Club der roten Bänder – Wie alles begann (Der Film)

Club der roten Bänder - Wie alles begann - Astrolibrium

Club der roten Bänder – Wie alles begann

Es ist nicht schlimm zu sterben.
Es ist schlimm sein Leben nicht zu leben.

(Benito)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Vielleicht wird das jetzt persönlicher, als es bei einer Filmvorstellung sein sollte. Vielleicht ist dies aber auch der einzige Zugang, der es mir ermöglicht erneut über eine TV-Serie zu schreiben, die mit meinem Leben extrem verwoben ist. Drei Staffeln haben wir Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo begleitet. Wir haben sie in ihren Rollen als Anführer, zweiter Anführer, Mädchen, der Hübsche, der Schlaue und guter Geist erlebt. Wir kennen sie als „Club der roten Bänder“. Wir haben dreißig Folgen der Geschichte verfolgt und kennen das Werk von Albert Espinoza, der sein Schicksal zur Vorlage der weltweit erfolgreichen Fernsehproduktionen werden ließ. Am 11. Dezember 2017 habe ich das Ende der Geschichte gesehen und war der Meinung, wirklich am Ende zu sein. 

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Selten hat mich eine Serie um Krankheiten, Klinikalltag und Freundschaft dermaßen gefesselt und berührt. Und doch habe ich in meinem Artikel im Jahr 2016 beschrieben, dass diese roten Bänder für mich und meine Familie in einer lebensbedrohlichen Phase mit jenen aus der Serie nur wenig gemein hatten. Sie verbanden meine Tochter mit der Außenwelt, die sehnsüchtig auf sie wartete. Sie zogen mein Mädchen aus dem Koma, aus der Klinik und hinein in ein neues und unbeschwertes Leben. Die Bänder haben es geschafft, ihr im Krankenhaus jenen Halt zu geben, den sie später umso mehr zuhause benötigte. Die Bänder haben gehalten. Bis heute, auch wenn unser wichtiges Band mit unserem Border Collie „Schneeflocke“ nur noch in unserer Erinnerung besteht. Er hat Lena zurück ins Leben gezogen, sie aus dem Rollstuhl gebellt und bei ihr gelegen, als sie keine Kraft mehr hatte. Puh… es schreibt sich schlecht, wenn man weint…

„Wir sind Kinder in einem Krankenhaus. Wir haben schlechte Tage. Wir haben gute Tage. Und dann gibt es Tage, die sind voller Wunder.“ (Hugo)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Alles Geschichte, könnte man meinen. Alles vorbei und vergangen. Und doch holt einen die Vergangenheit mit einem gewissen zeitlichen Abstand wieder ein und lässt es zu, sich mit den Erinnerungen an diese Tage in der Klinik zu befassen. Und so passt es auch zu den Roten Bändern, wie ich sie erlebt habe, dass sie nun ihren Weg ins Kino finden. Wir haben es hier nicht mit einer Fortsetzung oder einem verzweifelten Versuch zu tun, dem Fernseherfolg auch den Kassenschlager folgen zu lassen. Es geht hier um das Prequel, die Vorgeschichte der jungen Menschen, die erst im Krankenhaus zu dem werden, was wir so gut kennen. Dem Club der roten Bänder….

„Du kannst hier drinnen an Krebs sterben, aber auch an Langeweile. Das sag ich dir.“ (Leo)

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Ein Jahr nach dem letzten Dreh versammelte man die Schauspieler der Serie, um mit der Arbeit am neuen Film zu beginnen. Der Club der roten Bänder – Wie alles begann. Ein tiefer Blick in die Vergangenheit der Einzelschicksale. Ein Blick zurück in eine Zeit, die noch nicht von Krankheit geprägt war. Oder zumindest in die Zeit, die sich noch außerhalb der Klinik abgespielt hat. Ein Leben ohne rote Bänder, Operationen mit oder ohne Hoffnung auf Erfolg und ein Leben ohne die Station als Heimatersatz. Es ist ein Rückblick, den man selbst erst wagt, wenn eine Krise überstanden ist. Oder, wenn man an einen Punkt gelangt ist, sich an jemanden zu erinnern, um den man trauert. Im Film treffen wir auf begeisterte Fußballspieler, Jugendliche, die sich nach Freundschaft sehnen oder einfach nur auf einen Jungen, der von einem Zehn-Meter-Turm springen möchte. Wir wissen, wo all dies endet. Und doch schärft es unseren Blick, weil wir jene Menschen mit einer Vergangenheit erleben, denen das Schicksal keine große Zukunft schenkt.

Von zehn Leuten überleben neun diese Art von Krebs, sagte mein Arzt Schön, sage ich, ich bin dabei!

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Ohne Magersucht, das Asperger-Syndrom, den Krebs, ein Koma oder ein krankes Herz hätten sich die Mitglieder dieses denkwürdigen Clubs niemals kennengelernt. Hier haben wir die Chance, in einem bewegenden Film den Anfang einer Geschichte sehen zu können, die uns seit der Ausstrahlung der Serie begleitet hat. Ich freue mich schon darauf, diesen jungen Menschen erneut zu begegnen. Ich freue mich darauf, erneut zu spüren, dass sich die Geschichte von Albert Espinoza auf die Schauspieler ausgewirkt und sie verändert hat. Hier entstand etwas Einzigartiges, das im Fernsehen Wellen und Wogen geschlagen hat. Ich hoffte sehr darauf, dass es dem Film ebenfalls gelingt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Unser kleiner Lebens-Club ist einerseits kleiner geworden. Flocke fehlt an allen Ecken und Enden.

Und er hat sich um Menschen erweitert, die das rote Band in die Hand genommen haben, von dem nur noch ein loses Ende vorhanden war. Lebensgefährten und wahre Herzensmenschen nun an der Seite „unserer Kinder“ zu wissen, ist ein wundervolles Gefühl. Wir gehen zusammen ins Kino und erzählen danach, wie es früher bei uns war. Ohne die Serie hätten wir nie die Zeit der Erkrankung von Lena aufarbeiten können. Es geht sicher nicht nur uns so. Jeder hat ein rotes Band. Jeder wurde vom Schicksal und dem Zufall an die Seite wichtiger Menschen gespült, die man braucht, um zu überleben. Nun wird es Zeit, für den letzten Vorhang dieses Filmprojekts. Licht aus. Taschentücher bereit. Film ab…

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Die Filmrezension

Man kann mir erzählen, was man will. Natürlich kann man sich den Film anschauen, ohne auch nur eine Folge der Serie vorher gesehen zu haben. Es geht durchaus, aber für mich liegt die Magie dieses Prequels eben darin verborgen, dass die Zuschauer, die dem Zauber der vorherigen Staffeln erlegen sind, nun einfach alles wissen, was auf die Protagonisten des Films zukommen wird. Man verleiht uns fast „seherische“ Qualitäten und versetzt uns in die Lage, die Macht der Zufälle im Leben neu zu erkennen. Wir sind es, die Zusammenhänge herstellen, wo der Film die Bildsequenzen liefert. Wir sind es, die in einem Szenenwechsel auf der Straße eine Verbindungslinie zwischen einem Opa mit seinem autistischen Enkel, einer schlanken Joggerin, einem aufgewühlten Biker und anderen Menschen ziehen. Wir wissen, dass sie sich sehr bald begegnen werden. Wir wissen, dass sie durch ein rotes Band miteinander verbunden sein werden. Das ist der magische Aspekt des Films.

Emotionen und Empathie entstehen genau in diesem Mehrklang aus Bekanntem und Neuem. Dabei blickt der Film hinter die Kulissen der Charaktere und öffnet uns die Augen für persönliche Geschichten, die jeder gerne für sich behalten hätte. Wir haben vieles geahnt, viel vermutet, versucht zu verstehen, warum Leos Vater sich in der Klinik rargemacht hat. Jetzt verstehen wir. Das normale Leben wird durch Diagnosen zerstört, normale Fußballspiele werden zum Alptraum und familiäre Enttäuschungen münden in Magersucht. Dieser Blick zurück auf das Vorher bewirkt, dass wir mit einem Gefühl aus dem Kino gehen, das mehr als wertvoll ist. Das Leben zu genießen, weil man nicht alle Zufälle beherrschen kann, ist der Schlüssel zum persönlichen Glück.

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

Wie alles begann“ ist in vielerlei Hinsicht ein großer cineastischer Wurf. Man spürt der gesamten Crew an, dass hier etwas Magisches fortgesetzt wird. Die Atmosphäre dieser Verfilmung knüpft nahtlos an die Staffeln an, denen sie eigentlich den Weg bereitet. Es wühlt auf, treibt uns die Tränen in die Augen und besticht in Dialogen und Bildern. Dazu ein grandios aufspielender Jürgen Vogel, den man anfänglich hassen und dann später lieben muss. Das fehlende rote Band ist gefunden. Ein absolutes Muss für alle Fans. In jeder Beziehung gelungen und viel mehr als ein simples Prequel. Und wer ganz genau hinschaut, der erkennt am Ende des Films sogar jemanden, der hier mehr als nur eine kleine Gastrolle spielt. Einer der vielen Wow-Momente dieses Films. Nach dem Film ist vor dem Film. Raus aus dem Kino und hinein in die „alten“ Staffeln. Ich konnte einfach nicht anders. „Club der roten Bänder – Wie alles begannist eine Initialzündung für einen erneuten Blick auf eine Serie, die uns verändert hat. Großartig!

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Club der roten Bänder – Wie alles begann

2 Gedanken zu „Club der roten Bänder – Wie alles begann (Der Film)

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