Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte (C. Chan)

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan - Buchmagie

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan – Buchmagie

Es gibt Bücher, die man gar nicht rezensieren sollte. Bücher, über die man eigentlich gar nichts sagen sollte, um es jedem Leser zu ermöglichen, seine magischen Momente selbst zu erleben. Es gibt Bücher, bei denen kann es passieren, dass durch unbedachte Äußerungen des Rezensenten ein Diebstahl vollzogen wird. Es soll schon vorgekommen sein, dass man dem Leser eines Romans schon im Vorfeld des Lesens das wichtigste Erlebnis raubt.

Das wollen wir doch nicht. Also – kurz gesagt: Bei Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte von Crystal Chan aus dem Hause Magellan Verlag handelt es sich um ein solches Buch. Ich kann es nur von Herzen empfehlen und allen Menschen, die träumen, fliegen und unvoreingenommen lesen mögen, einen der wundervollsten All-Age-Jugendromane des Jahres ans geneigte Herz legen.

Das wäre es dann für heute. Viel Spaß beim Lesen also und einen tollen Lesesommer in der Kleinstadt Caledonia, Iowa. Ihr werdet es lieben. Tschühüss

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Magellan Verlag

Öhm… So ganz unter uns. Vielleicht kann ich ja doch ein bisschen mehr über das Buch erzählen und wenn wir ganz vorsichtig miteinander umgehen, dann gelingt es auch, nicht zu viel zu verraten. Ich behalte einfach ein kleines aber doch ziemlich wichtiges Detail für mich und rede fortan so ein wenig um den heißen Brei rum, ohne euch einen wichtigen Moment im Buch zu stehlen. Lest ihr weiter? Ok… versuchen wir es einfach mal.

Seht ihr dort hinten die Klippe? Ein schöner Platz inmitten der amerikanischen Wildnis von Iowa. Ländlich geht es zu und die kleinen Städtchen, die sich hier an die einsamen Highways schmiegen, bieten nicht viel Abwechslung. Besonders nicht für Jugendliche und Heranwachsende. Die Natur ist einzigartig, aber eben auch das Einzige, was hier artig ist.

Darf ich euch das Mädchen auf der Klippe vorstellen? (Keine Sorge – ich verrate nicht zu viel) Ja – genau das Mädchen da hinten in dem kleinen Steinkreis meine ich. Sie heißt Jewel (wundervoller Name), und sie feiert ihren ganz besonderen Tag, wie in jedem Jahr. Auf dieser Klippe inmitten der unberührten Natur. Es ist ihr zwölfter Geburtstag und sie feiert allein.

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan

Und wie in jedem Jahr hat sie einen Stein mitgebracht, um den sie nun ihren Lebens-Steinkreis erweitert. Seht Ihr, wie vorsichtig sie ihn hinzufügt, im Gras festdrückt und dann andächtig im Steinkreis verharrt? Allein…

„Ich trat zu ihnen und erzählte ihnen, dass ein neuer dazukommen würde und sie sich gut mit ihm vertragen mussten. Dann baute ich sie so um, wie sie es wollten. Zwölf. Genau wie ich.“

Warum sie alleine feiert? Ich verrate wirklich nicht zu viel, wenn ich euch sage, dass ihr Geburtstag gleichzeitig der Todestag ihres Bruders ist, den sie niemals kennengelernt hat. Er verschwand, während sie das Licht der Welt erblickte und seitdem stellt sie sich die Frage, wie es wohl heute wäre, einen fünf Jahre älteren großen Bruder zu haben. Wie er wäre, was sie wohl füreinander wären und wie ihr Leben verlaufen wäre, würde man nicht immer genau an ihrem Geburtstag in der ganzen Familie nur an John denken.

Und Geburtstage auf Friedhöfen sind ja nun wirklich nicht unbedingt das, was sich Mädchen im Alter von zwölf Jahren von Herzen wünschen. Dazu noch eine Familie, die sich anschließend einschließt, um ganz still zu trauern. Na, das ist nicht wirklich die beste Gesellschaft anstelle einer Party mit Freunden und Freundinnen, wenn man denn welche hätte. Und das alles wegen John.

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan

Obwohl das nicht ganz richtig ist. Es ist eigentlich alles wegen Opa und John hat eigentlich wohl niemand ihren großen Bruder genannt. Er hieß für alle nur BIRD. Diesen verhängnisvollen Namen hatte ihm sein Großvater gegeben. Das Leben ist wie Fliegen und irgendwann sollte der kleine John abheben und sein Leben wie im Flug erleben… So war es wohl gemeint. Gut gemeint vom Opa.

Wer konnte denn auch damit rechnen, dass ein Fünfjähriger sich tatsächlich einbildet, alleine aufgrund seines Namens fliegen zu können? Wer hätte denn gedacht, dass er sich ausgerechnet am Tag der Geburt seiner Schwester an seinen „heiligen Platz“ begeben würde, um die Arme auszubreiten und zum ersten Mal im Leben aus eigener Kraft zu fliegen? Wer hätte gedacht, dass er über den Rand der Klippe springen würde?

Jener Klippe, auf der seine Schwester Jewel nun solange sie denken kann ihren Geburtstag alleine feiert. Alleine mit den Steinen ihres Lebens.

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan

Genau so lernen wir Jewels Familie kennen. Traumatisiert und zurückgezogen. Nichts scheint normal und das junge Mädchen scheint auf dem Opferaltar für ihren toten Bruder auf die Welt gekommen zu sein. Und derjenige, der sich die Hauptschuld an allem gibt, hat seit dem Tod seines Enkels kein Wort mehr gesprochen. Grandpa ist ganz tief in seiner Welt  verschwunden.

„Man hätte fast meinen können, wir hätten Angst vor Worten. Sie hingen unausgesprochen in der Luft, und wenn sie merkten, dass sie nicht gebraucht wurden, schrumpelten sie in sich zusammen und starben.“

So könnte das triste Leben zwischen Aberglauben, Religion, Verzweiflung, nie bewältigtem Verlust und Selbstvorwürfen ewig weitergehen, wäre nicht eines Tages ein wildfremder Junge in der Nachbarschaft aufgetaucht, der allein durch die Nennung seines Namens Jewels Leben erheblich ins Wanken bringt. JOHN heißt er, so jedenfalls seine Behauptung. Als sie dem auf den Grund geht, ist der sympathische Junge mit der großen Ausstrahlung noch nicht einmal denjenigen bekannt, bei denen er zu wohnen vorgibt.

Als John dann auch noch dem schweigenden Großvater Birds begegnet kommt es zur Katastrophe.

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan

Crystal Chan erzählt in einem ganz eigenen Rhythmus, ja fast einer Melodie, eine Geschichte über Freundschaft, Verlust, unbewältigten Schmerz und die erste große Liebe. Und dies vor dem Hintergrund eines familiären Ursprungs, der von Spiritualität geprägt ist. Das Auftauchen von John lässt alle Wunden aufbrechen, die nicht im Ansatz vernarbt waren. Und doch wirkt sein Erscheinen wie eine Schocktheapie auf den Stillstand eines schweigenden Lebens.

Sein Baum „Ereignishorizont“ ist seine Aussichtsplattform, von der aus er die Sterne beobachtet, die er Jewel vielleicht vom Himmel holen würde. Er könnte der Begleitstern sein, der einzige Stern der mit ihr gemeinsam zum Doppelstern wird. Er könnte so vieles sein, hätte er nicht den vielleicht größten Fehler seines Lebens begangen, als er das junge Mädchen zum ersten Mal sah. Kann er das wieder gut machen?

Ein Detail habe ich Euch verschwiegen und ich stehe weiter dazu, dies für richtig zu halten. Ich habe Jewel anders wahrgenommen, als sie in Wirklichkeit ist und der Moment des Erkennens gehört für mich zu den wichtigen Lesemomenten meines Lebens. Und genau diesen Moment habe ich Euch nicht gestohlen. Wirklich nicht.

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte - Crystal Chan

Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte – Crystal Chan

Werdet Teil eines wundervollen Sommers, in dem sich so vieles für immer verändert. Ein Sommer, in dem kleine Wunder geschehen und sich große Dramen abspielen. Dem Sommer zweier Geschwister, die sich nie gesehen haben und einander doch so nah sind. Für Jewel steht er immer unter der Überschrift „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“. Fliegt einfach mit…

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12 Gedanken zu „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte (C. Chan)

  1. Pingback: Die Karte meines Lesens – Mr. Rail als Buch-Kartograph | AstroLibrium

  2. Das glaub ich jetzt nicht. Allein der Inhalt interessiert mich und für meine Tochter ist das garantiert auch ein geniales Buch. Aber viel mehr möchte ich wissen, was du verheimlicht hast. Das ist sooooo gemein und schön und gemein und schön! Ich gehe dann mal einkaufen! So.

  3. Verheimlicht? Ich? Vanessa, wer macht denn sowas? Aber vielleicht reden wir mal drüber, wenn du es gelesen hast. Du merkst schon, worum es geht… wenn du auf der entsprechenden Seite angelangt bist.

  4. Es war da. Direkt auf dem Präsentierteller meiner Buchhandlung und jetzt lese ich und baue mir einen Steinkreis mit xxxxx Steinen. Peinlich viele für eine Jugendbuchleserin. Hihi

    • So viele Steine? XXXXX? Wow… das müssen Steinbrüche sein und ich hoffe dir fällt ein Stein vom Herzen, wenn ich sage, dass dies ein absolutes All-Age-Buch ist 😉 Sage bitte, wie es dir gefallen hat.

    • Dear Crystal, your words are so important for me, because I try to transport my emotions towards the books even in my pictures.

      I love your story…it`s amazing and often heartbreaking, powerful and warm, confident and strong, small and large, silent and loud…

      The pictures are dedicated to you and your fantasy…. Thanks a lot for this emotional visit here.

      Now I´m able to fly….

      • I am quite moved and honored at how BIRD has connected with you, and how deeply you understood the story that I needed to write. May you continue on your path of claiming who you are – and yes, fly! Let nothing stop you! Nothing!

      • As long as authors like you write those stories, I will not fall out of the sky of my imagination. Bird brought me back to the days of my youth… not knowing what the future will bring and I think that your book is able to help young people to find their own ways without prejudice.

        Great book, dear Crystal… a bright star in stormy nights… best navigation for young people from everywhere.

      • Thank you, again. And finally, don’t forget to watch the night sky – tonight is the last night of the Perseids meteor shower. But if you miss them, don’t worry. They’ll come around again. They always do. 😉

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