Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

Eigentlich lautete diese Zeile im Gedicht von Gertrude Stein Sacred Emiliy in der ursprünglichen Fassung „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“. Wiederholungen waren das beherrschende Stilmittel der umstrittenen Dichterin. Interpretationen blieben auch Generationen von Literaturwissenschaftlern meist verwehrt, weil ihre Texte viel zu kryptisch waren, um in ihrer wahren Bedeutung erschlossen zu werden. Wahrscheinlich schrieb sie über sich selbst und meinte, dass eine Künstlerin in allen Jahreszeiten ihres Schaffens immer eine Künstlerin bleibt. So, wie eine Rose immer eine Rose bleibt, egal ob sie blüht oder gerade verwelkt.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse.

Vielleicht hätte Gertrude Stein diesen semantischen Vergleich zugelassen. Es war an der Tagesordnung, dass man ihre Stilmittel überzeichnete und versuchte, Gertrude Stein damit ins Lächerliche zu ziehen. Selbst Ernest Hemingway widmete ihr ein Buch mit folgender Zeile: „A bitch is a bitch is a bitch.“ Womit er im Vergleich mit anderen netten Zeitgenossen nur einen von vielen Wirkungstreffern unter der Gürtellinie erzielte. So hatte selbst der Verleger A.C. Fields die Veröffentlichung ihrer Texte abgelehnt und eine Absage formuliert, in der er sich der repetitiven Wortkunst der Dichterin bediente:

„Nur ein Blick, nur ein Blick genügt. Kaum ein Exemplar ließe sich hier verkaufen. Kaum eins. Kaum eins.“

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

Und doch kann ich nicht widerstehen meine Abwandlung ihrer Worte in Anspruch zu nehmen und auf meine Buchmesse-Besuche anzuwenden. Eine Buchmesse bleibt eine Buchmesse, egal wie sehr sich das Leben rund um die Messehallen verändert. Egal, ob die Branche blüht oder der Buchmarkt das Gefühl vermittelt nur noch das Schicksal von darbenden Mauerblümchen zu teilen. Buchmessen blühen am ersten Tag, sie blühen in aller Pracht am zweiten und dritten Tag und man riecht den Duft der literarischen Blüten noch lange, nachdem sie ihre Tore schon geschlossen haben.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse.

Dies trifft ganz besonders auf die Leipziger Buchmesse zu, da gerade dieses Event in den letzten Jahren deutlich gespürt hat, woher der Marktwind weht. Einzelne Verlage verzichten auf ihre Präsenz vor Ort, die Messehallen vermitteln von Jahr zu Jahr einen luftigeren Eindruck, was an fehlenden Ausstellern liegen mag. Und doch bleibt Leipzig Leipzig, wie es liest und lacht. Der Publikumsansturm ist ungebrochen und die ganze Stadt steht unter dem Zeichen des guten Lesens, während man in Frankfurt nur an den sinnlos überteuerten Hotelpreisen merkt, dass der Buchzirkus in der Stadt ist.

Leipzig tickt anders. Die Messe ist in sich familiärer und bietet einige Vorteile, die hier für ein besonderes Ambiente sorgen und beim Besucher das Gefühl vermitteln, sich wie zu Hause fühlen zu können. Gerade Blogger kennen und lieben diese Unterschiede. So beginnt der Tag für viele von uns im Pressezentrum bei kostenlosem Kaffee und in entspannter Atmosphäre bei besten Arbeitsmöglichkeiten. Man ist willkommen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in Leipzig, das sich in der etablierten Bloggerlounge direkt fortsetzt. Hier hat, hier sucht und hier findet man seine Messeheimat. Ein Privileg!

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

Und so wird sie auch jetzt die Buchmesse sein, die wir erwarten und erhoffen. Sie wartet mit allen Neuerscheinungen der letzten Zeit auf, bietet einen Ausblick auf einen wundervollen Lesesommer und schlägt die Brücke zu ihrer großen Schwestermesse in Frankfurt. Der Verzicht auf reine Fachbesuchertage, die Entspannung der Atmosphäre durch die Möglichkeit, seine Buchwünsche in den Messebuchhandlungen realisieren zu können und die Verlage mit ihren vielfältigen Programmangeboten von Lesungen bis zu Bloggertreffen, sind hier wohl die deutlichsten Unterschiede in der Positionierung einer Messe, weil hier im Kongresszentrum (CCL) eben auch Raum vorhanden ist.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse.

Mit diesen Gedanken im Kopf und Messegefühlen im Herzen bin ich nun wieder auf der Suche nach meinem Lesen für die nächsten Monate. Könnte man nicht einfach die Kataloge der Neuerscheinungen wälzen und dann aussuchen, welche Bücher man zu seinen Wegbegleitern macht? Wäre das nicht einfacher und insgesamt auch günstiger, da ja auch die Verlage immer mehr einsparen und ein Messebesuch für Blogger allein schon aufgrund der Unterkunftskosten ein gewaltiges Loch ins Jahresbudget reißt? Ich muss das für mich verneinen. Meine Entdeckungsreisen durch die Messehallen haben mich zu Themen, Büchern und Strömungen geführt, die ich sonst nicht entdeckt hätte.

Ein paar Beispiele gefällig? Gerne. Ohne den Besuch von Buchmessen hätte ich nie die Spur von Peter Pan aufgenommen und die bibliophile Ausgabe entdeckt, mit der uns der Coppenrath Verlag in diesen Tagen ins Staunen versetzt. Erst mein Pressetalk am Verlagsstand machte mich darauf aufmerksam und schon entstand die Idee, nicht nur dieses Buchkunstwerk zu reflektieren, sondern die Relevanz von Peter Pan in einer ganzen Artikelserie blogübergreifend in Angriff zu nehmen.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

Wenn man meinen Artikel zu „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ aufmerksam liest, ist es auch hier augenfällig, wie tief die Lesesamen bei einer Buchmesse ausgesät und im allerbesten Sinne zur Blüte gebracht werden. Dass Zelda Fitzgerald eine Bücherkette nach sich zieht die es in sich hat, liegt da nur auf der Hand. Im April erscheint „Und alle benehmen sich danebenbei dtv. Ernest Hemingway in Paris, die Entstehung seines Welterfolges „Fiesta“ und die Menschen in seinem Umfeld stehen hier im Mittelpunkt. Ich könnte schon jetzt darauf wetten, dass wir neben Ernest und Zelda Fitzgerald mit ihrem berühmten Ehemann Scott F. auch noch die oben erwähnte Gertrude persönlich treffen werden. Wie lautete noch die Widmung für sie? Echt, da haben sich einige ganz schön daneben benommen.

Auch die nie verschickten Briefe von Emily Trunko „Ich wollte nur, dass du noch weißt wären mir wohl entgangen, wenn ich nicht rechtzeitig mit der bibliophilen Nase darauf gestoßen worden wäre. Nur diesen guten Tipps und der langen Vorbereitung ist es zu verdanken, dass auch immer wieder Bücher für Aktionen bereitstehen, die gerne an die Freunde der kleinen literarischen Sternwarte weitergegeben werden. Ihr seht, es sind genau diese Spuren, denen ich auch in diesem Jahr in Leipzig folgen will. Ich bin ergebnisoffen und ohne klare Erwartungen. Ich weiß nur, dass es keine Zufälle gibt und ich bin mir sicher, dass ich in den Weiten der Messehallen in Staunen versetzt werde.

Besonders freue ich mich allerdings schon jetzt auf Jane Austen. Sie wird diesem Jahr ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken und in vielen Verlagen erscheinen Bücher zum 200. Todestag der großen Autorin am 18. Juli. Eine kleine Vorauswahl hat mich ja schon erreicht, aber ich weiß schon jetzt, dass ich bei Manesse und Reclam auf neue Ausgaben stoßen werde, die mein Lesen in absolut klassischer Hinsicht bereichern. Es wird ein Fest fürs Lesen, farbenfroh, inhaltsreich und mehr als unterhaltsam. Folgt mir einfach auf meinen Wegen und lasst euch überraschen, was die warmen Jahreszeiten für uns bereithalten.

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

Das wahre Salz in der Buchstabensuppe einer Buchmesse sind allerdings unsere Begegnungen. Ob bei Bloggertreffen, im kleinen familiären Kreis oder ganz zufällig. Es ist Messezeit und damit auch die Zeit für einen regen Austausch, engen Dialog und das übliche Klatschen und Tratschen, ohne das die Bücherwelt nicht existieren kann. Es ist schon jetzt klar, dass diese Treffen erneut zu den Highlights gehören werden. Auch die größte Online-Community des Bücherkosmos „LovelyBooks“ wird in Leipzig präsent sein und neben einem „Leser- und Bloggertreffen“ wieder in ein kleines Wohnzimmer des guten Lesens einladen (Halle 5 D 410). Ebenso kann man Literatur Radio Bayern in Halle 5 E 400a am Stand des Freien Deutschen Autorenverbandes besuchen.

Und nun geht´s los in den Messetrubel. Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse und wer nicht liest, der nicht gewinnt. Wir sehen uns…

Eine Buchmesse ist eine Buchmesse – Leipzig 2017

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6 Gedanken zu „Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse.

  1. Lieber Arndt,

    mit diesem schönen Artikel machst du mich definitiv noch neugieriger auf die Leipziger Buchmesse als ich nicht schon bin! Voller Erwartungen werde ich am Fr. und Sa. das erste Mal über die Leipziger Messe tingeln und mir endlich selbst ein Bild machen können was den Unterschied zwischen Frankfurt und Leipzig betrifft.

    Ich freue mich genau wie du auf das Austen Jahr! Ich möchte nur kurz erwähnen – es handelt sich schon um den 200. Todestag 😉

    Liebe Grüße
    Bella

    P. S.: Viel Spaß im Bücherzirkus und auf viele neue tolle Eindrücke!

  2. Schöner Beitrag, warum Buchmessen für uns Büchermenschen so wertvoll sind (trotz all der kleinen Unannehmlichkeiten, die sie auch bereiten ;)). Auch deine Einschätzung der Unterschiede teile ich weitgehend. Allerdings hat sich in Frankfurt in den letzten Jahren mit den Open Books doch einiges getan. Auch am Abend wird die Stadt von Literatur (zumindest ein klein wenig) beherrscht. Was du als wichtigen Punkt angesprochen hast, stimmt ganz sicher auch: Frankfurt hat einfach kaum Platz für Veranstaltungen abseits des Big Business. Schafft aber auch keine. Stattdessen wird Platz für einen Business Club geschaffen, den man nur mit VIP Ticket für ab knapp 500 Euro betreten darf. Man setzt da Prioritäten. Ich bin seit Jahrzehnten Frankfurt Besucher, aber da sind mir die Familien- und Musiktage in Leipzig auch etwas näher 😉 Viel Spaß auf der Messe. Herzliche Grüße, Petra

    • Der Eindruck wurde erneut bestätigt und die Unterschiede liegen mehr denn je auf der Hand. Die Präsenz der Frankfurter Messe war nur am Stand „Freundeskreis“ zu spüren, wo man sich in den VIP-Status einkaufen konnte. Traurig.

      Das Programm in der Stadt fächert in Frankfurt auch aus, aber es ist nicht vergleichbar mit Leipzig, da Frankfurt siese Messe nicht lebt. Leipzig ist buchmesse – auf allen Plätzen…

      Herzliche Grüße

      Arndt

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