2020 – Der Ausblick auf ein besonderes Jahr

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

Herzlich willkommen im neuen Jahr. Ein besonderes Jahr für mich. Mehr als das. In den vergangenen Jahren spielte die Literatur eine sehr wichtige Rolle für mich. Sie war Fluchtpunkt, einsame Insel, Fixstern und Kreativzentrum zugleich. Sie war mein Hobby. Und wie ein Hobby eben so ist, sollte es mich vom Alltag ablenken. Mir einen Ausgleich in allzu hektischen Berufsphasen bieten, und mich darüber hinaus durch den Blick über jeden Tellerrand für Themen sensibilisieren, die ansonsten vielleicht in den Hintergrund rücken würden. Ein Hobby. Was jedoch geschieht mit einem solchen Freizeitausgleich, wenn die eigentliche Daseinsberechtigung wegfällt? Der Beruf zum Beispiel, von dem man sich ja gerne ablenken möchte? Welche Rolle spielt ein Hobby, wenn das Leben selbst zur Freizeitbeschäftigung wird? Eine relevante Frage in diesen Tagen.

Ich genieße das Privileg, schon in wenigen Monaten meinen Beruf als Pensionär nur noch im Rückblick betrachten zu können. Und ich beabsichtige, in Vollpension zu gehen und mir kein neues Standbein aufzubauen, das mich mit Verpflichtungen und eben mit einem neuen Arbeitsalltag einschränkt, den ich gerade abgelegt habe. Bücher sind Leidenschaft und das werden sie immer für mich bleiben. Die Literatur jedoch wird nicht zum Beruf. Sie bleibt Berufung. Was dies für meine kleine literarische Sternwarte bedeutet, kann ich heute noch nicht absehen. Ich muss abends nicht mehr fliehen, um nach dem Job frischen Wind in den Segeln zu fühlen. Ich hadere nicht mehr mit einem Mangel an Zeit oder Gelegenheit, mich noch tiefer in ein Buch fallenzulassen. Nein. Ich mache mein Leben zum Hobby. Und das heißt, meine Familie wird sich nicht mehr im Spannungsfeld zwischen Beruf und ausuferndem Hobby sehen. Meine Familie wird mir nicht mehr einen Ausgleich zugestehen müssen, den ich in den letzten Jahren für mich als lebenswichtig betrachtet habe.

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

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So wird das Jahr 2020 für mich zu einer unglaublich spannenden Erfahrung. Ich freue mich schon jetzt riesig darauf. Ich sehe es als neue Lebensphase, in der ich mich selbst wiederfinden möchte. Und ich bin sehr dankbar für meine literarische Insel, weil sie so wundervoll gestaltet ist, dass ich mir ein befreites Leben auf diesem Eiland sehr gut vorstellen kann. Es ist das erste Jahr, in dem ich keine Ziele formuliere. Es ist das erste Jahr nach 38 Berufsjahren, in dem ich mich treiben lassen möchte. Ich werde an mir arbeiten, mich finden und einfach genießen. Das muss erlaubt sein. Ich möchte mir das ganz bewusst gönnen. Ich freue mich darauf, mit meiner Frau einen Menschen an meiner Seite zu haben, mit dem der Traum vom gemeinsam Altwerden greifbar ist. Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit, vielleicht eingerahmt von Büchern und Wolle. Wer weiß. Mit Sicherheit ist es jedoch das WIR, zu dem wir uns entschlossen haben, das im Jahr 2020 noch mehr im Mittelpunkt steht. Ein wundervoller Gedanke. Ein gutes Gefühl an jener Ziellinie angekommen zu sein, ohne sich unterwegs verloren zu haben. Glück!

Ich freue mich auf Lesenächte, denen nicht das Erwachen um 5:45 Uhr droht. Ich freue mich auf Lesungen und literarische Veranstaltungen, die tagsüber stattfinden und die für mich bisher nur in Verbindung mit Urlaub zu realisieren waren. Ich freue mich, in diesem Jahr meine erste Buchmesse erleben zu können, die ich urlaubstechnisch nicht vom Mund absparen muss. Diese Freiheit werde ich in vollen Zügen genießen und bin mir darüber im Klaren, dass es ein absolutes Privileg ist, dies schon bald und bei guter Gesundheit tun zu können. Pension. Ein schöner Begriff, mit dem ich mich schon sehr angefreundet habe. Es ist ein Paradigmenwechsel, der vor mir liegt. Ein Wandel, dem ich nur gute Seiten abgewinnen kann. Eine neue Zeitrechnung ohne Zeitgefühl mit der Literatur, ohne die ich sicher nicht leben möchte (und es auch gar nicht kann).

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

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Nun kennt Ihr meinen neuen Rahmen, in dem ich mich bald bewegen werde. Mich haben schon jetzt Bücher aus den 2020-Programmen meiner Verlage erreicht, die nach meiner Pensionierung erscheinen werden. Ich liebe sie jetzt schon, haben wir doch viel gemeinsam. Neuerscheinungen. Bisher noch nicht dagewesen. Unerfahren. Neuland in jeder Beziehung. Mich auf sie einzulassen wird ebenso spannend, wie reizvoll. Ich mag Euch auf diesem Weg gerne an meiner Seite haben. Ihr werdet neue Facetten erleben und mich vielleicht auch von anderen Seiten kennenlernen. Ich habe lang gewartet, bis ich mir den Traum einer Intensivierung meiner fotografischen Leidenschaft gönnen und leisten kann. Es ist soweit. Bilder werden eine eigene Sprache sprechen und die bisher gewählte Ausdrucksform bereichern. Ich denke, Ihr spürt, wie sehr ich mich auf meinen neuen Weg freue.

Nun noch ein kleiner Ausblick auf die Bücher und Hörbücher, auf die ich mich im neuen Jahr ganz besonders freue. Buchreihen werden fortgesetzt, neue unbekannte Fixsterne am Bücherhimmel werden zu neuen Positionslichtern und Bücher gegen das Vergessen erweitern meinen Horizont. Das gute Lesen geht weiter und das Hören folgt auf dem Fuß. Ein Traumjahr konturiert sich immer mehr. Wie ich schon schrieb, sind in der kleinen literarischen Sternwarte bereits einige Vorboten des Lesejahres angelangt. Die Reise an der Seite von Delphine de Vigan wird weitergehen. „Dankbarkeiten“ ist für den März angekündigt und hat seine Weggefährten jedoch bereits gefunden. Wenn Vigan ruft, kommen alle Delphine. Weitere literarische Reisen führen mich geografisch zu besonderen Orten. An den Marianengraben zum Beispiel führt mich ein Roadtrip aus der Feder von Jasmin Schreiber. Trauer, Verlust und eine besondere Partnerschaft stehen hier im Mittelpunkt.

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

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Auch der Mount Everest wird mich wiedersehen. Das Museum der Welt“ heißt der neue Roman von Christopher Kloeble. Ein erst 12-jähriger Waisenjunge aus Bombay wird wegen seines Sprachtalents zum Übersetzer und Wegbegleiter jener Forscher und Abenteurer, die 1854 Indien und den Himalaya für sich entdecken. Ein besonderes und nachhaltiges Thema auf AstroLibrium. Von Schlagintweit bis Lisk Feng. Expeditionen pflastern meinen Leseweg. Gerade in diese Region. Und es wird 2020 nicht das einzige wahre Abenteuer bleiben. Auch der Kilimandscharo steht auf der Liste. „Das kann uns keiner nehmen“ von Matthias Politycki hat sein Basislager bereits aufgeschlagen und wartet darauf, gelesen zu werden, bevor das Buch im März erscheint. Auch in die Arktis wird es mich verschlagen. „Das Eis brechen“ von Julien Blanc-Gras stößt im März an die Oberfläche. Ich werde an seiner Seite nicht nur Grönland entdecken. Die Atka wird mein Zuhause, wenn wir in See stechen. Ich habe bereits gepackt.

Gegen das Vergessen bleibt der wahre Schwerpunkt meines Lesens. Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgte“ (Dronfield) erschien bereits am 30.12. des gerade vergangenen Jahres, bricht sich jedoch lesend erst jetzt eine Bahn. Eine wahre Geschichte, der ich aufmerksam folgen werde. Roxane van Iperen wird mir im April im „Versteck unter Feinden“ eine Villa in Holland zeigen. Als ’t Hooge Nest wird sie wohl anschließend Kreise zu den Geschichten über jüdische Schicksale in den Niederlanden schließen, die mich 2019 intensiv beschäftigt haben. Doppelte Böden in dieser Villa und Hohlräume haben erst in unserer Zeit das Geheimnis zweier Schwestern preisgegeben, die im Zweiten Weltkrieg genau dort jüdische Flüchtlinge versteckt hatten. Und dies im direkten Umfeld der Villen von hochrangigen Nazis. Ich bin schon jetzt gespannt auf die Fortsetzung des Lesens in meinem persönlichen Niederlande-Zyklus zum Dritten Reich.

2020 in der kleinen literarischen Sternwarte AstroLibrium

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Ein paar Schlagworte noch, die meinen Leserherzschlag 2020 beschleunigen. Ihr wisst, welch komplexe Lesereisen bisher mit diesen Namen und Titeln verbunden sind und worauf ich mich schon jetzt ungeduldig freue:

Alex Beer setzt ihre Krimireise in Wien fort. „Das schwarze Band“ – Mai 2020.
Tad Williams setzt die Osten-Ard-Saga mit „Das Reich der Grasländer“ fort.
James Baldwin – „Giovannis Zimmer“ setzt die Reihe der Wiederentdeckungen fort.
MinaLima – „Alice im Wunderland“ führt Coppenrath-Jugendbuch-Klassiker weiter
Ta Nehisi-Coates macht mich zum „Wassertänzer“ und schließt einen weiteren Kreis.
System Polizei“ – Der Amoklauf von Winnenden und ein traumatisierter Polizist.
Dirk Kurbjuweit – „Haarmann“ – die Wiederentdeckung eines Serienmörders.
Peter Zantingh – „Nach Mattias“ – als Buchbotschafter unterwegs und natürlich
Frank Goldammer setzt die Max-Heller Reihe fort. „Juni 53“ ist der fünfte Vorbote.

Ihr seht, der Lese- und Hörstoff geht mir nicht aus. Dies sind nur einige der Werke, die ich mir für 2020 bereits auf die Fahne geschrieben habe. Die gesamte Liste der zu lesenden und zu hörenden Neuerscheinungen umfasst schon jetzt mehr als 60 Bücher und Audiofassungen. Leben, was willst du mehr. Bleibt auf meinen Spuren. Folgt mir in ein spannendes, tiefgreifendes und unterhaltsames Jahr 2020. Wir werden uns sicher sehr oft in und zwischen den Zeilen treffen…

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8 Gedanken zu „2020 – Der Ausblick auf ein besonderes Jahr

  1. Das ist noch eine Weile hin, dass der Beruf einschränkend für die bibliophile Freizeitbeschäftigung wirkt. Auf jeden Fall aber gibt Pläne auch bei mir:
    https://litterae-artesque.blogspot.com/2020/01/blogpost-nr-157-ein-neues-jahr.html

    Da ist zum Beispiel das Thema Everest, welches fortgesetzt werden will. Und war da nicht noch was mit Peter Berling? also, wenn du jetzt bald „viel“ Zeit hast, ich lade dich ein.

    Ansonsten bis du auf dem besten Weg, ein neuer Literaturpabst zu werden. Dabei viel Glück und viele Ideen. Und Gesundheit in diesem neuen Jahr.
    Viele Grüße
    Uwe

    • Da kann man sehen, wie die Zeit dahinrast… aber ich glaube, Du wirst es Dir toll mit Deiner Familie und Deinen Hobbys einrichten 🙂 Ich musste schon ein wenig schmunzeln… Bücher und Wolle… damit richte ich mir meinen (Un)Ruhestand wohl auch mal ein, allerdings nur für mich *lach*
      Ich glaube, die Pensionäre von heute sind ein anderes Kaliber, als die der Vorgängergenerationen. Man siehts an Dir 🙂 Und ich wünsche Dir -nicht nur fürs neue Jahr sowieso- einfach eine großartige Zeit beim neuen großen Abenteuer und fürs Erlesen der vielen vielen Neuerscheinungen eh 🙂

      Auf auf in die wilden 20er 😉

      Sabine

      • Ich bin ja auch noch jung und nutze genieße die Chance, schon in meinem Alter den Beruf ad acta zu legen. Es werden wilde 20er.

    • Ich bin noch nicht mal ein Scheinheiliger. Lach. Und Pläne lasse ich im Moment einfach auf mich zukommen. Nach 38 Jahren im Traumberuf gilt es jetzt in meiner kleinen Welt anzukommen. Ich kann es kaum erwarten.

  2. Hallo Herr Stroscher. Ich war auf ihrer Unterseite zum Thema Blogger für Flüchtlinge. Da ich leider dort nicht direkt kommentieren konnte, mache ich dies nun hier. Möchte nur darauf hinweisen, das der angegebene Link http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/ inhaltlich nichts (mehr) mit Flüchtlingen und deren Unterstützung zu tun hat, sondern so wie ich es gesehen habe, nur noch über diverse Versicherungen informiert. Wurde wahrscheinlich die Domain verkauft. Sehr schade.
    Wünsche ein erfolgreiches neues Jahr!

    • Herzlichen Dank für diese wichtige Info. Ich habe den Link sofort entfernt. Ich denke auch, dass die Domain inzwischen gewandert ist und den Zusammenhang mit der eigentlichen Aktion verloren hat. Kommentare auf dieser Seite habe ich grundsätzlich ausgeschaltet, da sie sich zum Sammelbecken für Hass-Posts entwickelt hat. Eine Erscheinung, die in letzter Zeit deutlich zugenommen hat. Auch bei Artikeln gegen das Vergessen des Holocaust gebe ich nicht mehr frei, was so reinkommt. Bloghygiene nenne ich das. Für Beleidigungen räume ich keinen Platz ein. Danke für die Unterstützung. Arndt

  3. Lieber Arndt,

    ich freue mich auf noch mehr gemeinsame Leseprojekte und Lesungen. Auf die Intensivierung deiner fotografischen Leidenschaft freue ich mich sehr – ebenso auf deine Zeilen zu manchen Büchern, die hier bereits Erwähnung gefunden haben und die auch ich auf dem Schirm habe.

    Liebe Grüße
    Steffi

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