„Die Buchspringer“ von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Mach es Dir bitte bequem. Sehr bequem. Das ist wichtig. Nimm jetzt bitte eines Deiner Lieblingsbücher zur Hand. Lege Dich flach auf den Rücken und öffne das Buch. Lege Dir nun das aufgeschlagene Buch über das Gesicht.

Dann atme tief ein und aus.

Jetzt verschwimmen die Buchstaben… Das Papier gleitet ganz sanft über Deine Wangen. Alles wirbelt wild durcheinander, verformt sich, Worte krümmen und biegen sich auseinander. Dann regnen sie auf Dich hinab, wie ein Regen aus Worten, der auf Dich niederprasselt.

Und schon bist Du ganz tief drin! Mittendrin in Deinem absoluten Lieblingsbuch. Ist das nicht ein reizvoller Gedanke? Und mehr als das! Nicht nur in Büchern verschwinden zu können, sondern dabei auch noch ihre Handlung zu beeinflussen! Das klingt doch aus rein bibliophiler Sicht mehr als grandios und verführerisch.

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser – Nichts leichter als das…

Unglaublich? Nicht, wenn Du ein Buchspringer bist. Nicht, wenn Du zu den ganz besonderen Menschen gehörst, deren Gabe es zulässt, in Bücher zu springen, um dort nach dem Rechten zu sehen und dabei auf die Literatur aufzupassen. Nicht, wenn Du Mechthild Gläser vertraust, die uns alle in ihrem aktuellen Jugendbuch aus dem Loewe Verlag zu Buchspringern macht!

Aber fangen wir doch ganz vorne an. Bist Du sprungbereit?

Amy Lennox kehrt mit ihrer Mutter nach Hause zurück. Beide sind auf der Flucht vor den Flüchen des realen Lebens und nun laufen sie im sicheren Hafen von Stormsay ein. Die kleine Insel soll beiden helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Amy´s Großmutter wohnt dort in Lennox Hall, einem alten Herrenhaus und sie knüpft nur eine Bedingung an den Aufenthalt der beiden. Sie gilt ihrer Enkelin Amy:

„Wenn ihr bleiben wollt, dann weißt du, was meine Bedingung ist. Sie muss lesen. Solange ihr hier seid, wird sie lesen, und dann, wenn die Ferien vorüber sind, kann sie selbst entscheiden.“

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser – Eine Auswahl der besuchten Bücher

Lesen? Wundervoll, denn Amy ist eine absolute Leseratte, doch wenn sie geahnt hätte, was mit diesem Lesen gemeint war, dann hätte sie wohl auf dem Absatz kehrt gemacht und die kleine Insel am selben Tag verlassen. Denn augenblicklich offenbart sich ihr ein tiefes Geheimnis, das nicht nur sie betrifft, sondern ihre ganze Familie und die Angehörigen eines zweiten schottischen Clans, der in Stormsay lebt. Die Macalisters.

Amy´s Großmutter Lady Mairead führt ihre Enkelin in eine verborgene Welt voller bibliophiler Geheimnisse ein. Beide Clans beschützen schon seit ewigen Zeiten die Literatur, teilen sich eine riesige geheime Bibliothek und nur Angehörige der Häuser Lennox und Macalister verfügen über die unglaubliche Gabe der „Buchspringer“. Nur sie besitzen die Fähigkeit, in Bücher einzutauchen und darauf zu achten, dass die Geschichten geschützt bleiben.

Literarische Förster, könnte man sagen. Amy ist natürlich mehr als fasziniert und wird in der Folge gemeinsam mit den beiden jüngsten Macalisters darin unterrichtet, wie dieses Buchspringen funktioniert. Als Neuling darf sie sich zuerst in einem Buch versuchen, das völlig ungefährlich für sie ist. Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling wird zum ersten Sprungversuch für Amy Lennox. Und plötzlich verändert sich ihr Leben schlagartig.

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser – Jedes PostIt ein Sprung

Denn schon der erste vorsichtige Ausflug in ein Buch zeigt Amy, dass die Welt der Literatur bereits völlig aus den Bahnen geraten ist. Geschichten verändern sich, die Romanfiguren sind in heller Aufregung und der junge Will Macalister rückt nur langsam mit der Sprache raus. In seinem Buch fehlt doch tatsächlich die Hauptfigur und er ist auf der intensiven Suche nach Sherlock Holmes. Und dabei kann er die Hilfe von Amy nicht ausschlagen. Denn zu vieles verändert sich gerade.

Hinter dem Geheimnis der beiden Clans verbirgt sich eine noch geheimere Welt. Zwischen den Buchdeckeln scheint ein Dieb umzugehen, um sich Teile von Romanen anzueignen. Bevor kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, müssen Amy und Will einen Weg finden, dem grausamen Treiben Einhalt zu gebieten. Ihre Streifzüge führen sie durch einen bunten Reigen literarischer Klassiker. Sie begegnen den berühmtesten Figuren der Literaturgeschichte und stellen fast überall fest, dass zuerst kleine Details innerhalb der Bücher verändert sind. Aber das ist nur der Anfang, denn einige Geschichten kommen schon ganz gewaltig ins Stocken.

Als sie Sherlock Holmes in seinem eigenen Blut finden… ermordet… beginnt eine wilde Jagd nach dem Mörder des größten Detektivs, den die Buchwelt je gesehen hat. Werden sie es schaffen, die Literatur zu retten und finden sie selbst einen sicheren Weg aus den Geschichten, um ihr Leben zu retten? Finden sie sogar das verlorene Buch, das durch einen fatalen Fehler der Clans vor langer Zeit fast zerstört wurde? Eine Sage, die einst verbrannte und deren Verlust noch heute schwer wiegt… 

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Die Buchspringer von Mechthild Gläser

Mechthild Gläser macht ihre Leser selbst zu Buchspringern. Sie öffnet uns mit ihrer unglaublichen Kreativität eine ganz besondere Seite unserer bibliophilen Leidenschaft. Wir werden zu Bücherdetektiven und erleben sehr schmerzhaft, wie leicht selbst die größten Geschichten unseres Lesens zum völligen Stillstand gebracht werden können. Was ist zum Beispiel, wenn der Kleiner Prinz keine Rose mehr hätte? Was, wenn Elisabeth Bennet niemals mit Mr. Darcy tanzen kann? Was, wenn Alice niemals ins Zauberland kommt? Und wie verändert sich die gesamte Literaturgeschichte, wenn es plötzlich im Sommernachtstraum zu schneien beginnt.

„Die Buchspringer“ verführen uns zu nachhaltigem Träumen und treiben uns durch eine wundervolle, spannende, bewegende, romantische, traurige, lustige und gleichsam fantastische Welt unserer kleinen Bibliothek. Während uns Die Seiten der Welt von Kai Meyer mit unserer bibliophilen Vorstellungskraft außerhalb der Bücher in seinen Bann zieht, werden wir von Mechthild Gläser unmittelbar in die Handlung hinein gezaubert. Beide Bücher gehören zu den absoluten „MustReads“ in der Kategorie Bücher über Bücher.

Am Ende… Ja, am Ende… Ganz am Ende… hat die Autorin einem Gedanken Ausdruck verliehen, der jeden Büchermenschen im Kern seiner Seele trifft. Sie schließt einen Kreis von Rapunzel bis zu den verlorenen Jungs von Peter Pan. Sie schreibt märchenhaft und bezaubernd. Sie verführt uns zu lesen und aus den Buchspringern sofort in die Bücher zu hüpfen, die wir auf diesem Leseweg erneut berühren durften. Sie macht sehr neugierig auf ungelesene Klassiker und am Ende… Ja, am Ende… Ganz am Ende… vermag sie es, uns mitten ins Herz zu treffen…

Aber diesen Treffer müsst ihr selbst erlesen. Taschentücher sollten in ausreichender Menge bereitliegen, wobei Mechthild Gläser den Begriff „ausreichende Menge“ völlig neu definiert, was das Lesenweinen betrifft. Gänsehautgarantie. Ich freue mich schon jetzt darauf, mit ihr auf der Leipziger Buchmesse in alle dort ausgestellten Bücher zu springen. Es wurde ein besonders sprunghaftes Interview.

Mechthild Gläser - Das Buchspringer-Interview auf der Leipziger Buchmesse

Mechthild Gläser – Das Buchspringer-Interview auf der Leipziger Buchmesse

Und jetzt los. Es wird der Sprung Eures Lesens!

Bücher über Bücher bei AstroLibrium... Die Reise geht weiter...

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