„MONSTA“ von Dita Zipfel und Mateo Dineen – Ende der Angst

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Eltern kennen das. Schlaflose Nächte, weit aufgerissene Kinderaugen, zitternde Kids, Angstzustände, und Anflüge von Panik. Allabendlich der sich wiederholende Kampf um das ruhige Einschlafen. Händeringende Bitten, doch bitte das Licht anzulassen und ein paar Minuten später tapsende Schritte auf dem Flur, der hilfesuchende Blick und schier bodenlose Verzweiflung, wenn man das Kind zurück in sein Zimmer eskortiert. „Nur mit der Ruhe. Alles ist gut. Du brauchst doch keine Angst zu haben! Wir sind doch da. Jetzt schlaf ein!“ Es hat keinen Zweck. Beschwichtigungen verhallen ungehört und die Nacht endet im Ehebett der Eltern. Auf die Frage, was denn los sei, bekommt man immer nur eine Antwort:

„Da ist ein Monster in meinem Zimmer.“

Wir kennen das aus unserer Kindheit. Im Zwielicht mutiert schon der Schatten einer harmlosen Socke zu einem grauenhaften Ungeheuer und, wenn man sich konzentriert, beginnt sich dieser Schatten auch noch zu bewegen. Dazu kommen Geräusche, auf die man im Alter eines Kleinkindes nicht wechseln kann. Es knirscht, raschelt, rauscht und klappert. Das kann nur ein Monster sein, das in der Nacht seine Chance ergreift und im ganzen Kinderzimmer Angst und Schrecken verbreitet. In der Folge kann man nur noch kapitulieren, das Zimmer mittellfristig an Fremde untervermieten, ein kleines Vermögen für Monsterpulver ausgeben und den Sprössling dauerhaft im Schlafzimmer der Eltern einquartieren. Was tut man nicht alles, um ein behütetes Ambiente zu schaffen?

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Zumindest sind wir mit diesem Problem nicht alleine, da wir schon im Kindergarten von anderen Eltern erfahren, dass mit jedem einzelnen Kind auch ein Monster zur Welt gekommen sein muss, das sich zum ständigen Wegbegleiter des neuen Erdenbürgers entwickelt. Da haben wir auch schon den Salat. Wie können wir die nächsten 12 bis 20 Jahre überstehen, bis dieses Monster mit dem eigenen Nachwuchs das Haus verlässt, eine Lehre beginnt, heiratet und nie wieder auftaucht? Wann können wir unser Ehebett endlich wieder in trauter Zweisamkeit genießen? Wenn wir 50 sind? No way. Hier muss es doch Abhilfe geben. Ghostbuster, Monsterjäger oder eine kreative Idee, die nicht nur Kinder beruhigt, sondern auch Eltern befreit aufatmen lässt.

Versuchen wir es doch mit einem geistreichen und brillanten Trick. Versuchen wir es doch einfach mal mit einem Kinderbuch. Warum eigentlich nicht? Vielleicht liegt hier ein Hauch von Rettung in der Luft. (Solltet ihr allerdings den Gedanken an die lukrative Vermietung des Kinderzimmers sympathisch finden, dann lest bitte Vermieter-Ratgeber und verschwendet nicht eure Zeit mit diesem Artikel. Reich macht er euch nicht!) Also, wo waren wir? Ein Buch. Bestenfalls reich illustriert, gut verständlich, thematisch genau auf den Punkt, kunterbunt, lustig und beruhigend zugleich, sowie ein Allheilmittel gegen Panikattacken durch Monsterpräsenz. Gibt es nicht? Falsch. Gibt es! Glaubt mir.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

MONSTA“, geschrieben von Dita Zipfel und illustriert von Mateo Dineen, ist vom Tulipan Verlag als rezeptfreie Therapie für Monsterängste aller Art in Umlauf gebracht worden. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht bekannt (nun gut, das Buch ist ja auch gerade erst erschienen und Langzeitstudien stehen noch aus), der Erfolg liegt aber im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Die Idee hinter diesem Kinderbuch (um ganz ehrlich zu sein, es ist auch was für große Angsthasen) ist ebenso genial wie brillant. Es ist der Perspektivwechsel, den sich Autorin und Illustrator zu eigen machen, um unsere Welt ein wenig behüteter zu gestalten. Nicht ein einziges Kind kommt hier zu Wort. Wir werden nicht mit Ängsten konfrontiert, sondern eher mit dem Frust eines Monsters, das daran verzweifelt, dass sich niemand vor ihm fürchtet.

Jetzt ist „MONSTA“ nicht wirklich ein Kenner, wenn es darum geht, die Regeln der Rechtschreibung perfekt anzuwenden. Da ist der Wuschelkerl eher ein wenig schwach auf der Brust, was ihn in Kinderaugen nur noch sympathischer macht. Was gar nicht in seiner Absicht liegt. Dieses Buch ist seine Abrechnung mit den unerschrockenen Kids dieser Welt. Ja, wenn wir diesen lamentierenden Aufzählungen von MONSTA folgen ist es verständlich, warum der Frust so groß ist. Seine Zeilen an das „KINT“ (ich sag ja, es ist echt nicht seine Stärke) sind voller Vorwürfe und Verzweiflung. Dabei wirft MONSTA alles in die Waagschale des Erschreckens. Vergebens. Kint schläft. Kint fürchtet sich in keiner Weise, Kint schnarcht und grinst im Traum. Kint muss kaputt sein.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Der Plan von Dita Zipfel und Mateo Dineen geht auf. Wenn wir „MONSTA“ mit den kleinen Angsthasen in unserer Familie gemeinsam lesen und die lustigen Illustrationen betrachten, bleibt kein Hauch von Furcht mehr übrig. Viel mehr lachen wir herzhaft über ein MONSTA, das an seiner Kernkompetenz zweifelt und sich vorkommt, wie in einem schlechten Film. Der Plan ist so ausgereift, dass man einfach nur vor Freude jubilieren möchte. Denn MONSTA zieht nicht nur alle Register seines Könnens, es zieht auch die Konsequenzen aus dem Misserfolg. Wer sich nicht fürchtet, hat kein eigenes MONSTA verdient. Dieses Kinderbuch ist der monströse Abschiedsbrief eines zutiefst frustrierten MONSTAS an seinen Gastgeber. BASTA. Eine Kündigung. Wie genial.

Versucht es mit euren Kintern (sorry, ansteckend). Lasst euch auf „MONSTA“ ein und versucht euer Glück mit diesem Allheilmittel. Wer den Film „Monster AG“ liebt, ist hier genau richtig. Wer das Lachen gemeinsam feiern möchte ist hier genau richtig und wer wieder Herr des eigenen Schlafzimmers werden will, kommt gar nicht an MONSTA vorbei. Ich selbst werde einen Schritt weitergehen. Ich werde im Rahmen einer kleinen Feldstudie den Versuch wagen, ob MONSTA auch in einem Umfeld funktioniert, in dem fast ausschließlich Kinder leben. Das Kinderheim St. Alban wird bald von „MONSTA“ heimgesucht. Der Tulipan Verlag hat mich dazu dankenswerterweise nicht nur mit dem Buch ausgestattet, sondern sogar MONSTA-Poster und MONSTA-Postkarten für alle Kinder zur Verfügung gestellt. Ich werde von dieser MONSTAJAGD berichten. Darauf könnt ihr euch verlassen.

Monsta von Dita Zipfel und Mateo Dineen

Oder sollte man doch besser Die Wahrheit über Monster sagen? Ein Vergleich.

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling - AstroLibrium

Die Wahrheit über Monster von Tim Dowling

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