Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

„Die »Hoffnung« ist ein Federding.“ (Emily Dickinson)

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Gibt es Bücher, die Leben retten können? Lebensratgeber, Trostspender oder auch Auswegweiser? Gibt es Bücher, die ihren Leser aus einem Jammertal der Hilflosigkeit befreien können, weil sie einen Silberstreif am Horizont beschreiben, der lange Zeit im Verborgenen lag? Gibt es solche Bücher? Ich denke schon. Es bedarf eines Impulses von außen, um die eigene Sichtweise zu verändern. Es bedarf der Inspiration, um sich selbst wieder einzunorden, den eigenen Kompass fürs Leben zu finden. Dabei sind es aus meiner Sicht in den seltensten Fällen die schlanken Ratgeber für alle Lebenslagen, die uns überall begegnen. Es sind vielmehr Lebens- und Erfahrungsberichte von jenen Menschen, die aus eigenem und damit aus berufenem Munde von sich selbst erzählen.

Es sind Geschichten vom Rand des Abgrunds. Kurz vor dem freien Fall. Es sind die Geschichten von Menschen, die am eigenen Körper erfahren haben, was es heißt, eine Krise zu überstehen oder sich der Hoffnungslosigkeit zu stellen. Geschichten, die dazu veranlassen, die Perspektive zu wechseln und zu erkennen, dass es doch möglich sein kann, das Unmögliche zu schaffen. Geschichten, die mit Vorbehalten aufräumen und in aller Deutlichkeit Klartext reden. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, haben auch keine Worte zu verlieren. Sie investieren sie. Oftmals in uns.

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Penguin Bloom. Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete“ von Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive – Knaus Verlag – erzählt eine solche Geschichte. Es handelt sich um eine Geschichte, die uns alle angeht. Nicht nur weil wir selbst einmal betroffen sein könnten, sondern weil wir in unserem alltäglichen Leben Menschen begegnen, die froh und dankbar wären, wenn wir diese Geschichte einer kleinen australischen Elster kennen würden. Wie begegnen wir jemandem, der aus unserer Sicht an einen Rollstuhl gefesselt ist (was für ein Wort)? Wie gelingt es uns, die Hürde des Mitleids hinter uns zu lassen. Was wird vom Betroffenen als Hilfe wahrgenommen, was nur als Worthülse und was verschlimmert die Situation sogar, weil wir wieder unbewusst unbedacht handeln? Das kann uns nur jemand erzählen, der sich in der Situation befindet. Jemand, der sein Schicksal meistern konnte oder aus nächster Nähe miterleben durfte, welcher Wunder es manchmal bedarf, um ein Leben zu retten.

Hier ist es der Ehemann von Samantha Bloom, der die Geschichte seiner Familie erzählt. Sam, Cameron und die gemeinsamen Söhne Rueben, Noah und Oliver konnte man als perfekte und glückliche Familie mit einem wundervollen Leben betrachten. Die Eltern verliebt wie am ersten Tag und die drei Jungs im gemeinsamen Nest wachsen in einer zutiefst vertrauten und liebevollen Umgebung auf. Sport, Naturverbundenheit und Agilität zeichnen sie aus. Ein Urlaub in Thailand zerstört das Glück mit einem Sturz ins Bodenlose.

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Samantha stürzt von einem Aussichtsturm. Sechs Meter freier Fall. Ein morsches Geländer gab keinen Halt. Die Zeit blieb stehen. Die Folgen: Querschnittslähmung, der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, dauerhafte heftigste Kopfschmerzen und Schmerzen selbst in den gefühllosesten Körperregionen. Die Erkenntnis, nie wieder im Leben laufen zu können, traf Samantha wie ein Todesurteil. Aus dem Leben gerissen, aus der Familie gerissen, als Mutter wertlos zu sein, als hilfsbedürftiges Anhängsel das Glück der gesamten Familie zu beeinträchtigen. Das sind nur einige der Empfindungen, die Sam Bloom an den Rand der Selbstaufgabe brachten. An den Rand des Abgrunds. An den Rand der Selbstmordgedanken, obwohl ihr Mann und ihre Söhne alles versucht hatten, ihr liebevoll und behutsam Halt zu geben.

„Und dann kam Penguin zu uns.“

Als Sam Bloom aus ihrem Nest stürzte, fiel ein kleines australisches Elsterküken in das Nest der Blooms. Einer der Söhne fand das verletzte Vogelkind und brachte es ins Haus. Manchmal fallen Wunder vom Himmel. Manchmal tragen Engel Federn und brauchen selbst Hilfe. Manchmal ist es einfach unerklärlich, wie das Leben spielt. Doch manchmal muss man einfach auch Wunder annehmen und so tauften sie die Elster auf den Namen „Penguin“. Nicht viel später setzten sie den Familiennamen Bloom dazu, weil die drei Jungs jetzt ein gefiedertes kleines Schwesterchen hatten, das nicht nur ihr Leben verändern sollte.

Der Rest ist die Geschichte dieses Bildbandes. Penguin Bloom wurde nicht nur Teil der Familie. Die kleine Elster entwickelte sich zur besten Therapeutin für Samantha. Es ist ein Privileg, sich der Geschichte so unmittelbar nähern zu dürfen. Cameron Bloom hat das gemeinsame Leben in brillanten Bildern festgehalten. Penguin entwickelte sich zum Kitt, der die Familie zusammenhielt und vom Abgrund entfernte. Die Konzentration auf einen kleinen Vogel, der Hilfe brauchte, gab allem wieder einen Sinn. Und Penguin gab alles zurück. Die kleine verrückte Elster wurde zur Lebensgefährtin und Zuhörerin von Sam. Penguin Bloom verwandelte das Selbstmitleid einer Familie in eine Offensive des Glücks. Man richtete einen Instagram-Account für Penguin ein und wunderte sich über die unglaubliche Resonanz. Als sich die ersten Verleger meldeten, war es nur ein kleiner Schritt aus dem Leben heraus in ein Buch.

Der Profifotograf Cameron Bloom fand gemeinsam mit dem Autor Bradley Trevor Greive die passenden Worte zu den Bildern. Wobei die Philosophie des Instagram-Accounts nicht verändert wurde. Die Bilder erzählen nicht die Geschichte einer kranken Frau. Sie stehen für Penguin Bloom und die Lebensfreude, die dieser Vogel ins Haus brachte. Die Worte neben den Bildern verbinden beide Geschichten zu einem Bild, das unvergessen bleibt. Dieses Buch ist beschwingt und fröhlich, es ist zutiefst traurig und offen. Es ist hoffnungsvoll und wirkt wie ein tatsächlich greifbarer Silberstreif an einem Horizont, der zuvor wolkenverhangen war.

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Das Ende gehört Samantha Bloom. Sie wendet sich in einem bemerkenswerten Brief an alle Menschen, die ihr Schicksal teilen. Sie wendet sich an alle Menschen, die zum Umfeld von Betroffenen gehören. Sie spricht ungeschönt über ihre Ängste, ihre Scham, den Ekel vor sich selbst, den Hass gegenüber Menschen, denen es besser geht und in letzter Konsequenz über die wenigen Wege, die uns bleiben, Menschen wirklich helfen zu können, die durch ihre Querschnittslähmung aus dem Querschnitt des Lebens fallen.

Die wahre Geschichte endet nicht mit dem Buch. Die wahre Geschichte ist auch die Geschichte des Loslassens. Wir können weiter daran teilhaben, wenn wir dem Account von Penguin Bloompenguinthemagpie“ auf Instagram folgen. Die Blooms leben bei Sidney an einem Traumstrand. Samantha Bloom hat das Kajakfahren für sich entdeckt. Penguin Bloom verschwand, nachdem ihre Aufgabe erfüllt war, aber

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete

Zehn Prozent der Erlöse aus dem Verkauf des Buches gehen an Organisationen wie Wings for Life, die sich der Erforschung von Rückenmarksverletzungen und der Suche nach Heilmethoden verschrieben haben. Diese Rezension kann man auch hören!

Penguin Bloom – Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete – Die Rezension fürs Ohr