Ich wollte nur, dass du noch weißt – Nie verschickte Briefe

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Zugegeben. Ich bin ziemlich durcheinander und es ist nicht leicht, richtige Worte zu finden. Zugegeben. Ich habe mich einem Buch geöffnet, wohl wissend, dass es mich in den Grundfesten meiner Gefühlswelten erschüttern wird, da es eine Ebene berührt, die ich nicht mit einer besonders widerstandsfähigen Schutzschicht überzogen habe. Mein Herz hat mich schon auf der Frankfurter Buchmesse vorgewarnt und nun, nachdem ich Ich wollte nur, dass du noch weißt gelesen habe weiß ich, dass es Recht hatte. Ich bin tief gefallen, habe mich verletzt und eine Melancholie aufgesaugt, die ich früher nur als „Lachenweinen“ empfunden habe. (Weiterhören hier… weiterlesen, scrollen)

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko – Nie verschickte Briefe

Zugegeben. Es ist etwas Großes, was hier aus einer kleinen Idee entstand. Selbst die sechzehnjährige Bloggerin Emily Trunko konnte nicht ahnen, welche Wellenberge sie auslösen würde, als sie ihren Tumblr-BlogDear My Blank“ ins Leben rief, um ihre nie verschickten Briefe zu veröffentlichen. Und davon hatte sie eine ganze Menge. Sie hatten sich in einem Notizblock angesammelt und richteten sich an Menschen, die auf die eine oder andere Weise Einfluss auf das Leben der jungen Frau genommen hatten.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko – Dear My Blank – Der Blog

In diesen nie verschickten Briefen konnte Emily ihren Gefühlen freien Lauf lassen und Gedanken zu Papier bringen, die nur unter der Voraussetzung ihren Weg ans Licht fanden, weil die Adressaten die an sie gerichteten Zeilen ganz bestimmt niemals lesen würden. Diese Texte waren ihr so wichtig, dass sie einfach damit begann, sie auf „Dear My Blank“ zu veröffentlichen. Ihre Erwartungshaltung war nicht sonderlich groß:

„Zuerst war ich nur neugierig, ob andere Leute vielleicht genau dasselbe machen, wie ich.“

Zugegeben. Ja, Emily. Ich mache das auch, wäre aber nicht auf die Idee gekommen, sie zu veröffentlichen, da ich befürchtet hätte, dass sie ihren Zauber verlieren oder dass sie vielleicht doch von den Menschen gelesen würden, die sie auf gar keinen Fall lesen sollten. Mir hätte der Mut gefehlt und er fehlt mir noch heute. Was aber aus der kleinen Idee der amerikanischen Bloggerin wurde, ist eine kleine Internet-Sensation. Ihre Leser haben anders reagiert, als erwartet. Tausende von Menschen schickten ihr Nachrichten mit nie verschickten Briefen, versehen mit der Bitte, sie anonym zu veröffentlichen.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Dreißigtausend dieser höchst persönlichen Beiträge hat sie bisher gepostet. Und täglich kommen neue unverschickte Briefe hinzu. Als auch die Medien auf diese starke Resonanz aufmerksam wurden, war die Welle nicht mehr zu stoppen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis einige der schönsten Briefe in wundervoller Aufmachung, zum Teil illustriert und in wundervollem Handlettering das Licht der Welt als Buch erblicken. Ich wollte nur, dass du noch weißt – Nie verschickte Briefe“ von Emily Trunko ist jetzt im Loewe Verlag erschienen und vermittelt einen Eindruck von der Emotionalität, die all diese Texte miteinander verbindet.

Und genau hier sind wir an dem Punkt angelangt, der dieses Buch für mich zu einer der interessantesten Neuerscheinungen des Jahres macht. Man wird über dieses Buch reden wollen. Man wird sich austauschen, Gemeinsamkeiten im Lesen ausloten und es immer wieder mit dem eigenen Leben verbinden. Denn wer hat sie nicht im Giftschrank seiner Gefühlswelten? Diese nie verschickten Briefe, Nachrichten oder SMS, in die man sein ganzes Herzblut legte, sich seinen Weltschmerz von der Seele schrieb, Hoffnung und Verzweiflung zu Papier brachte und sie dann im entscheidenden Moment doch für immer und ewig unter Verschluss hielt.

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

Und doch ist da immer dieses irrationale Gefühl, sein Gegenüber erreicht zu haben, ohne die Zeilen jemals auf den Weg zu bringen. Ob Liebeserklärung oder das genaue Gegenteil, ob Dank, Kriegserklärung oder Rechtfertigung, ob Geheimnisvolles oder zu Vertrauliches, alles hat seinen Platz in diesen Nachrichten, die das Licht der Welt nicht erblicken sollen. Allzu verlockend war es für die Leser von Emily Trunko, dem Angebot der Geburtshelferin dieser ungelesenen Gedanken zu folgen und nie verschickte Briefe anonym ins Netz zu stellen.

Zu tief und aufrichtig waren die Gedanken, als dass sie für immer verborgen bleiben sollten. Zu intensiv war die Zeit, in der sie entstanden und zu offen blieb die Tür, die es doch irgendwann zu schließen galt. Für die meisten Leser war die Veröffentlichung der eigenen Zeilen der wichtigste Schritt in der Verarbeitung der offenen Fragen im Leben. Das Buch sortiert die Beiträge in kleine, in sich geschlossene Themenkreise. Man kann sich ja vorstellen, wie sie heißen. Liebe, Freunde, Familie, Verrat, unerwiderte Liebe, Verlust, Herzschmerz, Danke und Briefe an sich selbst… „Liebes Ich…“

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko – Verlust

Jeder einzelne Text ist eine menschliche Offenbarung. Auch, wenn man nichts über die Hintergründe der einzelnen Nachrichten erfährt, so sind sie doch in der emotionalen Aussagekraft in sich selbstverständlich und nachvollziehbar. Sie inspirieren und ziehen ihre Kreise in den eigenen Gedanken. Viele dieser bewegenden Nachrichten stehen für ein ganzes Leben. Oftmals auch für eines, das nicht weitergelebt werden konnte. Kann man gefühllos über diese Zeilen hinweggehen? Sicher nicht. Ich suchte meine eigenen nie verschickten Briefe und bin froh, sie in der jeweiligen Situation ganz allein für mich niedergeschrieben zu haben. Und doch wächst die Versuchung, den Blog von Emily zu besuchen, denn wer weiß… vielleicht…

Einer der emotional bewegendsten Beiträge ist sehr kurz. Es sind nur zwölf Wörter, die eine ganze Geschichte zu erzählen scheinen. Sie schreien den Leser an, nichts auf die lange Bank zu schieben, sich einfach zu trauen und nicht zu warten, bis es zu spät ist. Zeilen, die mich tief bewegt haben und über die ich gerne reden würde. Sie sind ein ganzes Leben. Vielleicht sogar viel mehr, weil sie im Nachhall des Vergangenen auch das Leben eines anderen Menschen mit einem großen Fragezeichen versehen. Lasst mich Eure Gedanken zu diesen Zeilen fühlen.

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L,
wir haben den Ring in deinem
Schreibtisch gefunden. Ich hätte
JA gesagt.
A

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Eine Ausgabe von „Ich wollte nur, dass du noch weißt“ liegt hier bereit für den / die Verfasser/In des Kommentars zu diesen Zeilen, der mich am meisten bewegt. Schreibt mir eure Gedanken, wir sind ja unter uns. Lasst Euren Gefühlen einfach mal freien Lauf und zeigt mir, wo dieses Herzensbuch künftig wohnen soll und mit wem ich mich dann über die vielen Einträge austauschen kann. Schreibt. (Aktion abgeschlossen)

In meiner Radioreportage geht es sowohl um dieses wundervolle Buch, als auch das neue Format aus der Feder von Emiliy Trunko. Hört einfach rein. Zweistimmig in die Zukunft des guten Lesens. Hier geht es zum PodCast

Ich wollte nur, dass du noch weißt - Emilly Trunko

Ich wollte nur, dass du noch weißt – Emily Trunko

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36 Gedanken zu „Ich wollte nur, dass du noch weißt – Nie verschickte Briefe

  1. Ich fange einfach Mal gerade heraus an: Meinen Vater sah ich zuletzt, als ich 2 Jahre war, bevor er (berechtigt) ins Gefängnis musste.

    *Emotionaler Vorhang geöffnet*

    Je älter ich würde, umso mehr wollte ich Kontakt zu ihm…Trotz dessen, was er getan hat. Ich hatte seine erste Adresse erhalten, als ich 12 war, ihm geschrieben und Antwort erhalten…Einmal…Danach lange Zeit nicht mehr. Ich war dementsprechend enttäuscht.

    Als ich dann 23 war, hatte ich online meinen Onkel gefunden, welcher tatsächlich die neue Adresse meines Vaters geben konnte.

    Hier kommen wir nun zu Briefen, die ich schrieb, aber nie abschickte. Ich fing immer wieder an…Sagte ihm das es mir gut geht, ich ihn sehr vermisse…Aber auch Fragen wie: Warum hast du dich nicht gemeldet? Warum hast du es zugelassen, das wir bei diesem Mann (ich kann heute weder Namen aussprechen noch ihn meinen „Stiefvater“ nennen) leben mussten…Alles was wir in unserer Kindheit durchmachen mussten.

    Oft kamen mir die Tränen, bei diesen Gedanken…Die Briefe wurden auch fertig, aber abgeschickt habe ich sie nie. Warum? Kann ich nicht genau sagen.

    Ich habe heute Kontakt zu meinem Vater, aber darüber gesprochen haben wir nie.

    *Emotionaler Vorhang geschlossen*

    Diese Sache wird mich vermutlich lange begleiten und vielleicht bringe ich irgendwann den Mut auf, mit ihm darüber zu sprechen.

    Ich danke dir auf jeden Fall für deinen tollen Artikel 🙂

    • Vorhang… Standing ovations und meinen tiefen Respekt für diese Worte, die sicher nicht leicht ihren Weg nach draußen gefunden haben. Und doch bin ich mir sicher, dass es verdammt gut getan hat, sie mal aufzuschreiben.

      Und es ist nie zu spät zum Reden… zumindest nicht solange es möglich ist…

  2. Genau diese Idee hatte ich auch schon, ein buch mit diesen Briefen, es wären wohl viele aber auch eine art Abrechnung gewesen, allerdings bin ich auch ein paar Jährchen älter als diese Autorin.

  3. Das geht wirklich unter die Haut. Allein die 12 Wörter. Und ehrlich, wer hätte nicht zumindest in Gedanken Briefe verfaßt oder Gespräche geführt. Gedanken, die einem durch den Sinn gehen und bei denen man hofft, doch noch eine Klärung von alten Geschichten zu bekommen. Mir faleln da selber mindestens zwei Menschen ein. Einmal wurde eine eMail geschickt und (vielleicht) ist das letzte Wort noch nicht geschrieben. Der andere Brief lief nur in Gedanken ab.

    Aber reden, schreiben ist SO enorm wichtig. Es läst sich soviel dabei gewinnen! Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede.

    Und der Text geht wirklich sehr unter die Haut. Möchte ich noch loswerden. Wie sehr möchte ich wünschen, L. hätte gewagt zu fragen.

  4. Worte sind mächtig. Bei Emilys 12 Wörtern, welche sich um den Ring drehen, bekam ich Gänsehaut. Wie oft schon habe ich es verpasst Menschen aus meinem Leben Dinge zu sagen. Sei es positiv oder negativ. Das Wissen, evtl. die Chance zu verpassen, jemanden etwas zu sagen, was man fühlt, denkt oder einfach nur ein „Wie geht es Dir?“ Ist um so vieles Schlimmer, als z.B. tausend Nadelstiche.

    In meiner Vergangenheit gibt es ein Kapitel, wo es genau um diese Situation geht. Man hat etwas entdeckt und hat nicht die Möglichkeit erhalten, dieser einen Person es zu sagen. Ne mom… Es waren zwei. Zwei Momente im Leben, die ich nie wieder rückgängig machen kann und mir in bestimmten Momentan der Ruhe immer wieder in mir aufkommen und mir entgegenrufen „Wieso hast Du nichts gesagt????“

    Emily beschreibt mit ihren Briefen genau das, was doch jeder von uns einmal erlebt hat. Manchmal trauen wir uns vielleicht nicht, notwendig Gesagtes über unsere Lippen kommen zu lassen. An alle die diesen Post lesen ein Appell; SAGT den Leuten in eurem Leben, was sie für euch bedeuten, wenn sie euch traurig oder glücklich gemacht haben! Das Leben ist viel zu kurz für ungesagtes! Und vielleicht begegnet euer Gegenüber euch auf tatsächlicher Augenhöhe. Einer Höhe in der man die tiefe Bedeutung von Wörtern wie „Ich liebe Dich“, „Du hast Dich komplett falsch verhalten“ oder aber „Ich hätte JA gesagt“. Sagt es Ihnen und macht nicht den Fehler wie ich und schreibt in eurer Tagebuch (jaaaa ich schreib Tagebuch – Es heißt seitdem ich 14 bin auch Anne). Lasst nichts unausgesprochen!

  5. Guten Morgen, lieber Arndt!
    Ich habe Deinen Beitrag gestern gelesen und nachdem ich mich danach wieder etwas gefangen hatte, ihn sogleich zwei Freundinnen weiterempfohlen, die eigentlich niein der Buchblogger-Welt unterwegs sind. Auch sie waren direkt sehr berührt. Sowohl von dem Buch, als auch von Deinem wunderbaren, ehrlichen und gefühlvollen Beitrag! Vielen Dank dafür!

    Ich schreibe schon Briefe seit ich das Schreiben gelernt habe. Und ja – auch da waren so unendlich viele dabei, die nie ihren Empfänger erreichten. Seit ein paar Jahren aber schreibe ich Briefe, jede Weihnacht, die ihren Empfänger nie mehr erreichen können. Ich schreibe sie seit 2013 meinem Mann, der mit 35 Jahren in Folge ein langjährigen schweren Krankheit, die uns beide sehr lange begleitet und geprägt hat, verstarb. Zwar erzähle ich ihm seitdem auch fast jede Woche an seinem Grab, was mich beschäftigt und wie es mir geht, aber diese unschickbaren Briefe an ihn, sind doch noch einmal etwas anderes. Jedes Jahr, nehme ich mir am Abend vor Weihnachten Zeit, um ihm zu schreiben. Ich schreibe ihm dann, wie es ist, ohne ihn weiterzuleben. Wo es schwer ist, nach dem Fallen aufzustehen, wo es leichter geht und wo es sogar wieder schön ist, zu leben. Und wie auch jetzt beim Schreiben hier, sind das tränenreiche Abende. Aber sie sind so wertvoll und gut.

    Wir hatten das Glück, dass wir, als er noch lebte, immer offen und lange mit einander sprachen. So dass zumindest nichts unausgesprochenes zwischen uns stand und es in mir nicht das Gefühl gibt, ihm noch etwas sagen zu müssen, was ich ihm vor seinem Tod niemals hätte sagen können. Die Briefe sind eher ein „ihn weiter teilhaben lassen“ an meinem Leben, das ich ohne ihn fortsetzen musste. Es ist ein wichtiges Ritual in meinem Leben geworden, das mir hilft, mit ihm verbunden zu bleiben.

    Alles Liebe Dir!
    Mina

    • Das ist ein wundervolles Ritual, das nachahmenswert ist. Niemals vergessen zu werden ist ein Privileg und die Teilhabe an eurem Leben ist wohl die größte Wertschätzung, die jemand erfahren kann. Was für ein schöner Gedanke…

    • Liebe Mina

      Ich mag dir das Buch gerne schicken, da du einen Weg gefunden hat, aus den nicht verschickten Briefen Kraft zu ziehen und ein Ritual entwickelt hat, das bei allem Verlust zeigt, dass man nie ganz fort ist, solange man nicht vergessen wird…

      • Lieber Arndt,
        ich freue mich unglaublich über das Buch und danke Dir sehr! Auch wenn mit Sicherheit nun einige Abende voll Tränen auf mich warten. Ich habe die Tage schon einmal auf dem Blog gestöbert und war sehr bewegt.

        Ja, ich glaube, nicht vergessen zu werden, ist das schönste Geschenk, dass wir erhalten können…

        Noch einmal ganz lieben Dank! Ich sende Dir meine Daten per Mail.
        Herzlichst, Mina

      • Es warten nicht nur Tränen… das kann ich dir versprechen. Dieses Buch ist so facettenreich, dass es eben viele Gefühle wckt. Auch herzhaftes Lachen ist erlaubt…

  6. Es fällt schwer hier zu schreiben. Zu viele Dinge die mich beschäftigen. Zu viele ungeschriebene Zeilen, zu viele die ihren Empfänger nie mehr erreichen werden. Einige sind es wert verschwiegen zu werden, andere möchte ich in die Welt schreien. Ich bin achtsamer geworden, ängstlicher und vertraue nicht mehr schnell. Es sind wilde Zeiten und nur der Wind weiß wohin er weht. Drum wird es zu diesem wunderbaren Buch und dem aufwühlenden Artikel nicht mehr zu lesen geben von mir. Nur der Rat achtsam und wachsam zu bleiben.

    • Den Rat nehme ich gerne an und ahne, welche Gefühle Dich gerade bewegen. Nicht alles muss immer an die Öffenlichkeit. Behutsam mit sich selbst umzugehen ist sehr wichtig. Jedoch erneut ein Zeichen, was dieses Buch lostreten kann…

  7. Wow, vielen Dank für deine tollen Worte zu diesem Buch, welches ich bisher noch nicht kenne, doch das wird sich definitiv ganz schnell ändern.
    Dieser eine Satz den du uns vorgestellt hast, hat mich zutiefst berührt und lange nicht mehr losgelassen. Er zeugt von einer tiefen Liebe, welche durch das Schicksal schwer getroffen nicht bis zum Ende gelebt werden konnte.
    Ich glaube jeder von uns besitzt Briefe, die er niemals abgeschickt hat und auch nicht abschicken wird. Meine befinden sich in meinem Kopf undin meinem Herzen und da werden sie auch bleiben.

    • Ein guter Platz für das Verborgene. Wohl wahr… Aber gerade bei den Zeilen, die auch mich umtreiben hätte man sich vielleicht gewünscht, die hätten ihren Adressaten erreicht. Wenige Worte mit so viel Schlagkraft… Ich hätte…

  8. Lieber Arndt, ich sitze hier nach dem Besuch meiner lieben Mutter im Krankenhaus und lese deinen Artikel. Mir kullern gerade die Tränen. Zum Glück ist zwischen uns nichts Unausgesprochenes. Nur die Angst um sie begleitet mich seit Wochen.
    Leider gibt es jemanden, der mir sehr viel bedeutet hat und dem ich so vieles nicht mehr sagen kann, den ich erst an Weihnachten verloren habe. Ich hatte einen Brief geschrieben, stand schon vor dem Briefkasten… und ich habe mich nicht getraut. Ich dachte, irgendwann sagst du es ihm persönlich oder übergibst ihm den Brief. Es sollte leider nie dazu kommen. Das Leben ist einfach zu kurz, um feige und ängstlich zu sein. Traut euch, steht zu euren Emotionen! Und wenn es dennoch nichts wird, ihr habt es wenigstens versucht.
    Danke Arndt für diesen aufwühlenden und doch schönen Artikel.

    • Es ist gut zu lesen, dass trotz aller sorge nichts Unausgesprochenes zwischen Mutter und Tochter ist und dass dies wohl auch so bleibt. Die Lehren eines Lebens sind oftmals bitter. Der Gang zum Briefkasten und das Zögern. So sehr nachvollziehbar für mich. Dein Aufruf verhallt sicher nicht im Leeren. Man sollte sich wirklich trauen. Mehr als scheitern kann man nicht… Liebe Grüße, Arndt

  9. Hallo Arndt,

    wie ich Dir ja schon sagte, ich schreibe hier außer Konkurrenz, da ich dieses besondere Buch am Wochenende selbst bekommen habe. Freue mich aber dennoch über Gedankenaustausch.

    Ja, es gibt Briefe, ganz allgemeine, manche auch mit Herzschmerz, die nie verschickt wurden. Einige existieren noch in einer Schublade, andere wurden nach einiger Zeit (leider) vernichtet. Manche Briefe entstanden nur in meinem Kopf und haben sich in mein Herz eingebrannt. Es gibt so viele Arten, Worte zu formen und dennoch ungesagt zu lassen. Mein Ventil war immer mein Tagebuch, dass ich ähnlich wie Anne Frank in einer Art Briefform schrieb, nur dass es immer bei „Liebes Tagebuch“ blieb. So war es irgendwie persönlicher, dennoch nie zu persönlich, wenn meine Gedanken auf das Papier flossen.

    Manchmal ist es traurig, wenn der Empfänger nie erfährt, was in dem Briefeschreiber vor sich ging. So viele vertane Gelegenheiten, Schicksale, die sich vielleicht anders gestaltet hätten, verpasste Momente, aber auch schöne, herzerwärmende Worte, von denen so nie jemand etwas erfährt….

    In dieses Buch einzutauchen wird eine Art Achterbahnfahrt der Gefühle werden, da sich sich das ein oder andere Mal Parallelen zu jedem Leser ergeben werden.

    Liebe Grüße
    Anja

    • Das mit der Achterbahn siehst du richtig. Das Auf unserer Ab der Momente, die man auch anders hätte nutzen können ist sehr bewegend. Jeder findet da seinen Weg im Leben und Unausgesprochenes ist oft gar nicht verkehrt. Es bleiben aber die Worte, die man gerne gesagt hätte. Und genau hier gilt es einfach zu schauen, ob man sich da ab und an mehr trauen sollte…

  10. Lieber Arndt,

    ich habe jetzt zum 5 Mal deinen Artikel gelesen… ich hab 5 Mal angesetzt selbst etwas zu schreiben… 5 Mal musste ich abbrechen, weil der Tränenschleier zu groß ist… auch jetzt schon, obwohl ich eigentlich noch gar nichts geschrieben habe, laufen die Tränen und…
    weißt du ich kann keinen Brief schreiben… ich könnte meinen Erzeuger schreiben… ihm sagen, was er für ein unwichtiges Zahnrad der Geschichte ist… ein Käfer, den man zertreten könnte… aber das wäre nicht ehrlich, denn ich möchte ihm gar nicht schreiben… weil es mir nichts bringen würde…
    Ich könnte meinem Bruder schreiben, warum er zu allen anderen nett sein kann, nur zu mir nicht… das gleiche könnte ich an meinen „Stiefvater“ adressieren…
    Ich könnte meine ehemaligen besten Freundin schreiben, wie sehr ich sie vermisst habe, obwohl sie mich so verletzt hat…
    Ich könnte meine kleine Schwester fragen, warum sie sich selbst zerstört, indem sie wieder bei ihrer narzisstischen Mutter lebt…
    Aber keiner dieser Punkte, tut mir im Herzen so doll weh, dass ich weinen muss… Jahrelange Schutzschilde halten Gefühle oft ganz gut…

    Aber sobald ich auch nur an sie denke… sobald ich in ihr Treppenhaus trete… an ihrem Haus vorbeifahre… den Friedhof sehe… dann fließen die Tränen…
    Wenn jemand über sie spricht, muss ich den Raum verlassen, weil ich sonst zerbreche…
    Aber nichts davon würde ich ihr sagen wollen… weil es ihr weh tun würde, zuhören, wie schlecht es mir geht…

    Also bleibe ich einfach immer bei: „Oma, du fehlst mir…!“

    Ich geh mal kurz den Wasserfall ausschalten… :*

    • Trotz aller „Ich könnte“ hast du mehr geschrieben, als du es vielleicht realisierst. Und auch das beste Schutzschild muss mal ganz kurz sinken, damit man nach vorne schauen kann… Chapeau

      • Ich schiebe es einfach auf meine Grippe… 😀
        Aber du hast durchaus recht, Schutzschilde müssen mal sinken… oft hat sich dann aber schon so viel angestaut, dass es doppelt weh tut…

        Aber dennoch wichtig! ❤

  11. Was bis heute nicht verschickt wurde, befndet sich nicht in der engeren Auswahl derer, die eine chance auf das Buch haben. Da die Kommentare mich mehr als bewegen, werde ich bis morgen brauchen, eine Entscheidung zu treffen.

    Wir sehen uns also morgen um 19 Uhr… und dann werde ich ein Buch verschicken.

  12. „Ich wollte nur, dass du noch weißt“ von Emily Trunko – Loewe Verlag​ – die kleine Buchaktion auf AstroLibrium wird aufgelöst:

    Ich hatte um Kommentare zu meiner Buchvorstellung zum Thema „Nie verschickte Briefe“ gebeten und habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.

    Ich mag das Buch gerne zu Mina schicken, da sie einen Weg gefunden hat, aus den nicht verschickten Briefen Kraft zu ziehen und ein Ritual entwickelt hat, das bei allem Verlust zeigt, dass man nie ganz fort ist, solange man nicht vergessen wird…

    Hier ihre bewegenden Worte…

    https://astrolibrium.wordpress.com/2017/02/10/ich-wollte-nur-dass-du-noch-weisst-nie-verschickte-briefe/#comment-5109

    Ich danke allen, die diesen Artikel mit ihren Herzensworten bereichert haben….

  13. Pingback: Eine Buchmesse ist eine Buchmesse ist eine Buchmesse. | AstroLibrium

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