„Unendlicher Spaß“ – Ein Lebenstraum wird hörbar wahr

Unendlicher Spaß – Das größte Hörspielprojekt aller Zeiten

Dieser Artikel sei mir bitte bereits verziehen, bevor er geschrieben wurde, dient er doch hauptsächlich der Beweihräucherung meines eigenen Egos. Selten kommt es vor, dass ich mich bei Rezensionen oder Buchvorstellungen in den Mittelpunkt stelle, jedoch hier gestehe ich, ich kann nicht anders. Wenn ein Lebenstraum real wird, der nur mir im tiefsten Inneren das Gefühl verleiht am Ziel angelangt zu sein, dann sei es gestattet darüber zu schreiben. Besonders, wenn es sich um die rein literarische Traumerfüllung eines leidenschaftlichen Liebhabers handelt.

David Foster Wallace als einen meiner Lebensautoren vorzustellen oder seine Bücher als meine Seelenbücher zu präsentieren, gleicht an dieser Stelle dem sprichwörtlichen Tragen gefiederter Nachtvögel in die griechische Hauptstadt. Freunde von AstroLibrium wissen seit vielen Jahren, was mich antreibt, bewegt, erschüttert, begeistert und immer wieder emotional in die Tiefe meines Geistes abtauchen lässt, wenn ich von David und seinen Büchern schreibe oder spreche. Man weiß inzwischen allzu gut, wie lange mich der „Unendliche Spaß“ beschäftigt hat, wie viele Bücher ich nicht lesen konnte, weil ich mich fast drei Monate in einen weißen Klotz verabschiedete, der mich nie wieder ganz ins freie Lesen entlassen hat. Wer dies wirklich alles nachlesen möchte, der möge bitte den unten angefügten Links folgen, die diesen Lebensweg flankieren.

Unendlicher Spaß – Das größte Hörspielprojekt aller Zeiten

Doch was bleibt am Ende des Lesens? Was bleibt von mir nach dem letzten Satz im letzten Kapitel eines Buches, das er gerade noch schrieb, als er beschloss, freiwillig in den Tod zu gehen? Bleiben nur die Bücher in meinem Foster-Wallace-Regal? Bleiben nur die Artikel, die ich schrieb? War ich wirklich Teil eines Lebensweges oder habe ich nur passiv konsumiert? Wo war ich aktiv? Wo habe ich Spuren hinterlassen? Fragen, in die ich oftmals tief versank, ohne sie zufriedenstellend beantworten zu können. Warum ich dies so ausführlich beschreibe? Weil ich eine Antwort fand, einen Ausweg, der nicht nur in der Welt des Internets Spuren hinterlässt, sondern greifbar zeigt, dass ich David Foster Wallace nicht nur passiv meinen Tribut gezollt habe.

Und dabei begann es doch im Internet. Ich entdeckte das größte Hörbuchprojekt für Fans der Bücher von David Foster Wallace eher zufällig und war sofort begeistert. Das OnlineAudioProjekt von WDR3, Bayern 2, Deutschlandfunk und Kiepenheuer und Witsch basierte auf der Idee, selbst Teil vom „Unendlichen Spaß“ werden zu können. Man durfte sich eine Seite dieses Romans reservieren, um diese dann wie ein normaler Hörbuchsprecher einzulesen. Und schon war man dabei. Das Besondere des Projektes war die Realisierung eines Wunschtraums von David Foster Wallace. Er hat sich für die Hintergrunduntermalung immer eine „Goldene Maschine“ vorgestellt, die rund um die Uhr Musik komponiert. Und genau so ist der musikalische Background entstanden. So wird „Der Unendliche Spaß“ mit der „unendlichen Komposition“ zum „unendlichen Spiel“.

Unendlicher Spaß – Das größte Hörspielprojekt aller Zeiten

Ich bin doppelt dabei. Zwei Seiten habe ich eingelesen. James Incadenzas Vortrag über ein skurriles Tennisspiel unter Aufsicht seiner Mutter und mit aufgeschürftem Knie; Seite 243. Das Tennisspiel mit Schürfeffekt kann man hier hören: Kapitel/Szene 1550. Diese Szene dauert fast eine Stunde und ich bin ab Minute 53,48 zu hören. Die zweite Passage handelt von Orin unter einem umgedrehten Glas; Seite 1396. Für alle Welt hörbar in Kapitel/Szene 28188. Soweit, so gut, könnte man vielleicht meinen, doch was nach Abschluss des Online-Projektes im Hause Der Hörverlag geschah, hätte ich nicht erwartet. Das gesamte so entstandene Hörspiel wurde tatsächlich auf CDs gepresst, in einer hochwertigen Edition veröffentlicht und ist jetzt greifbar. Antastbar.

Nun steht der Schuber mit seinen 10 CDs vor mir. Als Gold-Auflage könnte man es bezeichnen, was hier greifbar das Licht der Hörbuchwelt erblickt hat. 80 Stunden eines unendlichen Spaßes wurden hier auf einen Schlag veröffentlicht. 1400 Seiten mit 1400 Sprechern in einer goldenen Kassette mit einem Booklet, in dem das gesamte Projekt beschrieben ist und alle Sprecher namentlich Erwähnung finden. Es ist vollbracht. Hier schlägt mein Ego Purzelbäume des Stolzes, Pläne für eine eigene Lesereise entstehen und Signierstunden spielen sich in meinem Kopf ab. Nicht nur in der Welt des Digitalen. Nein. Diesmal ganz in echt steht ein Werk von David Foster Wallace vor mir, das mein ganzes Lesen verändert hat. Darf ich das für mich feiern? Darf ich es zelebrieren, auch wenn dieses Hörspiel sicher nicht für jeden Hörer geeignet erscheint? Ich denke schon, denn das hat diese Produktion mit dem Buch gemeinsam. Es ist für Liebhaber verfasst. Es taugt nicht für den Mainstreamgeschmack. Es ist eigen. Das macht es für mich aus.

Und jetzt her mit dem Deutschen Hörbuchpreis 😉

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