Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Eigentlich heißt das Buch ja „Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“. Eigentlich. Denn unter diesem Namen ist der Weltbestseller in Deutschland weniger bekannt. Erst seine Adaption als erfolgreiche Fernsehserie unter dem Titel Club der roten Bänderhat für Aufsehen gesorgt und auch den Schriftsteller selbst bekannt gemacht. Eigentlich hat er nur seine Geschichte niedergeschrieben. Was aus diesem „Eigentlich“ wurde, ist inzwischen Fernsehgeschichte. Zwei Staffeln des Erfolgsformats durften wir bisher auf VOX bestaunen. Insgesamt 20 Folgen einer Geschichte, die mitten aus dem Leben des Autors Albert Espinosa gegriffen ist.

Ein Leben das sich in Kliniken abgespielt hat. Albert Espinosa wurde mehr als zehn Jahre lang als Krebspatient behandelt, verlor ein Bein, Hoffnung und Zuversicht. Einzig die im Krankenhaus entstandenen Freundschaften und Begegnungen gaben ihm Kraft, Halt und den Lebensmut zurück, der ihn die Krankheit überleben ließ. Er wollte mit dem Buch seine Erfahrungen weitergeben und jungen Menschen Wege aufzeigen, um ihren Lebensmut auch unter Lebensgefahr nicht zu verlieren.

Inspiriert von seinen realen Freundschaften und seinem Bündnis der Unheilbaren entstanden neben dem Buch Fernsehserien in Spanien, Italien, den USA und auch bei uns in Deutschland, die zum weltweiten Durchbruch der Geschichte beitrugen. Hierbei handelt es sich im klassischen Sinn nicht um eine Krankenhausserie. Weit entfernt von den üblichen Klischees stellt der Club der roten Bänder die jungen Patienten in den Mittelpunkt. Wer auch nur eine Folge der Serie gesehen hat, wird keinen dieser jungen Menschen mehr vergessen. Aus der Hoffnungslosigkeit entsteht ein Zweckbündnis, aus dem Freundschaften fürs Leben werden… Und darüber hinaus.

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Und so lernen wir sie kennen, die sechs Protagonisten einer Serie, die mehr ist, als nur gute Fernsehunterhaltung für die schönen Abendstunden. Sechs Schicksale lernen wir kennen. Sechs junge Menschen, deren Lebens- und Leidenswege unterschiedlicher nicht verlaufen könnten und sechs Schauspieler, die alles in ihre Rollen investieren, um der Geschichte von Albert Espinosa gerecht zu werden. Wir lernen Krankheiten besser verstehen, erkennen die Ausweglosigkeit für jeden Einzelnen und fühlen von der ersten Sekunde an, wie lebensrettend es ist, schwere Situationen im Leben nicht alleine leben zu müssen.

Krebs; Amputationen; Magersucht; das Asperger-Syndrom; Herzkrankheiten und ein Koma bilden den Rahmen für eine Allianz der Hoffnung. Ängste dominieren hierbei die Denkwelt jedes einzelnen Patienten und erst das Eingeständnis dieser Ängste und die Öffnung nach außen wirken wie ein Befreiungsschlag aus aussichtsloser Situation. Die Jugendlichen entdecken sich selbst, indem sie aus dem Schneckenhaus getrieben werden, in dem sie ihr Selbstmitleid gefangen hielt. Jeder von ihnen findet im Club der roten Bänderseine Rolle. Jeder von ihnen findet einen Weg, weil sie nun zueinander finden und fühlen, wie wichtig sie füreinander sind.

Die eigentlichen roten Namensbänder fürs Handgelenk werden für Emma, Jonas, Leo, Alex, Toni und Hugo zu dem einen Band, das sie miteinander verbindet. Verluste und Rückschläge, Fortschritte und Stagnation werden gemeinsam erlebt und der „Club der roten Bänder“ wird täglich vor neue Herausforderungen gestellt. Dabei greift diese Serie den monotonen Klinikalltag und die instabile Psychologie kranker Menschen sehr authentisch auf. Man spürt, dass Espinosa aus eigener Erfahrung spricht. Man weiß es umso mehr, wenn man selbst einen jungen Menschen in einer solchen Extremsituation begleiten durfte (oder musste – je nachdem, wie man es betrachtet).

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Insofern mag man mir verzeihen, wenn ich Selbsterlebtes in den Kontext dieser Serie bringe, aber nur so gelingt es mir, ihre Relevanz zu unterstreichen. Nur so kann ich für mich ganz allein erklären, was Espinosas Geschichte für Menschen bedeuten kann, die alles andere als gesund sind. Seine Erfahrungen und die Botschaften, die er vermitteln möchte, sind weit entfernt von weltfremder Philosophie oder von Kalendersprüchen, die aufmuntern und motivieren sollen. Seine Weisheiten basieren auf den Faktoren, die der Realität entsprechen, wenn eine schwere Krankheit plötzlich zuschlägt.

Das gesunde Umfeld beginnt sich zurückzuziehen. Das normale Leben erscheint im Moment der Behandlung nur noch als Illusion. Routinen und Schulen verschwimmen zu immer blasser werdenden Bildern und Gesunde werden allzu neidisch betrachtet. Eltern und Ärzte stoßen mit ihren wohlmeinenden Durchhalteparolen sehr schnell an Grenzen und die Beziehung gerät ins Wanken, wenn die Krankheit des eigenen Kindes den Tag bestimmt. Nichts ist mehr normal. Man macht sich Vorwürfe, kapselt sich ab und nimmt kaum noch wahr, wie die Tage verlaufen.

Das sind die Tage an denen jeder seine eigenen roten Bänder braucht. Es sind die Tage an denen man erkennt, welche Wahrheiten in diesem Buch stecken. Es sind Tage des Erkennens und des Hoffens. Alleine geht es nicht. Es geht auch nicht, wenn man in sich selbst zurückgezogen dem gesunden Leben nachtrauert. Auch in der Krankheit ist es möglich, sich selbst zu finden. Espinosa hat sich nicht verloren. Er hat nach anderen Wegen gesucht und überlebt. Der „Club der roten Bänder“ ist keine heile kleine Welt. Mitnichten. Aber es ist eine Welt, die bei allen Verlusten und Rückschlägen beweist, wo man angreifen kann, wenn man beginnt den Mut zu verlieren.

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

So stehen die roten Bänder als Symbol für die Wege in der Ausweglosigkeit. Den wahren Wert von Espinosas Werk erkennt man, wenn man reflektiert, welche Bänder in haltlosen Zeiten für Stabilität gesorgt haben. Hier muss jeder seine Wege gehen und für sich allein entscheiden, was er zulässt und was nicht. Erst in der Rückschau wird klar, dass viele Elemente aus dem Buch und der Serie tragfähig sind. Die Suche nach den eigenen roten Bändern ist der erste Schritt aus der Passivität heraus. Hier ist viel mehr gemeint, als eine Kopie der Serie zu gestalten. Es geht darum, eigene Wege zu gehen. Eigene Prioritäten zu finden und sich doch ein ganz klein wenig anlehnen zu können. So klein die Schritte auch sind. Es sind Schritte. Fortschritte….

Wenn ich an die roten Bänder denke, die meiner Tochter in schwerster Zeit geholfen haben, dann sind sie nicht mit dem Buch zu vergleichen. Und doch gab es auch hier im weitesten Sinne einen Club, der mit einem unsichtbaren Band verbunden schien. Auch heute noch denke ich an die Phasen des Komas und der Rehabilitation zurück, wenn in der Serie vergleichbare Themen berührt werden. Und doch kam die Kraft, aufzustehen nicht nur aus der Klinik. Sie kam von außen. Durch Aufmerksamkeiten lieber Menschen und Zeichen, die unerwartet für neue Schubkraft sorgten. Es waren Lehrer, Mitschüler und Freunde, die einfach da waren und blieben. Und es war die große Liebe zum Sport, die Flügel verlieh. Auch Vereine und Facebook-Freunde können rote Bänder sein.

Und nicht zuletzt war es ein Hund, der alle Energien mobilisierte. Das alles schien so weit weg zu sein. Bis plötzlich ein Rückschlag in diesem Jahr alles auf Anfang setzte und schmerzhaft zeigte, dass Gesundheit allzu sehr am seidenen Faden hängt. Und ob man mir nun glaubt oder nicht. Genau in diesen Momenten waren unsere roten Bänder da. Genau in diesen Moment haben wir daran gedacht, was Albert Espinosa uns sagen wollte. Genau hier zeigt sich die Relevanz seiner Botschaft.  Fernab jeder Unterhaltung im Abendprogramm, fernab aller Lebensweisheiten, die man eben schnell von sich gibt und fernab aller Klischees. Findet eure roten Bänder. Die Suche allein kann schon euer Leben retten.

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse- AstroLibrium

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse- AstroLibrium

Dieser Blick ist natürlich rein subjektiv, aber im Dialog mit vielen Menschen, die den „Club der roten Bänder“ gelesen oder gesehen haben, werde ich in meiner Sichtweise bestärkt. Die zweite Staffel ist ab dem 23.12.2016 als DVD-Box im Handel und ich bin mir sehr sicher, dass sie den Weg auf unseren Gabentisch finden wird. Die Qualität der Fortsetzung ist so grandios, dass man die Serie einfach mehrmals sehen muss. Wenn man darüber hinaus noch auf der Suche nach einem bibliophilen Weihnachtsgeschenk ist, kann und sollte man als Fan des Clubs der roten Bänder auf das aktuelle Buch von Albert Espinosa zurückgreifen. Die roten Geheimnissesind für mich der Extrakt der Botschaften und Hilfestellungen, die bleiben, wenn der Abspann schon längst über den Fernsehschirm geflimmert ist.

Dieses im Kailash-Verlag erschienene Buch ist inspirierend, ermutigend und hilft bei der Annäherung an das schwierige Thema Verlust. Auch hier weiß der Autor zu überzeugen, da er neben seinem Bein weitere schwerwiegende Verluste erlitt. Er verlor seinen Vater, den er im Sterben begleiten konnte. Und auch hier stellte er für sich fest, dass man sich auf diesem schweren Weg neu erfinden musste. Es gibt keine Ratgeber oder Anleitungen für den Umgang mit dem Sterben des eigenen Vaters. Wer an dieser Stelle ein trauriges und sentimentales Buch erwartet, der kennt Albert Espinosa nicht.

Denn nur wer das Leben so liebt wie er selbst, kann so positiv über seinen Umgang mit Verlust schreiben. Nur wer das Leben liebt, weiß was es bedeutet, wenn man einen geliebten Menschen loslassen muss. Dieses Buch ist tiefgründig, bewegend und mehr als positiv im Grundton. Hier finden wir Espinosas Geheimnisse, die uns verraten, wie leicht es sein kann, dem Leben die schönen Seiten abzugewinnen. Nennt es Ratgeber oder Anleitung, nennt es wie ihr wollt. Ich nenne es nur die Seele des Autors. Mehr als ein Geschenk.

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

Der „Club der roten Bänder“ geht weiter. Im Herbst 2017 wird die dritte und letzte Staffel zu sehen sein. Es wird so sein, wie es bisher war. Wir werden lachen, weinen, hoffen und bangen. Wir werden erleben, wie das Leben der Freunde weitergeht, wenn einige von ihnen die Klinik verlassen. Wir werden erleben, ob Krankheiten überwunden werden und wie sich die Freundschaften bewähren, wenn die Klinik der Vergangenheit angehört. Wir werden sehen, ob die roten Bänder halten…

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4 Gedanken zu „Der Club der roten Bänder und die roten Geheimnisse

  1. Als ich letztens in einer Buchhandlung vor einem Regal mit den Büchern stand (Rotes Band – Blaues Band) dachte ich an dich. Habe ich doch vor ein paar Tagen in einem Post deinen Hinweis auf die Sendung gelesen. Gesehen habe ich sie nicht und VOX läuft eigentlich gar nicht auf meinem Fernseher.
    Nun aber las ich den Buchdeckel und meine Gedanken waren wieder bei dir, denn nun wusste ich, was dich damit verbindet, hast du uns doch teilhaben lassen an persönlichsten Dingen, deine Familie betreffend.
    Das ist die Gelegenheit, dir und deiner Familie eine schöne und fröhliche Weihnacht zu wünschen. Lest euch was vor… 😉
    Viele Grüße aus Neustrelitz
    Uwe

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