Die kleine Feder – Ein Kleinod von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Kennt ihr Angelo Branduardi? Den italienischen Barden mit der hauchzarten Stimme und den Balladen voller Liebe und Sehnsucht? Ich höre seine Lieder seit früher Jugend und verbinde federleichtes Träumen und romantisches Fliegen mit ihm. Seine Melodien gehören zu meinem Leben und haben mich mit ihrer tiefen Melancholie häufig gerettet. Seinen Namen in einem Buch vom Atlantik Verlag wiederzufinden war der Türöffner zu einem schwerelosen Leseerlebnis.

Ein italienisches Zitat leitet die Fabel Die kleine Feder von Giorgio Faletti ein. Es stammt vom Autor der Geschichte selbst und eben jenem Angelo Branduardi, was mich dazu verleitete, die Gemeinsamkeiten der beiden Künstler zu durchforsten. Die Ballade La regola del filo piombo handelt von einer kleinen Feder, die einerseits schwerelos schwebt, dann aber auch der Schwerkraft gehorchend zu Boden sinkt und dort verweilt. Der Dichter erschuf den Text, der Barde die Melodie.

„Anche il peso lieve di una piuma scende
se c’è un soffio d’aria che se la riprende
per follia di vento può salire su ma poi torna giù.“

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Eine typische Branduardi-Ballade und trotz kaum existierender Italienischkenntnisse eine ganz besondere Sprachmelodie, die schnell ihren Weg ins Herz des Hörers findet. Es ist kein Zufall, dass ein Zitat aus diesem Lied quasi als Willkommensgruß in diesem Buch verankert ist. Von Feder zu Feder, von Künstler zu Künstler, von Herz zu Herz ist die Fabel angelegt und passt damit so gut in die Kategorie Westentaschenliteratur“. Bücher, die man immer bei sich tragen kann. Schwerelos, wie eine Feder und doch mit viel Gewicht für das tägliche Leben.

„Die kleine Feder“ nimmt nicht viel Raum ein. Die kleine Geschichte im kleinen aber feinen Büchlein umfasst gerade einmal achtzig Seiten. Seiten, die es jedoch gewaltig in sich haben, wenn es um die Tragweite der Botschaft und um ihren Hintergrund geht. Es ist eben viel mehr als eine kleine Geschichte. Es ist die letzte, posthum veröffentlichte Erzählung des bekannten italienischen Schriftstellers, Komponisten und Schauspielers Giorgio Faletti, der 2014 nach längerer Krankheit im Alter von 63 Jahren in Turin starb.

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Seine Ehefrau Roberta Bellesini Faletti hat ihrem Mann im Vorwort des Büchleins ein liebevolles Denkmal gesetzt, seine Arbeit an dieser Geschichte skizziert und für uns Leser eine Brücke gebaut, die zeitlos tragfähig ist, wenn wir „Die kleine Feder“  lesen.

„Wenn ihr diese Fabel an einem klaren Tag lest, an dem
das strahlende Blau des Himmels euch zwingt, die
Hand schützend vor die Augen zu halten,
und wenn ihr euch nicht davor fürchtet,
einer Feder nachzulaufen, dann wird
ihr Flug euch in Staunen versetzen.“

Ich habe mich nicht gescheut, einer Feder nachzulaufen. Ich habe mich einfach mit ihr treiben lassen und bin dem Wind gefolgt, der hier die Rolle des Schicksals spielt. Ich habe mich dort niedergelassen, wo die Feder zu Boden sank und habe mich in die Luft erhoben, wenn ein neuer Windstoß sie an einen neuen Ort fliegen ließ. Ich begegnete den Menschen auf dieser federleichten Reise, war von ihrer Gier und ihrer Doppelmoral erschreckt und habe gehofft, sie würden in jener Feder vor ihren Augen das Wesen der Feder selbst erkennen. Vergeblich.

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Die kleine Feder von Giorgio Faletti

Giorgio Faletti lässt die Feder über die Abgründe des Menschlichen schweben. Er greift nicht ein, beobachtet weise und zurückhaltend und überlässt die Egoisten und die Empathielosen ihrem Schicksal. Als er sich am Ende der Reise selbst begegnet, ahnen wir, was geschehen könnte. Doch in einer meisterlichen Wendung lässt sich auch „Der Mann des weißen Blattes“ von der wahren Bedeutung der Feder überraschen. Dieses Ende lässt keine Zweifel daran aufkommen, was Giorgio in seiner Geschichte suchte.

Die kleine Feder hat mich in Erstaunen versetzt, ich höre Branduardis Ballade nun mit anderen Ohren, sehe Federn mit anderen Augen und habe etwas zurückgewonnen, was mir manchmal viel zu leicht abhanden kommt. Eine maßvolle Schwerelosigkeit mit einer sehr literarischen Portion Bodenhaftung…

Es geht bald weiter mit meinen „Westentaschenbüchern“. Der nächste Schachzug folgt genau an dieser Stelle, wenn ich mit einer Schachspielerin die Rochade wage.

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