umgehen kann. Das war und ist großes Bilderbuch-Kino…

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Der Stein und das Meer

Der Stein und das Meer ist eine Bilderbuchgeschichte über Sehnsucht, Zeit und Vergänglichkeit. Wir lernen „Sören„, einen kleinen grünen Stein, kennen. Seit ewigen Zeiten ist er auf einem Felsen im Meer gefangen. Er sehnt sich danach, endlich frei zu sein. Er möchte sehen, woher die Dinge kommen, die er täglich auf dem Wasser sieht. Neugier treibt ihn an und doch ist er einfach nur ein Stein. Passiv. Bis ihn ein Sturm in die Fluten wirft und er endlich ganz nah am Strand zur Ruhe kommt. Die Zeit geht nicht spurlos an ihm vorüber. Die Brandung lässt ihn kleiner werden. Die Flut scheint ihn im Lauf der Zeit immer weiter aufzureiben. Viele Menschen ziehen wie Silhouetten an ihm vorüber. Bis er von einem kleinen Mädchen gefunden wird, das „Sören“ gerne mit nach Hause nehmen würde. Ihre Mutter erklärt ihr, was ein wahrer Glücksstein ist und bringt das Mädchen zum Grübeln. Sollte man „Sören“ mitnehmen oder ihn am Strand lassen? Keine leichte Entscheidung und doch eine, die prägend für ein ganzes Leben ist.

Diese Geschichte regt die Fantasie an. Haben Dinge eine Seele? Was ist Zeit? Darf man einfach alles mitnehmen was man findet und darüber bestimmen? Bringt es Glück, seine Heimat zu verlassen und warum wird der Stein in der Brandung immer kleiner? In vielen Facetten bieten sich Anknüpfpunkte für ein gemeinsames Lesen und Leben. Wir erkennen schnell, dass manche Reise genau dort endet, wo sie mal begonnen hat. Und doch war es das Abenteuer wert. Sind wir selbst wie Steine im Strom der Zeit? Und was würden wir gerne sehen und entdecken, wenn wir frei wären. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dies verdeutlichen auch die Bilder, die den sehnsuchtvoll poetischen Ton des Textes umfließen und die Geschichte zu einem lebendigen Wimmelbild werden lassen.

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Der Stein und das Meer

Ich habe versucht, beim Vorlesen einen zusätzlichen Impuls zu setzen. Die Eltern hatten im Vorfeld kleine grüne Steine vorbereitet, die am Ende der Geschichte zufällig vor den Kindern lagen. Nun sollten sie entscheiden, ob man sie behält oder ihnen ihre Freiheit zurückgibt. Die Reaktionen zeigten, dass „Der Stein und das Meer“ nicht nur ein einfaches Bilderbuch ohne Botschaft ist. Einige Kinder wollten sich nicht von ihrem „Sören“ trennen, da der Stein plötzlich eine eigene Persönlichkeit und eine Geschichte hatte. Andere nahmen ihn mit zu einem Spaziergang und suchten sichere Plätze, weil ein Glücksstein ja nur dort Glück bringt, wo er gefunden werden möchte. Manchmal ist es einfach interessant, den Dingen seinen freien Lauf zu lassen. Kinder können Dinge nicht nur gut verlieren. Sie können Dinge finden und ihnen eine eigene Geschichte im Leben geben. Wie auch immer. „Der Stein und das Meer“ ist ein Bilderbuch mit einer Seele und einem intensiven Innenleben. Wir alle sind „Sören“ und sollten Erfahrungen machen dürfen, die uns auch mal aufreiben und erstmal kleiner werden lassen.

Wort und Bild gehen im Bilderbuch „Der Stein und das Meer“ Hand in Hand. Auch wenn sich die Illustrationen deutlich vom Stil vergleichbarer Geschichten unterscheiden, sind die Collagen und Suchbilder wesentlich für den Erfolg dieser Geschichte. Zeit wird sichtbar und ein Hauch von Surrealität lässt dem Denken in und zwischen den Zeilen der Geschichte viel Freiraum. Und wenn Kinder heute etwas ganz besonders brauchen, dann das: Freiraum und Freestyle im Denken. Versucht es mit eurem Sören

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Der Mixtvision Verlag ist immer einen Besuch wert und schon bald geht es hier mit „Vront – Was ist die Wahrheit“ weiter. Es wird dystopisch und brandaktuell…

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4 Gedanken zu „Der Stein und das Meer

  1. Ein tolles Thema, ein sicher tolles Bilderbuch und unsere Kinder sind durstig mach Meer. Das wird mit Impuls sofort ausprobiert. Danke für den Tipp und deine Mitarbeiterin wäre ich auch gerne. Dann müsste ich nur Videos schauen. Liebe Grüße, Heike

  2. Unfassbar. Nach vielen Romanen gehe ich dir jetzt auch bei Bilderbüchern auf den Leim. Rat mal, wo ich morgen einkaufen gehe. Liegt nur einen STEINwurf entfernt. Danke für den Tipp.

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