Das Lindauer Evangeliar und AstroLibrium

PaperBlanks – Lindau Evangelien

Jetzt ist er übergeschnappt! Ja, der Meinung dürft ihr gerne sein und doch schreibe ich heute über eines der bedeutendsten Evangeliare, das mir zeitlebens über den Weg gelaufen ist. Buchkunst. Das könnte vielleicht der Auslöser für diesen Artikel sein. Nein. Weit gefehlt. Auch, wenn dieses Evangeliar heute von unermesslichem Wert ist, weil es schon im Jahr 1901 für einen sechsstelligen Betrag seinen Besitzer wechselte. Nun gut, es ist diesen Preis auch wert, weil die verarbeiteten Edelsteine und Perlen aus heutiger Sicht fast unbezahlbar sind. Das sehr aufwendig mit Ornamenten verzierte Tatzenkreuz auf dem Rückdeckel dieses religiösen Artefaktes ist ein bedeutendes Kunstwerk seiner Zeit. Und nein. Keine Sorge, ich habe mich nicht in Unkosten gestürzt, um dieses Buch in meinen Besitz zu bringen.

Es ist das Design, das mich seit einigen Wochen fesselt. Und es ist die kleine aber feine Geschichte hinter der Geschichte, die mich dazu veranlasst, einen guten Tipp an euch weiterzugeben. Denn manchmal wird ein solches Design als Vorlage verwendet und begegnet uns in Buchhandlungen wieder. Manchmal können wir ihm einfach nicht widerstehen und gar nicht selten landen solche Prunkstücke für den kleinen Geldbeutel in unseren Bücherregalen. Hier nähern wir uns dem Punkt an, der langsam interessant werden sollte. Hier kommen wir zur Ursache für diese Zeilen und hier dürft ihr gerne die ein oder andere Notiz anfertigen. Ich garantiere euch, dass ihr nur fündig werden müsst und schon habt ihr eine kleine bibliophile Geldanlage in Händen.

PaperBlanks – Lindau Evangelien

Meine Leidenschaft für Notizbücher sollte inzwischen ebenso bekannt wie legendär zugleich sein. Ja, ich gestehe, ich habe da ein Problem. Ich kann sie einfach nicht links liegen lassen, sammle sie voller Herzblut, schreibe aber dann kein einziges Wort in sie hinein, weil sie mir dafür zu schade sind. Es gibt nur wenige Notizbücher, die ich jemals verwendet habe. Jeweils geprägt vom schlechten Gewissen, wie ich es nur tun konnte. Besonders ausgeprägt ist diese auffällige Verhaltensstörung bei Notizbüchern aus dem Hause PaperBlanks. Ledereinbände, besondere Metall-Verschlüsse, wertvolles Papier und Designs, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Nein. Die Hemmschwelle ist einfach entschieden zu hoch. Ich werde es wohl niemals übers Herz bringen, auch nur einen Buchstaben in ein solches Notizbuch zu schreiben. Ich würde sicher in der Hölle landen. Garantiert. Aber sammeln, kaufen und sie mir schenken lassen. Ja, das ist drin. Davor schrecke ich nicht zurück. Das habe ich echt im Griff. Das kann ich.

Eigentlich reichte es mir bisher aus, von den jeweiligen PaperBlanks-Designs ein einziges Format zu besitzen. Eigentlich. Aber! Als ich jedoch auf das Design Lindau Evangelien stieß war es mit dieser Zurückhaltung vorbei. Das großformatige Notizbuch zog bei mir ein, danach folgte das mittlere flexible Format mit Gummibändchen und ich war sofort auf der Suche nach einem Exemplar, das sich unter dem Begriff „Schlank“ ganz leicht finden lässt. Doch Pustekuchen. Weder auf der Homepage noch im Katalog von PaperBlanks war auch nur der Hauch einer Spur des kleinen Büchleins zu finden. Weg. Nicht mehr im Sortiment. Und das nach recht kurzer Zeit auf dem Markt. Auffällig waren dann auch noch Preisangaben in den üblichen Online-Portalen, auf denen man das Notizbuch inzwischen für die astronomische Summe von mehr als 60 Euro finden kann. Preissprünge bis hin zu 240 Euro sind bereits zu verzeichnen. Verwirrend.

PaperBlanks – Lindau Evangelien

Meine Recherche ergab, dass dieses Design nicht mehr reproduziert wird. Es kommt nach dem Abverkauf der letzten freien Exemplare im Handel ins Archiv des Herstellers und verschwindet damit von der Bildfläche. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Wenn dieses wahrlich außerordentliche Design jetzt noch vereinzelt zu finden ist, wird es unmittelbar nach seinem Aussterben die gleiche Preissteigerung erfahren, der gerade das kleinste Notizbuch der Reihe unterliegt. Das ist absehbar. Und solange die mittlere und größte Variante noch bestellbar sind, könnte man sie als kleine Wertanlage betrachten. Nur so eine Spekulation. Das „schlanke“ Notizbuch ist kaum noch zu finden. Man muss nur ein wenig Glück haben und entdeckt es tatsächlich noch im aktuellen Warenbestand der Herzensbuchhandlung vor Ort. Ich wurde fündig. Danach war es ausverkauft und nicht mehr nachbestellbar. Ich wusste es genau. Grund genug, nicht nur meine Leidenschaft, sondern auch einen guten Tipp für Jäger und Sammler mit euch zu teilen. Es lohnt sich.

PaperBlanks – Lindau Evangelien – Das magnetische Tatzenkreuz

Schaut euch dieses Design nur mal genau an. Das Tatzenkreuz auf dem Notizbuch vom Format XL dient mit einem seiner Kreuzarme zugleich als Magnetverschluss. Ich sitze oft mit diesen Notizbüchern (die gar keine sind) am Sekretär und betaste die reich verzierte Oberfläche. Geprägte florale Ornamente, Gold, Silber und Emaille sind brillant nachempfunden. Edelsteinstrukturen und die hochwertige Verarbeitung der Notizbücher machen sie zu einem für mich unverzichtbaren Bestandteil meiner Sammlung. Ebenso, wie das Lindauer Evangeliar bei Prozessionen den Gläubigen präsentiert und auf dem Altar ausgestellt wurde, so hat auch die Nachbildung einen Ehrenplatz im Reich meiner Notizbücher verdient.

PaperBlanks – Lindau Evangelien

Das originale Evangeliar kann man heute in der Pierpont Morgan Library in New York bestaunen. Eine weite Reise. Man kann sich allerdings auch einen Hauch dieses wundervollen Buchkunstwerks nach Hause holen und lebenslang bestaunen. An dieser Stelle danke ich ganz besonders „art+form – Dresdens Ladengalerie am Albertplatz“ und dem freundlichen Team hinter den Kulissen. Nur hier gelang es mir, das schlanke Notizbuch für meine Sammlung aufzutreiben. Es war das Letzte seiner Art und nun liegt es inmitten seiner größeren Notizbuchgeschwister auf meinem Sekretär. Vielleicht habe ich euch neugierig gemacht, vielleicht sogar euren bibliophilen Jagdinstinkt geweckt. Es kann ja sein, dass euch in den Buchhandlungen eures Vertrauens ein solches kleines Notizbuch-Kunstwerk mit Wertsteigerungspotenzial über den Weg läuft.

Es wäre fatal, es einfach unbeachtet dort zu lassen wo es auf Wegbegleiter wartet, die seinen Wert zu schätzen wissen. Ambiente ist immer eine Frage des Designs.

PaperBlanks – Lindau Evangelien – AstroLibrium