Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle - AstroLibrium

Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Ich bin noch gar nicht lange zurück von den blutigen Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Der Wintersoldat“ entführte mich im Kanon meines Lesens zum ersten Weltenbrand in die Karpaten und konfrontierte mich erneut mit traumatisierten Soldaten des industrialisierten Schlachtens. Meine Rezensionen zu diesem Buch und zu einigen weiteren Werken zu diesem Themenkomplex veranschaulichen meine persönliche und berufliche Verbindung zu einem Krieg, der von vielen als Geburtsstunde des folgenden Weltkrieges bezeichnet wird. Niemand nannte ihn damals Erster Weltkrieg. Für Freund und Feind war er einzigartig. Unvorstellbar für alle Beteiligten, die am Ende kriegsmüde und von seinen Folgen mittelbar oder unmittelbar betroffen waren, dass einundzwanzig Jahre nach dem Friedensschluss ein neues, sogar vielfach schlimmeres Gemetzel die Welt in seinen grausigen Klammergriff nahm…

Wer den Zweiten Weltkrieg begreifen möchte, muss den Ersten Weltkrieg verstehen. Wer die Machtergreifung der Nazis 1933 nachvollziehen möchte, der muss sich in die Schützengräben bei Verdun begeben, um zu erkennen, dass eine Niederlage im Felde zur Legendenbildung herangezogen wurde, um auf der Grundlage von Rachegelüsten erneut über Europa herzufallen. Dabei war der Erste Weltkrieg bahnbrechend und neu für die kriegführenden Parteien. Aus Bewegungskriegen, Schlachtformationen und dem beherzten Einsatz von Kavallerie wurden Stellungskriege, Abnutzungsschlachten, Gas- und Granatendauerbeschuss und die industriell betriebene Zermürbung durch Artillerie. Unvorstellbar, das Leid auf allen Seiten. Nicht nachvollziehbar, die Lebensumstände in lebensfeindlicher Umgebung. Nicht greifbar, der Schrecken, den dieses Schlachten im kollektiven Gedächtnis der Armeen hinterließ. Nie wieder. So schallte es durch Europa. Und doch… Die Geschichte wiederholte sich.

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Viele Bücher sind geschrieben worden. Viele aktive Soldaten haben ihre Erlebnisse für die Nachwelt festgehalten. Ernst Jünger hat in Tagebüchern, Romanen und seinen Feldpostbriefen Zeugnis abgelegt. Remarque beschrieb das Schlachten und zahllosen Verborgenen Chroniken konnte man entnehmen, dass hier nichts erfunden war. Und damit nicht genug. Die Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges ist noch nicht beendet. Ich bin immer wieder auf der Suche nach Büchern, die das Bekannte neu erzählen. Ich bin auch in den letzten Jahren immer wieder fündig geworden, was meine Artikelserie zum Ersten Weltkrieg deutlich zeigt. Und immer, wenn ich gerade dachte, alles sei erzählt, stoße ich auf ein Buch, das mich in Staunen versetzt. Die Elegie des großen Krieges von Dorothe Reimann ist eines der überzeugendsten Bücher, in dem Perspektiven im Trommelfeuer gewechselt werden wie die Magazine der Schnellfeuerwaffen. Hier steht das Gefecht im Mittelpunkt. Der Mensch wird zermalmt. Ein Überlebenskampf mit tiefer Botschaft.

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Dorothe Reimann – Kurt Oesterle – Ernst Jünger – Der Erste Weltenbrand

Wenn ich an dieser Stelle den Roman „Die Stunde, in der Europa erwachte“ von Kurt Oesterle vorstelle und formuliere, dass er eine absolute Sonderstellung einnimmt, dann muss ich das näher erläutern. Der Begriff Sonderstellung ist hier vielfältig gemeint und deshalb nicht selbsterklärend. Vielleicht hilft es, wenn ich ganz klar sage, dass ich Angst um dieses Buch habe. Angst, dass es nicht gelesen wird. Angst, dass man es in seiner Dimension unterschätzt. Angst, dass es nicht gefunden wird und auch nicht ins Auge sticht. Angst, dass eines der wohl relevantesten Bücher zu dieser Zeit einfach nicht wahrgenommen wird. Diese Angst begründet sich in drei Faktoren:

Der Titel Die Stunde, in der Europa erwachteerschließt sich lesend und passt in seiner Kernaussage sicher zum Buch. Er hilft jedoch nicht dabei, zielgerichtet einem Roman seine Aufmerksamkeit schenken zu wollen, der sich wie ein Sachbuch vorstellt. Nein. Ein Romantitel ist es wahrlich nicht. Die Gefahr, im politischen Sachbuchbereich einer Buchhandlung zu verschwinden ist groß. Hinzu kommt, dass ich persönlich auch das Cover nicht gerade für einen Eyecatcher halte, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge springt. Das Aquarell „An der Westfront“ entspricht nicht meinem Empfinden von einem Buchcover, das neugierig machen soll. Hinzu kommt die Sprache eines Kurt Oesterle, die wie aus der Zeit gefallen scheint. Der Autor schreibt nach den Regeln der Rechtschreibung alter Art. Das vermittelt dem Leser einen Eindruck, er habe es hier mit einem Text zu tun, der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Selten hat man es heute noch mit „daß“, „vermißt“, „mußte“ in der beharrlichen Verwendung des scharfen S zu tun. Dabei ist der Text neu. Dabei ist dies ein Stilmittel eines Schriftstellers, der in seiner sprachlichen Einzigartigkeit genau mit dieser Nuancierung und seiner Wortkunst eine Welt entstehen lässt, die mehr als lesenswert ist. Sie ist ein MUSS!

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Wenn wir diese Schranken überwinden, werden wir mit einem literarischen Ereignis belohnt, das Seinesgleichen sucht. Auch hierfür sind einige Faktoren verantwortlich, in deren Kontext ein Roman mehrfach die Ebene des reinen Erzählens verlässt und zum Erleben wird. Das Setting: 1919. Der Krieg ist beendet. Die Frontlinie ist leergefegt. In den Schützengräben liegen keine Regimenter, die Waffen stehen still. Kein Strauch im Umkreis von hunderten von Kilometern. Stacheldraht soweit das Auge sieht. Mehrfach umgewühlte Erde von Verdun bis zur Somme und zurück. Blindgänger explodieren im erodierenden Erdreich. Matsch gibt Leichenteile frei. Einzig am Chemin des Dames ist ein Biotop im Grauen entstanden. Ein Bretterverschlag. Eine rein provisorische Trink- und Aufwärmstube mit dem Namen „Zur Heldin der Ruinen“. Ein Schritt nur vom Weg abzuweichen, bedeutet den sicheren Tod. Nur hier, auf dieser Insel der Menschlichkeit, ist man in Sicherheit. Und genau hier begegnen sie sich.

Die Menschen: Diejenigen, die an diesen Ort gefesselt sind. Diejenigen, die er anzieht und diejenigen, die ihm nicht widerstehen können. Da ist der vierzehnjährige Minot, der auf das Schlachtfeld zurückkehrt, um Grund und Boden der Familie wieder in Besitz zu nehmen. Was er findet, ist die Heldin der Ruinen. Verlassen. Er nutzt die Chance und wird zum Schankwirt im unwirtlichen Niemandsland zwischen Krieg und Frieden. Minot wird zum Sinnbild eines Neuanfangs und zur Integrationsfigur eines neu entstehenden Miteinanders auf den frisch ausgehobenen Gräbern der Gefallenen. Da ist die Ehefrau eines englischen Soldaten. Er hat überlebt. Das war es aber auch schon. Traumatisiert und nervlich am Ende, wird er zur Belastung für das gesamte Umfeld. Elsie Norton ist umgeben von Frauen, die ihre toten Männer beklagen oder die Versehrten betreuen. In ihr regen sich Zweifel. Was ist dieser Shell-Shock, unter dem ihr Mann leidet? Als man ihn der Feigheit bezichtigt, wagt sie einen dramatischen Schritt. Die Reise an die Front, um mit seinen Augen zu sehen, ein Gefühl für den Krieg zu bekommen, um der Liebe ihres Lebens näher zu kommen. Da ist der deutsche Kriegsgefangene Franz. Nur eine Nummer auf dem Schlachtfeld. Dazu verurteilt aufzuräumen, Granaten und Leichen zu finden. Ein Kriegsverlierer auf verlorenem Terrain. Perspektivlos.

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Da ist ein deutsches Ehepaar. Um den gefallenen Sohn trauernd. Max und Magda Krüger machen sich auf den Weg ins Feindesland. Als Besiegte. Zur ehemaligen und jetzt zerfurchten Front. Ihre Mission: Ihren toten Sohn der fremden Erde entreißen und nach Hause bringen. Koste es, was es wolle. Doppelt besiegt werden wollen sie nicht. Der Gedanken, den Sohn inmitten seiner Bezwinger auf einem Soldatenfriedhof sehen zu müssen, unvorstellbar. Sie alle treffen in der Heldin der Ruinen aufeinander. Minot wird zum Bindeglied zwischen alten Feinden, Trauernden und Suchenden. Die Gräben sind zwar verlassen, die Wunden jedoch sind nicht verheilt. Jeder von ihnen blutet aus eigenen Wunden und weint seine eigenen Tränen. Sprachlosigkeit, wo Sprache trennt. Hilflosigkeit, wo Mitgefühl fehlt. Perspektivlosigkeit, wo Zukunft im Nebel versinkt. Hier entsteht ein zarter Funke von etwas, das den Nebel vertreibt. Hier wächst ganz zart ein Pflänzchen auf zerbombter Erde. Hier wird Zwischenmenschliches grenzübergreifend und über die Gräber hinaus zum Samen von etwas Größerem. Hier wächst zusammen, was auf ewig getrennt zu sein schien.

Und wer den Menschen nicht traut, der begibt sich an der Seite von Kurt Oesterle auf eine letzte Reise an die Front. Wer den Menschen die Vernunft abspricht, sich in dieser Situation anzunähern, der wage den letzten Schritt. Gorm, der Hund ist ebenso verloren auf dem Schlachtfeld, wie die Toten und Vermissten. Sanitätshund in Diensten der Deutschen. Zur Rettung Verwundeter erzogen. Im Gefecht bewährt. Verwundet und alleingelassen, nachdem sein Sanitätsgefreiter fiel. Streuner auf dem Gefechtsfeld. Von Instinkt getrieben. Menschenfreund. Weggefährte. Vom Helfer zur Bestie degradiert. In seinem Inneren spiegelt sich die Welt, die sich unserem Verstand entzieht. Hier gelingt Kurt Oesterle ein emotionaler Perspektivwechsel, der jeden Zweifel an der Authentizität dieser Geschichte beseitigt und uns zum Nachdenken bringt. Zuletzt schließt er den Kreis der fiktionalen Charaktere, indem er seinen Erzählraum erweitert und ein Treffen ermöglicht, das für das Verständnis der weiblichen Sicht auf einen Krieg elementar ist. Wir treffen auf Mary Borden. Hier wird aus ihrem Schlammgedicht der Abgesang auf ein Zeitalter der Weltkriege. Eine Begegnung, die man sich nicht entgehen lassen darf.

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Kurt Oesterle hat einen sehr nachhaltigen Roman über einen Krieg geschrieben, der gerade mal 100 Jahre hinter uns liegt. Er bringt Krater zum Singen, ermöglicht uns Heimatabende im Niemandsland, trifft Reisevorbereitungen für einen Toten, gibt Raum für Rettung und Hoffnung. Er lässt uns in einer einfachen Bretterbude einen ganz leisen Hauch von Europa fühlen. Vielleicht das erste gemeinsame Haus, von dem man heute gerne spricht. Ein Haus mit nur einem Zimmer. Provisorisch und von Blindgängern der letzten Schlacht umgeben. Ein Haus, das es zu bewahren gilt. Auch, wenn wir gelernt haben, auf welch wackligem Boden das Ganze steht. Ein Roman mit Signalwirkung in Zeiten, in denen scheinbarer Patriotismus erneut dazu aufruft, Grenzen zu ziehen.

Wir sollten uns bewusst sein, auf welchen Grenzen die Gräber der Gefallenen der Weltkriege stehen. Wir sollten uns bewusst sein, dass es oft nur einer ausgestreckten Hand bedarf, neue Grenzen zu überwinden. Wir haben uns allzu oft über den Gräbern miteinander versöhnt, um neue Wunden zuzulassen. Ich war in Verdun. Wir besuchten die damals zerstörten Kathedralen in Frankreich. Ich denke an meine Großväter, deren Leben dieser Krieg und der folgende Krieg für immer veränderte. Wer diese Orte selbst gesehen hat, wer die Wunden in der Natur und in den Menschen noch heute fühlt, der wundert sich an jedem Tag seines Lebens darüber, dass es ein gemeinsames Europa ohne Grenzen gibt. Wer sich diesem Staunen hingeben mag, der sollte, nein, der muss „Die Stunde, in der Europa erwachte“ lesen.

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Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

Ich wollte eine Lanze für dieses Buch brechen. Ich wollte Euch davon erzählen, wie wertvoll es für mich ist. Ich möchte Euch hier die Möglichkeit geben, meinen Gedanken zu folgen, sie zu teilen oder sich an ihnen zu reiben. Zwei Exemplare des Romans „Die Stunde, in der Europa erwachte“ kann ich mit freundlicher Unterstützung des Verlags klöpfer,narr an Euch weitergeben. Kommentiert einfach diesen Artikel und beantwortet mir die Frage, welches Buch zum Ersten Weltkrieg Ihr in diesem Jahr gelesen habt. Ich werde bis zum 26. Dezember warten und dann zwei LeserInnen auswählen, denen ich dieses Buch ans Herz lege. Wichtig ist mir hierbei, dass Ihr nach dem Lesen genau hier eine Spur hinterlasst und uns an Eurer Meinung teilhaben lasst. Wer ist bereit?

34 Gedanken zu „Die Stunde, in der Europa erwachte von Kurt Oesterle

  1. Oh, nun bin ich (Yvonne, nicht Pauli – auch wenn das ihr Account ist) in einem Gewissenskonflikt. Wir sind ja bereits für Maja Lunde in den Lostopf gehüpft und vor allem würde sich mein Leseteam unwahrscheinlich über die LeseUgle freuen…
    Aber mit diesem Buch hier triffst du meinen Nerv als Geschichtslehrerin und wenn du schreibst, dass man den Ersten Weltkrieg verstehen muss, um den Zweiten Weltkrieg (und was dazwischen lag) zu begreifen, dann höre ich meine eigene Stimme, die das so ähnlich den Neuntklässlern versucht zu verdeutlichen.
    Allerdings bin ich ehrlich: DIESES Jahr habe ich kein Buch zum Ersten Weltkrieg gelesen. Ein kleiner Wichtel hat mir das Lesen dieses Jahr schwer gemacht. Und wenn, dann habe ich eher „leichte Kost“ zu mir genommen.
    Nun kehre ich aber bald wieder ins wahre Leben zurück und werde im nächsten Jahr mehr als einmal die Enzyklopädie des Ersten Weltkrieges (UTB-Reihe) in der Hand halten. Ansonsten habe ich hier unabhängig von den Fachbüchern noch „Hineingeworfen“ von Wolf-Rüdiger Osburg stehen. Darin geht es um die Erinnerungen der Teilnehmer.
    Aber wie gesagt: mit einem, in diesem Jahr gelesenen Buch kann ich nicht dienen.

  2. Ich muss gestehen, in diesem Jahr kein Buch zum 1. Weltkrieg gelesen zu haben. Das letzte war, soweit ich mich erinnere, „Ein Tal in Licht und Schatten“ von Marie Buchinger (Diana Menschig). Da geht es um den Kriegseintritt Italiens und die Kämpfe in Südtirol gegen die Nachbarn in den Bergen. Bis dahin hatte ich mir darüber noch nicht viele Gedanken über Südtirol und seine Geschichte gemacht. Im Anschluss habe ich mich auch mit den Folgen der beiden Weltkriege für diesen Landstrich beschäftigt.
    Mit den Stellungskämpfen in Frankreich habe ich mich erstmals bewusst (abseits vom Geschichtsunterricht, von dem ich nicht mehr viel weiß) durch dem Roman „Das späte Geständnis des Tristan Sadlers“ von John Boyne auseinandergesetzt. Ich habe noch lange daran gedacht und das Buch auch verschenkt. Ebenso wie „Ein Tal in Licht und Schatten“. Ich habe den Eindruck, dass ich sehr viel mehr über den Zweiten Weltkrieg weiß und auch, dass es nicht nur mir so geht.
    Ich würde mich über das Buch freuen, es mir ansonsten aber auch selbst kaufen. Danke für die Vorstellung, ich habe ja schon einige Zeit darauf gewartet. 😉

    Liebe Grüße
    Mona

  3. Ja wow. Dieser Artikel liest sich ja wirklich wie ein ultimativer Appetizer für dieses Buch. Im Hinblick auf das Cover muss ich sagen, so schlecht find ich das gar nicht. der Titel, nun der macht dann Lust auf mehr, wenn man eh schon zu dem interessierten Menschenschlag gehört, der sich für so etwas interessiert. So wie ich 😉.
    Dieses Jahr stand auf der professionellen Seite die Lektüre weiter in der Vergangenheit. Die Thematik „Grande Guerre“ lässt einen allerdings nicht los, wenn man mal in der Materie drin war, obendrein wenn man überzeugter Europäer ist. In diesem Jahr war ich nur in „Kurzausflügen“ in den Beiträgen des letzten Sammelbandes der GGWM über Kopfverletzungen zur Thematik erster Weltkrieg unterwegs und in dem sehr aufschlussreichen Buch „der totale Rausch“ dann in der späteren, dunklen Epoche des letzten Jahrhunderts….
    Was wär das für ein Weihnachtsgeschenk so ein Buch 😄.

  4. Da springe ich mal für meinen Vater in den Lostopf!
    So lange ich denken kann, beschäftigte er sich mit Geschichte, las unzählige Bücher über die beiden großen Kriege und ist bis heute DER Ansprechpartner für mich, wenn es um Geschichte geht. Er weiß unglaublich viel über diese Zeit, war selber im Rahmen der Kriegsgräberfürsorge in Verdun und schwer berührt. Niemand kann wie er Geschichte lebendig werden lassen, niemand konnte mir unsere Geschichte so detailliert und niemals langweilig nahe bringen, wenn ich während der Schulzeit an Jahreszahlen verzweifelte.

    Ob er in diesem Jahr ein Buch über den ersten Weltkrieg gelesen hat, weiß ich nicht.
    Aber: es würde die Sammlung der Romane/ Sachbücher/ Dokumentationen im Haus meiner Eltern wunderbar ergänzen und meinem „alten Herren“ einen neuen Blickwinkel über unsere Geschichte verschaffen.

  5. Ich habe „Elegie des großen Krieges“ meiner lieben Freundin Dorothe Reimann angefangen. Mich interessieren überhaupt Bücher, die um den Krieg handeln. „Im Westen nichts Neues“ stand im Regal meiner Eltern, habe es leider nicht zu Ende gelesen (oder kann mich nicht daran erinnern), aber im Geschichtsunterricht wurde der Film gezeigt. Bei unserer Landeszentrale für politische Bildung kann man Bücher bestellen – kostenfrei – nur den Versand muss man zahlen. Und das lasse ich mir nicht zweimal sagen 😉 So viele Bücher über Geschichte und die Weltkriege und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Aber auch historische Reisefüher sind dort zu finden.

    Ich glaube, ich werde nun Dorothes Buch weiter lesen. Denn das hat auch dieses Buch verdient.

  6. Ich bin hin- und hergerissen, ob ich dieses Buch lesen möchte. Mein Vater, Geburtsjahr 1919, war der uneheliche Sohn eines englischen Besatzungssoldaten aus dem 1. Weltkrieg. Insofern bin ich mit der Geschichte aufgewachsen, emotional gesehen. Ich war auch mit meinen Eltern in Verdun. Allerdings habe ich noch riesige geschichtliche Lücken zu dieser Zeit, da in der Schule der Geschichtsunterricht vor dem 1. Weltkrieg endete. Von Remarque habe ich vor langer Zeit so ziemlich alles gelesen. Vielleicht wäre es mal wieder an der Zeit. Ich lasse das Los entscheiden.

  7. Ich habe Ende letzten Jahres und Anfang diesen Jahres die Trilogie von Carmen Korn gelesen, angefangen mit „Töchter einer neuen Zeit“. Jetzt warten die beiden Bücher „Die Totengräber der Weimarer Republik“ und „Funkenflug“ darauf, gelesen zu werden. Ich hatte das Pech, dass mein schulischer Geschichtsunterricht grob gesagt mit der Sozialpolitik Bismarcks endete. Alles, was danach kam, habe ich mir selbst erarbeitet. Und ja, man kann das eine nur im Zusammenhang mit dem anderen sehen. Dieses von dir rezensierte Buch wird wohl ebenso bei mir landen wie „Die Geschichte der Völkerwanderung“ von Mischa Meier. Und ja, ich würde mich sehr darüber freuen, das Buch zu gewinnen.

  8. Ich wäre voll in die „Sachbuchfalle“ getappt. Ich hätte definitiv keinen Roman dahinter vermutet. Ich gebe dir voll recht. Weder Cover noch Titel lassen darauf schließen. Vermutlich hätte ich das Buch in der Buchhandlung nicht in die Hand genommen.

    Von diesem Weltkrieg ist auch bei mir nicht wirklich viel hängen geblieben. Viele Romane oder Serien befassen sich eher mit der „friedlichen“ Zeit dazwischen bzw. mit dem zweiten Weltkrieg. Meine Großeltern waren noch in den Kinderschuhen und der Geschichtsunterricht war leider eher unspektakulär. Somit hüpfe ich in den Lostopf – Liebe Losfee, sie dürfen mich bilden!

  9. Was beim Blick auf den Ersten Weltkrieg neben dem erstmaltigen Einsatz maschineller und chemischer Waffen nie vergessen werden darf, ist auch die anfängliche riesige Begeisterung, mit der viele Männer in den Krieg gezogen sind. Erst mit den grauenhaften Erlebnissen und der Erfahrung des tausendfachen Todes kam der Sinneswandel, der jedoch von dem „Daheimgebliebenen“ meist nicht verstanden wurde. Selbst Geistliche riefen zum Kampf auf. Zwei Bücher sind neben „Im Westen nichts Neues“ von Remarque – der Klassiker – mir besonders in Erinnerung: „Schönheit und Schrecken“ von Peter Englund und Stefan Hertmanns Buch „Krieg und Terpentin“, das ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Derzeit lese ich von Jochen Missfeld „Solsbüll“, der Roman behandelt sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg, im Blickfeld steht ein norddeutsches Dorf und seine Einwohner. Für mich eine Entdeckung. Von Oesterle habe ich seinen Roman „Der Wunschbruder“ im Regal stehen. Deine Empfehlung setze ich auf meine Leselist. Danke dafür und Deine wunderbare Besprechung zu einem wichtigen Thema. Viele Grüße

  10. Lieber Arndt, jetzt finde ich endlich die Zeit für deinen Artikel. Ich verstehe deine Einwände. Der Titel ist tatsächlich für einen Roman sperrig. Andererseits ist das Thema ja auch etwas sperrig und für geneigte Leser dürfte das wohl kein Problem sein. Das Massenpublikum wird weder Thema, noch der von mir sehr geschätzte Autor, noch der Verlag auf sich ziehen. Umso schöner, dass du auf ihn aufmerksam machst.
    Das Aquarell des Covers spricht mich eigentlich schon an (aber auch da: sicher nicht massentauglich), ich finde nur die Schriftgestaltung nicht so gelungen.
    In diesem Jahr habe ich tatsächlich nur in den Geschichten von „Über den Feldern“ gelesen (du weißt, Herausgeber Horst Lauinger; sehr sehr empfehlenswerte Anthologie). Im letzten, dem Jubiläumsjahr, habe ich noch einmal die Abschnitte von Ernst Toller über seine Kriegserfahrungen in „Eine Jugend in Deutschland“ gelesen – genauso eindrucksvoll wie bei der Erstlektüre – und mir endlich mal Lemaitres „Wir sehen uns dort oben“ vorgenommen.
    Oesterles Buch ist für mich eigentlich Pflicht, ich danke dir, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Wie gesagt, ich habe das total übersehen.
    Viele Grüße, Petra

    • Liebe Petra, vielleicht kann ich aus der eigentlichen Pflicht ein Vergnpfen machen. Ich werde entscheiden müssen, wem ich die beiden Bücher zuschicken. Das wird nicht leicht. Danke für deine Positionslichter zum Roman. Arndt

  11. Hallo lieber Arndt,
    deine Beiträge schaffen es immer mich ganz tief in diese Geschichten um Bücher und Themen zu ziehen.
    Mein ‚Gebiet‘ der 2. WK, ist dir ja bekannt und ich zehre immer noch am Austausch wegen Stella.
    Ich hätte „Die Stunde, in der Europa erwachte“ niemals so betrachtet. Das Cover ist großartig, wenn man das Gemälde zuordnen kann sogar eine Art Vorhersage, aber was darinnen steht hast du so intensiv geschildert und holla die Waldfee, Minot, Franz oder Elsie, selbst diesen Hund möchte ich sehr gerne lesend kennenlernen. Was für Einzelschicksale in einem bestialischen Krieg!
    Kennst du „Heeresbericht“ von Edlef Köppen? Darinnen gibt es eine Aussage des Protagonisten „leck mich am Arsch, es ist ja immer noch Krieg“ und dieser eine Satz hatte für mich so viel Aussagekraft und spiegelt all das Entsetzen und die Machtlosigkeit des Einzelnen durch dieses grundehrliche, wenn auch vulgäre aussprechen, wobei der Krieg an sich deutlich vulgärer war (you know what i mean).
    In diesem Jahr hat mich „Der Wintersoldat“ absolut fasziniert. Lucius Reise und all die Menschen denen er begegnete war traumhaft schön wie grauenvoll unmenschlich.

    Wünsche dir und deiner Familie noch entspannte Feiertage, liebe Grüß
    Kerstin

    • Liebe Kerstin. Köppen bringt vieles auf den Punkt. Manchem Schrecken kann man nur umgangssprachlich begegnen. Dein Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg schließt für mich den Ersten mit ein. Sie hängen mehr zusammen, als man vermutet. Der Wintersoldat wiederholte sich noch so oft. Ja, ich liebe dieses Buch auch sehr. Gerade deshalb ja auch dieser Artikel. Herzliche Grüße, Arndt

  12. Zwei wichtige Bücher für Freunde der kleinen literarischen Sternwarte…

    Ich suchte Leser für den Roman „Die Stunde, in der Europa erwachte“ von Kurt Oesterle. Da ich in Sorge um dieses Buch bin hat mit der Verlag Klöpfer, Narr zwei Exemplare zur Verfügung gestellt, die ich an dieser Stelle weitergeben darf. Ihr dürft euch an meiner Meinung reiben und ich bin schon sehr gespannt auf eure Eindrücke.

    Ich möchte die Bücher gerne an Ingo Höhling und Mona Tintenhain von Tintenhain – Der Bücherblog weiterreichen. Es war schwer für mich, hier eine Wahl zu treffen und danke euch allen sehr für die Kommentare zur Rezension…

    So, jetzt ist es raus. Schickt mir bitte eure Adressen per PN und dann geht die Post ab!

  13. Pingback: AstroLibrium – Best of Print und Audio 2019 | AstroLibrium

  14. Lieber Arndt!
    Schon lange hat es kein Buch mehr so schnell geschafft von mir durchgelesen zu werden.

    Fast bedauernd schlägt man am Ende das Buch zu und denkt sich…. und dann? Obwohl man ja bereits den großen Weitergang der politischen Entwicklungen in Zentraleuropa kennt. Trotzdem und gerade weil man die Saat für die folgenden Entwicklungen in den Haltungen einiger Protagonisten des Buches bereits erkennen und ihre späteren Rollen in den Gesellschaften vermuten mag, weckte dieses Buch in mir wieder von neuem die Lust diese Epoche in weiteren Werken zu verfolgen und ein Verständnis für die Unterschiedlichkeit menschlichen Handelns, die so bildhaft von K. Oesterle beschrieben wird, zu entwickeln.

    Vor dem Hintergrund aktueller und damaliger Konfliktpotenziale im Spannungsfeld menschlichen Zusammenlebens in einer vermeintlich immer kleiner werdenden Welt erscheint dieses Buch aktueller denn je – vielen lieben Dank für diese Empfehlung, die ich uneingeschränkt teilen kann. Im Nachhinein betrachtet hast du mit der Kritik am Umschlagbild sicher recht, dass die doch recht farbig gestaltete Malerei den grau-braunen Schlammtönen des geschriebenen Inhaltes nicht gerecht wird – aber grau-braune Umschläge kennt man bereits so sehr in dieser Thematik, sodass ich hinter dieser Bildauswahl den Sehnsuchtsgedanken der Wiederbelebung einer zerrütteten Welt entdecken mag, so wie Minot ja unbedingt für seinen englischen weiblichen Gast Blumen auftreiben musste.

    So weit, ein wirklich bemerkenswertes Werk. Sind dir ähnliche Werke aus französischer und englischer Feder bekannt?

    • Lieber Ingo. Besten Dank für Deine Sicht auf dieses Buch. Ich bin froh, dass es bei Dir auf so fruchtbaren Boden gefallen ist. Du beschreibst eindrucksvoll die Relevanz des Romans, auch in seiner Signalwirkung für die heutige Zeit. Deine Meinung zum Cover ist interessant und ich kann ihr einiges abgewinnen.

      Tipps zu weiteren Büchern gebe ich Dir gerne auf direktem Wege weiter.

      Schönes Restwochenende und Grüße

      Arndt

  15. Ein Buch, was mich überrascht hat. Schön geschrieben, mit mehreren ganz eigenen Geschichten, die den Leser auf ihre eigene Art berühren und sich zart verknüpfen. Ein neuer Blick auf das „was danach kommt“, ein Buch, das subtil ein größeres Verständnis weckt. Auf jeden Fall eine tolle Empfehlung! Danke!

  16. Pingback: Neu im Bücherregal #74 | Tintenhain - Der Buchblog

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