„Die Schöne und das Biest“ – Ein Klassiker im neuen Ballkleid

Die Schöne und das Biest

Die hässlichsten Männer finden die schönsten Frauen! Ist doch so, oder? Also nicht bei mir, um es mal ganz bescheiden auszudrücken. Ich sehe einfach zu gut aus, und es liegt auf der Hand, dass der literarische Sternwärter und seine Sternwärterin eine große Ausnahme von der Regel sind. Aber Spaß beiseite, denn was sollte Spaß mit Literatur gemeinsam haben? Echt jetzt! Kommen wir zurück zum Wesentlichen. Die dümmsten Bauern haben – Nein, das war es nicht. Die hässlichsten Männer haben die schönsten Frauen. Ist so. Und die Literatur ist nicht ganz unschuldig an diesem ungeschriebenen Gesetz. Ein Beispiel gefällig?

Die Schöne und das Biest von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve geistert seit dem Jahr 1740 als neu aufbereitetes französisches Volksmärchen durch die Gazetten, bevor die Geschichte als Jugendbuchklassiker Fuß fasste und seinen Siegeszug in der Welt der Literatur antrat. Unzählige Male wurde der ursprüngliche Stoff adaptiert, verändert, verkürzt, illustriert und sowohl in Theaterfassungen, Musicals und Verfilmungen auf der ganzen Welt bekannt. Nicht zuletzt Walt Disney hat dafür gesorgt, dass die Geschichte unsterblich wurde.

Die Schöne und das Biest

Viele Abwandlungen der Geschichte haben sich heute in Wohlgefallen aufgelöst. Geblieben sind eigentlich nur zentrale Elemente der Geschichte, die Rahmenidee und die beiden Protagonisten, die jedoch auch im Wandel der Zeit einen eigenen Wandel durchlebt haben. So hatte das Biest, wie wir es von Walt Disney kennen, in der Version von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve einen elefantenartigen Rüssel. Kaum vorstellbar heute. Oder? Jedenfalls ist es aus heutiger Sicht extrem spannend, sich die Urform der Geschichte genauer anzusehen, um den Disney-Extrakt besser einordnen zu können.

Die Schöne und das Biest in der prachtvollen und interaktiven Ausgabe aus dem Coppenrath Verlag bietet hier einen Einstieg, der nicht geeigneter sein könnte. Hier liest man erstmals in einem verspielten und handwerklich einzigartigen Buchkunstwerk die komplexe Geschichte eines Mädchens, das ebenso sehr unter der Tatsache leidet, die Gefangene im Schloss eines Biests zu sein, wie unter der Eifersucht ihrer Schwestern, die sie um den prunkvollen goldenen Käfig beneiden. Erstmals tauchen hier schon die zentralen Erzählelemente auf, die wir in unserer Wahrnehmung der Geschichte mit der Erzählung verbinden. Die Rose als Zeichen vergänglicher Liebe, der Prinz im Gewand eines verwunschenen Monsters und der allgegenwärtige Prunk eines Schlosses, das zu leben scheint. Nur Belle sieht nur das Äußere und nimmt den Schein wahr. Die innere Schönheit des Monsters erkennt sie erst, als es fast zu spät ist.

Die Schöne und das Biest

Gabrielle-Suzanne de Villeneuve ebnet den Weg für eine absolute Erfolgsgeschichte der Weltliteratur. Die Botschaft der Geschichte trägt bis in unsere Zeit und verfehlt ihren durchaus pädagogischen Wert nicht. Das äußere Erscheinungsbild zeigt nie das wahre Wesen eines Gegenübers und Liebe kann abseits der tradierten Vorstellungen von der Macht der Schönheit entstehen, wenn sie aufrichtig und tief ist. Diese Botschaft wird im vorliegenden Buch, nach der Originalausgabe von Harper Collins, illustriert und animiert von dem legendären Künstler-Duo MINALIMA, nicht nur spielerisch transportiert. Hier wird Jugendliteratur zelebriert und vergleichbar zur ebenso grandiosen Prachtausgabe von Peter Pan nicht nur zum Kunstobjekt erhoben, sondern alltagstauglich präsentiert.

Gerade für junge Menschen ist es eine Herausforderung, vom Original auf die neue Welt von „Die Schöne und das Biest“ zu schließen. Hierbei zu erkennen, was von der eigentlichen Geschichte übriggeblieben ist, zeigt deutlich, wie sich Literatur wandelt. Es ist eine Entwicklung, die auch Peter Pan, Das Dschungelbuch und andere Werke der Weltliteratur durchlebt haben, bis sie ihre heutige Gestalt annehmen konnten. Hier wird aus einem Buch ein Erlebnis. Die hochwertigen Inlays versprühen den Luxus und auch die tiefe romantische Verspieltheit, die für „Die Schöne und das Biest“ charakteristisch sind. Ein Gesamtkunstwerk, das auf dem deutschen Buchmarkt seinesgleichen sucht.

Die Schöne und das Biest

Wenn man sich nun ausgehend vom Originalwerk auf die ganz persönliche Reise zur aktuellen Verfilmung von Walt Disney macht, so erkennt man die signifikanten Unterschiede und Evolutionsschritte eines ehemals komplex angelegten Märchens bis hin zum inhaltlich verknappten Musical, dem jedoch noch immer ein ganz eigener und unverfälschter Charme innewohnt. Allein Emma Watson in der Hauptrolle der Belle ist es wert, sich ins Kino zu begeben und sich verzaubern zu lassen. Die Geschichte wird nun gespielt, gesungen, getanzt, inszeniert und ist mit Computertechnik verfeinert, die Maßstäbe setzt. Und doch bleibt sich Walt Disney mit dieser Adaption treu, indem man den Zauber des eigenen Zeichentrickfilms aus dem Jahr 1991 in einen realen Film mit echten Schauspielern transportierte. Das Erfolgsrezept geht scheinbar auf. Obwohl die Geschichte nicht mehr taufrisch ist, konnte sich der Film erfolgreich platzieren. Herzen und Emotionen spielen angesichts der Brillanz dieser Verfilmung immer noch verrückt.

Wer sich im Film in Emma Watson verliebt hat, der kann auch bedenkenlos zum neuen Hörbuch „Die Schöne und das Biestaus dem Hause Der Hörverlag greifen. Hier verbreitet die Synchronsprecherin von Emma Watson, die wundervolle Gabrielle Pietermann (auch bekannt als die Stimme von Daenerys Targaryen aus der epischen Serie Game of Thrones) ihre ganz eigene Stimmung und knüpft in jeder Beziehung an den Film an. Hier kann sie sich sogar noch mehr ausleben, da sie der Geschichte auch als Erzählerin ganz besondere Tiefe verleiht.  Diese neue Produktion hat sich auf ihren beiden CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 1 Stunde und 41 Minuten tief eingebrannt.

Die Schöne und das Biest

Was für ein Ausflug in die Welt der Jugendbuchklassiker. Originale Buchvorlage, Neuverfilmung und Hörbuchadaption der modernen Fassung ergeben auf diese Weise das Kaleidoskop einer Geschichte, die ihre Leser schon seit einigen hundert Jahren zu verzaubern weiß. Ein Ausflug, der gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen sehr viel Spaß macht, weil man auf diesem Wege verstehen lernt, wie sehr sich Geschichten im Lauf der Zeit verändern. Am Beispiel einer Rose ist es nur die innere Blüte, die alle Zeit überdauert, während sich das schmückende Beiwerk dramatisch verändert. Die große Erkenntnis am Ende dieses literarischen Ausfluges lautet, dass die zentrale Botschaft von „Die Schöne und das Biest“ überlebt hat und zeitlos gültig ist.

Wahre Schönheit kommt von innen.

Was wird aus unseren großen Geschichten in ein paar hundert Jahren? Bleibt von Harry Potter nur ein verknapptes Musical im Gedächtnis, werden unsere Klassiker von heute in der Verknappung reizvoller, seichter, besser zugänglich? Bleiben Botschaften erhalten und was denken junge Menschen in zweihundert Jahren, wenn sie Eulenpost bekommen und den Namen Voldemort hören? Schön wäre es jedenfalls, wenn nicht in Vergessenheit geraten würde, womit wir literarisch aufgewachsen sind.

Peter Pan – Die Schöne und das Biest – Das Dschungelbuch… Coming soon…

Hier geht es schon im Juni weiter. Ein Kinderbuch, das nie als solches gedacht war entführt uns zu einer Geschichte, die sich auch bei uns nur noch in ihrer simplifizierten Form festgesetzt hat. „Versuch`s mal mit Gemütlichkeit.“ Ich wage ein Tänzchen mit dem „Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling. Auch hier liefert der Coppenrath Verlag die Steilvorlage für eine Expedition in die Vergangenheit der Jugendliteratur. Vielleicht habt ihr Lust mir dann zu folgen…

Advertisements

4 Gedanken zu „„Die Schöne und das Biest“ – Ein Klassiker im neuen Ballkleid

  1. Diese Bücher sind für mich ganz besondere Kunstwerke. Ich habe eine ganz persönliche Beziehung zu dieser Geschichte, von der ich berichten werde.
    Deine Darstellung mit der Verknüpfung von neu und alt ist wie immer gelungen!

  2. Pingback: Peter Pan und die verlorenen Jungs – Auf nach Nimmerland | AstroLibrium

  3. Pingback: {Rezension} Die Schöne und das Biest von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve | Bella's Wonderworld

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s