[Blogger & Buchhandel] – DER ROLLENTAUSCH – Teil 2

Die Gelegenheit ist günstig - Ich blogge dann mal - Eure Katrin

Die Gelegenheit ist günstig – Ich blogge dann mal – Eure Katrin

Rollentausch – Die Fortsetzung. Heute: Die bloggende Buchhändlerin. Nachdem Arndt am 2. Adventssamstag so fleißig bei uns in der Buchhandlung Lesezeichen Germering hospitiert hat, ist es nun an der Zeit, meinen Teil des „Rollentausches Blogger & Buchhandel“ einzulösen. Die Gelegenheit ist günstig, denn währed Arndt auf der Leipziger Buchmesse ist, passe ich ein klein wenig auf seine kleine literarische Sternwarte auf. Na, wenn der wüsste, was jetzt passiert. Ich blogge

Puuuh, gar nicht so einfach, liest man doch als Buchhändlerin Bücher so ganz anders als „Mr Rail“. Ich fliege viel schneller über die Seiten, Zeit für Anmerkungen bleibt nicht und viele Geschichten sind altbekannt und oft liest man nur „Anfang, Mitte, Schluss“. Nach 10% muss mich das Buch packen, sonst kommt das nächste dran.

Nichtsdestotrotz gibt es diese Bücher, die einem auch noch nach Jahren im Herzen bleiben, die man Immer auf Lager hat und so ziemlich jedem ans Herz legen kann, (fast) egal welches Genre der Kunde ansonsten liest. Lange habe ich überlegt, welches meiner Herzensbücher ich für AstroLibrium besprechen soll – es haben sich über die Jahre doch so einige angesammelt.

Blogger und Buchhandel - Zwo Punkt Null _Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Zwo Punkt Null _Rollentausch

Schlussendlich habe ich mich für eine Doppelbesprechung entschieden.

Von einer meiner Herzensbuchautoren kam druckfrisch im Januar 2016 ein neues Buch heraus. Die Spannung war groß, wird es die hohen Erwartungen erfüllen, die ich beim Lesen automatisch haben werde? Alles begann 2012. Aber lest selbst:

Das Herzbuch: „Die geheime Tochter“ von Shilpi Somaya Gowda

rollentausch lesezeichen germering_astrolibrium 2

Als ich das Buch 2012 vom Verlag geschickt bekam, war ich skeptisch. Das Cover sah mir doch recht weichgespült aus – aber gemäß des eigenen Ehrgeizes, in jedes Buch mindestens. reinzugucken, fing ich eines morgens an zu lesen. Ich weiß noch, es war ein kalter Frühlingstag und ich hatte frei.

Ich las über eine Kavita, eine Frau, die zur Geburt ihrer Tochter in den Wald geht, das Kind auf die Welt bringt und sofort nach der Geburt in ein Waisenhaus in der nächsten Stadt bringt. Ihrem Mann erzählt sie, das Kind sei tot geboren, es war eine Tochter. Ihren Mann bekümmert die Trauer seiner Frau, doch er ist froh, sind Töchter doch nur eine Last und bringen die Familie nicht voran. Das ganze spielt in Indien, irgendwann in den 1990-ger Jahren.

Szenenwechsel: Somer ist eine glücklich verheiratete, erfolgreiche Ärztin deren Leben nicht gegensätzlicher als das von Kavita sein könnte. Zu ihrem Glück fehlt ihr nur noch ein Kind – doch sie kann keines bekommen. Mit ihrem indischen Mann, einem Inder – dessen Kultur ihr jedoch bis jetzt fremd ist – entscheidet sie sich für die Adoption eines indischen Waisenmädchens. Denn Liebe, so ist sie ganz sicher, wird alle Probleme überwinden, die die Adoption eines Kindes aus einer ihr fremden Kultur mit sich bringt. Kommt ihr Mann doch schließlich auch aus Indien.

Im Wechsel werden nun die Lebenswege der beiden Frauen erzählt, und natürlich erfahren wir auch wie es Asha – der Tochter in ihrem Leben ergehen wird.

Kann man sich sein Glück von Familie zusammenbasteln, nur weil man auf der „Sonnenseite“ geboren wurde? Wird Kavitas Leben besser, als sie den heiß ersehnten Sohn auf die Welt bringt? Und wie geht Asha damit um, in einer völlig fremden Kultur aufzuwachsen, erzogen von einer Mutter die sie liebt, der ihre Kultur aber fremd ist?

Das alles ist unglaublich glaubwürdig und nachvollziehbar erzählt. Man fiebert mit, wie Kavita und ihr Mann langsam den indischen Aufstieg schaffen und es von einer Hütte im Dorf zu einem gewissen Wohlstand in der Stadt hocharbeiten, man bangt, ob die Liebe von Somer und ihrem Mann stark genug ist, um zu akzeptieren, dass Asha ihrem Vater immer näher stehen wird als ihr, ihrer „Mutter“?

Restlos überzeugt hat mich Gowda aber in dem Moment, wo sie die fast erwachsene Asha zum ersten Mal nach Indien schickt und sie mit ihrer indischen Stieffamilie konfrontiert, die sie herzlich aufnimmt.

Das Buch ist an keiner Stelle kitschig, die Beschreibungen des indischen Lebens lassen einen fast den Duft und Geschmack des Landes riechen und schmecken, mit all seinen (Wohl)Gerüchen und trotz der schrecklichen Tatsache, dass in Indien Tausende von Kinder abgetrieben werden, weil es Mädchen sind (die Autoren berichtet hierzu ausführlich im Nachwort), verurteilt sie die Menschen und ihr Leben nicht.

Bis zum Schluß hatte ich Angst, dass jetzt noch die große „Wir retten als reiche Amerikaner die indische Familie, weil wir deren Tochter adoptiert haben“- Aktion kommt. Aber Shilpi Gowda hat einen ganz feines Gespür für ihre Protagonisten und ihre Geschichte was bewirkt, dass das Buch einem auch noch nach dem Ende lange im Gedächtnis bleiben wird.

rollentausch lesezeichen germering_astrolibrium 4

Ihr seht, das Buch hat mich gepackt – ich habe es seit Erscheinen oft verkauft und verschenkt – dementsprechend war die Vorfreude los, als der Kiepenheuer Verlag für Januar 2016 (fast 4 Jahre nach Erscheinen der „Geheimen Tochter“) ein neues Buch von Shilpi Somaya Gowda angekündigt hat. Ich habe den Verlag halb närrisch gemacht, damit er mir vorab ein Exemplar zukommen lässt – und „Hurra – kurz vor Weihnachten lag es dann in meinem Emailpostkasten.

Eigentlich wollte ich mir das Buch für den Urlaub aufheben, um es ganz in Ruhe genießen zu können, aber die Neugier war zu groß. Gleichzeitig hatte ich Angst – kann das Buch so gut sein wie „Die geheime Tochter“? Der Titel „Der goldene Sohn“ klang nach einem „Abklatsch“ seines erfolgreichen Vorgängers und auch das Cover… naja…. Ich gebe zu, ein bisschen bang war mir auf den ersten Seiten schon……

rollentausch lesezeichen germering_astrolibrium 3

Nach 2 Tagen hatte ich den „Goldenen Sohn“ ausgelesen……

Auch die Geschichte von Anil und seiner Kinderfreundin Leena spielt in einem Dorf in Indien (hatte ich erwähnt, dass die Autorin eine Tochter indischer Migranten ist?) Anil ist der älteste Sohn und soll deswegen in die Fußstapfen seines Vaters treten der in seinem Dorf die Rolle eines Friedensrichters hatte. Leena, eine für indische Verhältnisse draufgängerisches und neugieriges Mädchen soll den Mann heiraten, den ihre Eltern nach besten Wissen und Gewissen für sie ausgesucht haben. Eine Rolle, die den Frauen ihres Dorfes seit Generationen zugedacht ist und in die sie sich auch recht glücklich fügt. Sie freut sich auf ihre Leben, wenngleich ihr auch der Abschied von ihrer Familie und ihrem Jugendfreund sehr schwer fällt.

Anil sah sich noch nie als der Erbe seines Vaters – er ist sehr gut in der Schule und die Medizin ist seine große Leidenschaft. Er ergattert nicht nur einen Studienplatz in der nahegelegenen Stadt, er bekommt auch ein Stipendium für eine Assistentenstelle an einer Klinik in Dallas. Auch wenn er seiner Mutter das Herz bricht, schlüpft er nach dem Tod des Vaters nicht in die ihm zugedachte Rolle sondern geht in die USA um dort ein erfolgreicher Arzt zu werden.

Er genießt die Freiheit in seiner neuen Heimat und auch im Job ist er sehr erfolgreich. Die Beziehung zu einem amerikanischen Mädchen verschweigt er seine Mutter aber trotzdem Denn auch wenn in den USA alles viel freier und fortschrittlicher scheint, so bleibt er dennoch innerhalb seines indischen Freundeskreises.

Leena indes hat mit ihrem Mann großes Pech. Ungeliebt und ausgenutzt flüchtet sie nach einer Zeit der Ehe aus ihrem neuen Heim und geht zurück zu ihren Eltern. Dort wird sie zwar herzlich aufgenommen, das Dorf jedoch grenzt sie als „geschiedene“ Ehefrau die ihren Mann verlassen hat dennoch aus.

Auch Anils Leben bekommt einen Dämpfer, als ihm in der Klinik ein schwerer Fehler unterläuft. Er macht sich Vorwürfe und auch die Beziehung zu seiner amerikanischen Freundin zerbricht. Er beschließt sich eine Auszeit zu nehmen und nach Indien in sein Dorf zurückzukehren…. als geübter Leser denkt man nun, man weiß wie es ausgeht – aber weit gefehlt: es kommt anders und noch viel besser! Aber das müsst ihr selbst Lesen.

Was mich an diesem Buch so fasziniert hat ist die Fähigkeit der Autorin sich in ihre Hauptpersonen hineinzuversetzen. Sie lässt den Leser daran teilhaben wie es ist in beiden Welten zu Hause und dennoch nirgendwo daheim zu sein.

Genauso wie in der „Geheimen Tochter“ bewertet Gowda die Umstände nicht, sie beschreibt sie und trotz mancher Dinge, die unserer Kultur fremd scheinen, bekommt man bis zu einem gewissen Grad Verständnis für das Handeln und Verhalten auch wenn man nicht immer alles gut heißt.

Blogger und Buchhandel - Der Rollentausch

Blogger und Buchhandel – Der Rollentausch

Ich bin mir sicher, dass auch „Der goldene Sohn“ eine Platz in meinem Herzbuch-Regal bekommen wird. Und wenn ihr jetzt neugierig auf die anderen Herzbücher von mir und meinen Kolleginnen seid, dann rate ich Euch, die Buchhandlung Eures Vertrauens aufzusuchen und nach mehr „Herzensbüchern“ von mir und meinen Kollegen zu fragen. Sofern Mr. Rail Euren SuB mit seinen Besprechungen nicht schon in ungeahnte Höhen getrieben hat.

Lieber Arndt, ich danke dir für diese wunderbare Gelegenheit in die Rolle einer „Bloggerin“ zu schlüpfen um andere an meinen Lieblingsbüchern teilhaben zu lassen. Wenngleich ich auch nicht 9 Stunden wie du in unserem Geschäft daran gearbeitet habe, so weiß ich nun noch mehr, wieviel Herzblut in deinen Rezensionen und wieviel Arbeit im intensiven Lesen deiner Bücher steckt. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt!!!!

Blogger und Buchhandel - Zwo Punkt Null - Rollentausch - Wir fangen an...

Blogger und Buchhandel – Zwo Punkt Null – Rollentausch – Wir fangen an…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s