Harry Potter wird 20 – Muggel, wie die Zeit vergeht!

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Zwanzig Jahre. Ein stolzes Alter, ein stolzes Jubiläum und ein Moment, der meine literarischen Erinnerungen mit dem Jahr 1998 verknüpft, als wäre es gestern gewesen. Ein Hype kündigte sich ganz langsam an. Ein Name machte die Runde. Ein Buch in der englischen Originalfassung sorgte dafür, dass Freunde und Bekannte plötzlich spurlos verschwanden. Verschämt schauten sie unter sich, wenn man sie nach dem Grund des Abtauchens fragte. Aus ersten Satzfragmenten und völlig neuen Begriffen setzten sich erste Bilder zusammen, die es zu sortieren galt.

Hogwarts, Muggel, Eulenpost, Dumbledore, Dudley, Hagrid, Hermine. Was für eine Welle schwappte da aus England nach Deutschland? Warum sprachen auf einmal sehr viele Herzensleser von einer Zauberschule, geheimnisvollen Mächten, einem goldenen Schnatz und mehr als geheimnisvoll von „Du-weißt-schon-wer“? Ich kann mich sehr gut an diese Zeit erinnern. Ich weiß noch genau, wie ich mir in London die Erstausgabe der Geschichte kaufte, die plötzlich in aller Munde war. Ich weiß noch, dass man sich fühlte wie in einem geheimen magischen Zirkel. Man musste nur „Harry Potter“ sagen. Nicht mehr. Und schon teilte sich die Welt im Jahr 1998 in zwei Gruppen auf. Wissende und Unwissende. Und wer nicht eingeweiht war, der sollte es in den folgenden Jahren bitter bereuen. Heute heißt es nur noch #20yearsofmagicde

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

War die Zahl der Geburtstagsgratulanten im ersten Harry-Potter-Band Der Stein der Weisen“ noch überschaubar, so finden sich jetzt wohl zahllose Schulterklopfer ein, die ihm zum Jubiläum gratulieren. Ich feierte mit ihm bereits seinen elften Geburtstag:

„Noch eine Minute und er war elf. Dreißig Sekunden… zwanzig… zehn… neun – vielleicht sollte er Dudley aufwecken, einfach um ihn zu ärgern – drei – zwei – eine – BUMM.“

Genau zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des Auftaktbandes in deutscher Übersetzung ist die Fangemeinde so sehr angewachsen, dass es weltweit wohl kaum jemanden gibt, der noch nichts von Harry Potter gehört hat. Wenn es in unserer Zeit ein Buch gibt, das ich mir in genau 100 Jahren im Klassikerregal einer Buchhandlung (wer weiß jedoch, ob es da noch solch magische Büchertempel geben wird) vorstelle, dann wird es „Harry Potter“ sein. Vielleicht in einer wertvollen Gesamtausgabe, vielleicht aber auch in allen sieben Bänden der magischen Reihe. Hier halten wir den Nachlass an die Erben des heutigen Lesens in Händen. Joanne K. Rowling hat eigentlich den Literatur Nobelpreis für diese Buchreihe verdient. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend.

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Und jetzt wird gefeiert. Von allen Lesern, Filmfans, Rollenspielern und Lego-Meistern. Die Welt ist ohne Harry Potter nicht vorstellbar. Elbenwald wäre ohne Merchandising in den letzten Jahren nicht das geworden, was es heute ist und auch Der Hörverlag kann ein erfolgreiches Lied davon singen, wie die Romanvorlage und ein genialer Sprecher zu einer Einheit verschmelzen. Rufus Beck hat nicht nur Harry Potter Leben eingeflößt. Er hat allen Charakteren der Reihe seine Stimme geliehen und sie zum Ohrwurm einer ganzen Generation gemacht.

Nun sind wir alle versammelt. Feiern Jubiläum, teilen exquisite Erinnerungen und reihen uns in die Schar der Gratulanten ein. Jubiläumsausgaben mit neuen Covern sind beim Carlsen Verlag erschienen. Die grandiose Gesamtausgabe der Hörbücher wurde aufgelegt und die Krönung für die Fans des gesprochenen Wortes ist die Tatsache, ihn wieder live hören zu können. Rufus Beck las Hamburg, Berlin und München. Ich hatte das Vergnügen, seiner Münchner Lesung folgen zu dürfen. Ich saß in der Reithalle vor ausverkauftem Haus und staunte über den heterogenen Altersquerschnitt der Zuhörer. Harry Potter ist und bleibt alterslos, was seine Anhänger angeht. Und Rufus Beck fängt uns genau da ein, wo er uns am Ende des letzten Bandes in die Freiheit entlassen hat.

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Der Sprecher, der selbst Internatsschüler war, weiß, was er hier vorträgt, vorlebt und vorspricht. Er weiß, dass viele unserer Erinnerungen mit seiner Stimme, oder soll ich besser sagen „mit seinen Stimmen“ verbunden sind. Er weiß wohl, was er in seinen Zuhörern bewegt, wenn er seine Stimmbänder in Gang setzt. Er weiß genau, dass wir verleitet sind, bei seinem Vortrag unsere Augen zu schließen und uns nur hörend in die Welt der Joanne K. Rowling treiben zu lassen. Und doch thront er wie der Godfather im Sprecherolymp auf seinem Lesethron und beherrscht die Bühne mit seiner Präsenz. Es ist ein Erlebnis, die Aufnahmen mit seiner Stimme zu hören. Es ist ein eigener Kosmos, ihn live erleben zu dürfen.

Erstmals nach vielen Jahren erlebte man diesen Potter-Orkan live on stage. Jedes Wort, jeder Satz, jeder Atemzug ein Volltreffer in unsere Muggelherzen. Jeder Blick des Sprachkünstlers in die Zuschauermenge, ein zufriedener, erkennender Blick, der zeigte, wie goldrichtig der Sprecher an dieser Stelle lag. Endlich wieder Zuhause. Heimatgefühl stellte sich ein, und atemlos gespannt folgte das Auditorium den doch längst bekannten Dia- und Monologen. Was Rufus Beck auf die Bühne zauberte, überraschte dann doch selbst die größten Insider. Eine Live-Übertragung eines Quidditch-Spiels, bei dem das Auditorium für eine sportlich fulminante Geräuschkulisse sorgen musste (besser als ein Champions-League-Finale), die legendäre erste Postzustellung bei den Dursleys, eine Geburtstagsparty mit Hagrid als Überraschungsgast und schließlich die Weasleys, die im zugenagelten Kamin der Dursleys eine Bruchlandung fabrizieren. Das war mehr als stimmungsvoll, das war absolut atmosphärisch und selbst Rufus Beck verlor angesichts der Reaktionen seines Publikums ab und an die Beherrschung und musste eine kleine Kunstpause einlegen, in der er selbst herzhaft lachte.

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Die Münchener Reithalle verwandelte sich zur großen Halle von Hogwarts. Es war das perfekte Ambiente für diese grandiose Lesung, die zu keinem Zeitunkt eine Lesung war. Rufus Beck ist Herr über ein eigenes Stimmorchester und wenn man seine Augen schließt, kommt man nie auf die Idee, dass hier nur ein einziger Künstler auf der Bühne steht. Zum krönenden Abschluss des Abends überraschte uns der sprechende Hut mit einer Gesangseinlage, mit der niemand gerechnet hatte. Grandios. Höhepunkte, an die man sich noch lange erinnern wird. Für alle Potterheads ging dann noch ein Traum in Erfüllung. Die zu Beginn des Events von den Hauselfen verteilten goldenen Umschläge enthielten die so lang ersehnte Post aus Hogwarts. Endlich. Das jahrelange Warten hat sich so sehr gelohnt.

Feiert das Jubiläum mit. Ihr könnt Harry Potter gratulieren, ihr könnt neu lesen und neu entdecken. Phantastische Tierwesen finden im Kino ihre Fortsetzung und wer denkt, Harry Potter hätte seinen Zauber verloren, der sieht sich eines Besseren belehrt. Gut, dass Rufus Beck gegen Zaubersprüche immun ist. Silencio (lat. Silentium = Stille, lässt die Stimme des Getroffenen völlig lautlos werden) hat ihn nicht sprachlos gemacht und mit Quietus (lat. quietus – stellt die Stimme auf normale Lautstärke) kann er immer noch sehr gut umgehen und einen ganzen Saal in voller Lautstärke unterhalten. Ich bin sicher, dass er jedoch den Zauberspruch Sonorus (lat. sonorus = tönend, verstärkt die Stimme) selbst erfunden haben muss. Seine Lesung war der lebende Beweis für diese These.

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Einen solchen Abend sollte man nicht allein erleben. Stephanie Sack hatte sich in ihre schmucke Hogwarts-Schuluniform geschmissen und sicher wird man schon sehr bald auf ihrem Blog Nur Lesen ist schönerweitere Eindrücke dieser bezaubernd emotionalen Zeitreise lesen können. Ich bleibe da am Schnatz… Sie hat es getan!

Die Harry-Potter-Jubiläumslesung mit Rufus Beck

Natürlich könnt ihr jederzeit hier nachlesen, was J.K. Rowling wirklich wichtig ist.

J.K. Rowling bei AstroLibrium

5 Gedanken zu „Harry Potter wird 20 – Muggel, wie die Zeit vergeht!

  1. Ich war gestern auch im Reitstall und weiß deshalb aus eigener Erfahrung, wie treffend deine Beobachtungen sind. Die Lesung ist unvergesslich. Dein Artikel macht sie noch unvergesslicher. Danke und liebe Grüße. Andrea… Du weißt schon wer…

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